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„Gottes Wort ist wie Licht in der Nacht…“

30. November 2018 in Spirituelles, 6 Lesermeinungen
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„Nein, Gott braucht unsere Gottesdienste nicht, zumal sie leider viel zu oft armselig sind und ohne Begeisterung gefeiert werden. Aber wir brauchen den Gottesdienst.“ Von Bischof em. Heinz Josef Algermissen


Fulda (kath.net/pbf) Als Papst Johannes XXIII. das Zweite Vatikanische Konzil einberief, ging es ihm darum, den Menschen in einer gewandelten Zeit den Glauben an Jesus Christus nahezubringen. Keineswegs wollte er den Glauben und das Leben der Kirche an den sich stets wandelnden Zeitgeist anpassen.

In diesen Prozess gehörte besonders auch die Erneuerung des Gottesdienstes als wesentliches Element. Das Konzil hatte sich „zum Ziel gesetzt, das christliche Leben unter den Gläubigen… zu vertiefen. Darum hält es das Konzil auch in besonderer Weise für seine Aufgabe, sich um Erneuerung und Pflege der Liturgie zu sorgen“, so im Artikel 1 der Liturgiekonstitution.

Als erste Frucht seiner Arbeit und gleichsam wie ein roter Faden für die ganze geistliche Erneuerung konnte am 4. Dezember 1963, also bereits ein Jahr nach Konzilseröffnung, die Liturgiekonstitution als Basistext erscheinen.

Nein, Gott braucht unsere Gottesdienste nicht, zumal sie leider viel zu oft armselig sind und ohne Begeisterung gefeiert werden. Sein Lob singen die Engel am Thron des Allerhöchsten, wie uns der Prophet Jesaja lehrt. Aber wir brauchen den Gottesdienst, den Dienst Gottes für uns und zum Heil der ganzen Welt. Er dient uns, wie eine Mutter ihren kleinen Kindern dient, sie nährt und pflegt. In jeder heiligen Messe schenkt der Vater uns seinen Sohn, nicht mehr wie an Weihnachten in der Krippe von Bethlehem, sondern in unsere Hostienschale und in den Kelch hinein, damit der Leib und das Blut des Herrn in der Feier der Eucharistie für die ihn Empfangenden zur „Arznei der Unsterblichkeit“ und zum „Gegengift gegen den Tod“ werde, wie schon in der Frühzeit des Christentums der heilige Ignatius von Antiochien (+ 117) die eucharistischen Gaben bezeichnet hat.


Zum Dienst Gottes gehört auch, dass er uns in den heiligen Schriften seine heilende Gegenwart schenkt. Wie wir in einem Kanon aus dem „Gotteslob“ (Nr. 450) singen:

„Gottes Wort ist wie Licht in der Nacht;
es hat Hoffnung und Zukunft gebracht;
es gibt Trost, es gibt Halt in Bedrängnis, Not und Ängsten,
ist wie ein Stern in der Dunkelheit.“
Gottes Wahrheit wird uns in den biblischen Texten bekanntgemacht. Wir lernen, die Mitmenschen, die ganze Welt mit dem Blick Gottes zu sehen. Und sind damit eigentlich davor gefeit, anderen wehzutun oder sie gar zu missbrauchen.

Im Zusammenhang mit der prägenden Kraft des Wortes denke ich persönlich immer wieder an das Martyrium, das der heilige Bonifatius am 5. Juni 754 erlitten hat. Sie, liebe Leserinnen und Leser, kennen sicher das Bild, auf dem er das Buch der Bibel über den Kopf hält, um sich zu schützen. Mir steht dabei auch meine eigene Bischofsweihe vor gut 22 Jahren im Paderborner Dom vor Augen. Im entscheidenden Moment der Weihehandlung wird die Bibel wie ein Dach über das Haupt des Kandidaten gehalten, um anzudeuten: Von heute an sollst du im Haus des Wortes wohnen. All dein Denken und Fühlen, dein Beten und Tun sollen vom Wort Gottes inspiriert sein; an ihm sollst du in deinem Reden und Tun Maß nehmen. Und wenn es Widerstand von außen gibt, wenn die Welt uns nicht versteht: Beim Wort der Heiligen Schrift sollst du immer wieder Zuflucht nehmen, es wird dich stärken, trösten, aufrichten und je neu orientieren.

Liebe Leserinnen und Leser!
Wenn wir am 1. Adventssonntag ein neues Kirchenjahr beginnen, werden wir die tröstlichen biblischen Texte zur Vorbereitung auf die Ankunft des Heilands und Erlösers aus dem Messlektionar des Lesejahres C in der revidierten deutschen Fassung der Einheitsübersetzung hören.

Über 10 Jahre haben viele Bibelwissenschaftler und Bischöfe an der Revision der fast 40 Jahre alten Einheitsübersetzung gearbeitet. Nun musste dafür Sorge getragen werden, dass der überarbeitete Text getreu in den Lektionaren abgedruckt wird, damit die neuen Bücher eine verlässliche Grundlage für unseren Gottesdienst sind. Ich hoffe, dass die revidierten Bücher als Mittel verstanden werden, um Lektorinnen und Lektoren, Diakonen und Priestern zu helfen, die Frohe Botschaft so zu verkünden, dass sie als Gottes Wort angenommen wird und Frucht bringt.

Mögen Ihnen die biblischen Texte in der Feier der Liturgie zur adventlichen Vorbereitung auf das Weihnachtsfest Stütze sein. Sie unterscheiden sich von allen anderen Worten des Alltags und öffnen in einer Gesellschaft, die weithin aus Advent und Weihnachten eine Karikatur gemacht hat, Herz und Blick auf das, worauf es ankommt.

Foto Bischof Algermissen (c) Bistum Fulda


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