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Was heißt: mit der Zeit gehen?

11. Dezember 2018 in Kommentar, 7 Lesermeinungen
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„Müssen wir alles absegnen, was die Menschen von heute tun? Embryonen verbrauchen, Kinder per Samen- und Eispende und Leihmutterschaft ‚einkaufen‘ u.a.m.?“ Gastkommentar von Weihbischof Marian Eleganti


Chur (kath.net) Es sind die immer gleichen Argumente, die in den Medien auftauchen, wenn es um die katholische Lehre geht. Die Kirche soll bei den „Menschen von heute“ sein, näher am „realen Leben“ und an „gesellschaftlichen Veränderungen“.

Das sind zwar Ohrwürmer, bleiben aber in Bezug auf die Richtigkeit eines Standpunkts Leerformeln. Nur weil gesellschaftlich etwas stattfindet, muss es deswegen noch lange nicht erstrebenswert sein. Entwicklung ist nicht automatisch immer Fortschritt. Und man kann das reale Leben sehr wohl aus der Nähe kennen, ohne alles gut finden zu müssen. Gerade ein Realist kann kritisch sein: wie Jesus, der wusste, „was im Menschen ist“.

Wir Bischöfe sollen nahe bei den Menschen von heute sein: wer würde da widersprechen? Die Frage ist nur, mit welcher Intention, mit welcher Botschaft? Müssen wir alles absegnen, was die Menschen von heute tun? Embryonen verbrauchen, Kinder per Samen- und Eispende und Leihmutterschaft „einkaufen“ u.a.m.? Nein, ich würde im Gegenteil sagen, dass wir heute nahe bei den Menschen sein müssen, um sie zur Umkehr zu bewegen, denn unsere gegenwärtige Kultur ist keine Kultur des geistigen Fortschritts, sondern in vielem ein kultureller Rückschritt (z.B. der Verlust der hippokratischen Ethik durch organisierte Suizidbeihilfe und Euthanasie).


Ich sehe die Zeichen der Zeit, aber ich deute sie nicht als Signal zur Anpassung, sondern zum Gegensteuer aus der Kraft des Evangeliums. Mir ist klar, diese Haltung ist nicht mehrheitsfähig. Sie macht mich zu einem sogenannten Polarisierer. Ganz schlecht! Das Leben der Menschen ernst nehmen, heisst für mich: es ernsthaft im Licht des Evangeliums anschauen und die entsprechenden Schlüsse zu Mission und Umkehr ziehen: „Kehrt um und glaubt an das Evangelium!“ Die Rufer in der geistigen Wüste haben es heute nicht leicht. Wenn Menschen lügen, betrügen oder zu schnell fahren, sagen wir nicht: „Ändern wir die Regeln! Oder: Lügen ist okay, weil es sowieso keine Wahrheit gibt und es ‚alle’ machen. Rasen ist ok, denn das ist die Realität.“ Die Realität ist unumgänglich, aber nicht ethisch normativ! Im Gegenteil. Die Strukturen der Sünde müssen überwunden werden, aber nicht durch Revolution. Das hat noch nie einen besseren Menschen hervorgebracht, sondern durch die Bekehrung des Herzens!

Ja, ich möchte den Menschen von heute nahe sein, offen für ihr „real Life“. Aber nicht, um die Lehre der Kirche daran anzupassen, sondern um den Menschen zu helfen, die eigene Gegenwart aufgrund der kirchlichen Lehre kritisch zu sehen. Nicht umsonst provoziert sie: D.h. sie ruft uns heraus aus unseren falschen Ansichten und Lebensstilen. Denn das ist es, was die Lehre der Kirche tut: sie schenkt dem Menschen einen Massstab, der über den Strömungen der Zeit steht und sein Gewissen bildet. Dies ist ihre Grösse und ihr Skandalpotential. Dagegen wettern oberflächliche Kritiker, die lieber den Ohren des Massengeschmacks schmeicheln. Die Kirche aber sagt die Wahrheit, auch wenn es weh tut. So ist die Abtreibung eben doch eine beabsichtigte, geplante und als medizinische Dienstleistung bezahlte und gut organsierte Tötung eines unschuldigen Kindes, um „ein Problem zu lösen“. Das hat Papst Franziskus mit seinem „Aufreger“ und Vergleich mit einem „Auftragsmord“ gemeint. Leider lässt sich das nicht bestreiten. Das wirkliche Opfer ist das Kind, nicht die Frau. Es ist die absolute Ohnmacht, während wir für unsere Entscheidungen und dafür, ob wir ein (ungewolltes) Kind zeugen, die volle Verantwortung tragen und nicht unserer eigenen Taten Opfer sind.

EWTN - Schweizer Weihbischof und früherer SBK-Jugendbischof Marian Eleganti über den Missbrauch in der kath. Kirche: Manchmal muss eine Wunde platzen!


Foto Weihbischof Eleganti (c) Bistum Chur


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