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„Kein Platz für Dunkelkammern des Schweigens und Verdrängens“

1. Jänner 2019 in Aktuelles, 2 Lesermeinungen
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Die Skandale, die im Jahr 2018 die Kirche erschüttert haben, müssen als Auftrag verstanden werden, für die Zukunft zu lernen. „Zu lange hatten die Opfer kein Gehör gefunden“ Eichstätter Bischof Hanke zum Jahreswechsel


Eichstätt (kath.net/pde) Die Skandale, die im Jahr 2018 die Kirche erschüttert haben, müssen nach Auffassung des Eichstätter Bischofs Gregor Maria Hanke als Auftrag verstanden werden, für die Zukunft zu lernen. In seiner Silvesteransprache im Eichstätter Dom forderte der Bischof mit Blick auf die Fälle sexuellen Missbrauchs innerhalb der Kirche, aber auch unter Verweis auf den Finanzskandal im Bistum Eichstätt, Bereitschaft zur bedingungslosen Aufklärung.

Im Falle des sexuellen Missbrauchs habe die Kirche lernen müssen, die Perspektive der Missbrauchsopfer einzunehmen. „Zu lange hatten die Opfer kein Gehör gefunden und noch weniger Gerechtigkeit und Solidarität angesichts des ihnen zugefügten Leids“. Derzeit sehe sich die Kirche mit dem Vorwurf konfrontiert, in der Vergangenheit beim Umgang mit Missbrauchsfällen die Staatsanwaltschaften nicht oder nicht konsequent einbezogen zu haben. Gerade deshalb sei er dem Generalvikariat seiner Diözese dankbar, dass bei der Aufarbeitung der Personalakten im Kontext der Missbrauchsvorwürfe von Anfang an mit einem Staatsanwalt zusammengearbeitet wurde und die Staatsanwaltschaft zur Beurteilung von Fällen einbezogen war. Was die Vorsorge gegen sexuellen Missbrauch betrifft, setze das Bistum weiterhin auf Präventionsarbeit, die künftig personell gestärkt wird. „Sie soll beitragen zu einer Atmosphäre der Offenheit und des Respekts voreinander, in welcher Dunkelkammern des Schweigens und des Verdrängens möglicher Untaten keinen Platz haben.“


Im Falle des bei einer Pressekonferenz im Februar 2018 öffentlich bekannt gemachten Finanzskandals im Bistum Eichstätt setze er auf die Untersuchung durch die Justiz, so Bischof Hanke. Deshalb habe er die Aufklärung und Aufarbeitung der Vorgänge um den Finanzskandal komplett der Staatsanwaltschaft und der staatlichen Gerichtsbarkeit übergeben. Auch wenn manch „selbsternannte Richter auf der Straße“ bereits ihr Urteil zum Finanzskandal gefällt haben, solle man nun die Justiz und die Juristen ihre Arbeit tun lassen. „Wir wollen aus dem, was sich zugetragen hat, für die Zukunft lernen und uns vor allem wieder mit voller Hingabe der Pastoral widmen.“ Im Rahmen der Transparenzoffensive war entdeckt worden, dass aus dem Rücklagevermögen des Bistums Gelder in hochriskanter Weise für Immobilienprojekte in den USA ausgegeben worden waren.

Für eine Pastoral der Zukunft im Bistum Eichstätt brauche es Impulse, um das Evangelium in seiner Relevanz für das Leben und für das Miteinander neu zu entdecken. Das Thema Evangelisierung als Queraufgabe für alle pastoralen Bereiche werde deshalb im kommenden Jahr verstärkt in den Blick genommen. Die neue Hauptabteilung im Ordinariat „Jugend – Berufung – Evangelisierung“ solle als Motor bereits vorhandene Initiativen in Pfarreien, Verbänden und geistlichen Gemeinschaften unterstützen, vernetzen und weitere Impulse geben. Für die Pastoral der Zukunft werde die Bildung der christlichen Persönlichkeit eine der Säulen sein. Den Weg des Glaubens als Prozess der eigenen Menschwerdung nach Christi Bild zu verstehen, sei darum auch Grundlage des kürzlich in Kraft gesetzten diözesanen Fort- und Weiterbildungskonzepts.
Der Glaube an Christus sei angelegt, in der Wir-Form gelebt und praktiziert zu werden. Deshalb sei eine weitere Säule einer zukunftsorientierten Seelsorge, die pastoralen Räume als Gemeinschaft von Gemeinschaften zu gestalten. Für diesen missionarischen Weg der Kirche sei das Ehrenamt, seien Frauen und Männer, die ihrer Sendung aus Taufe und Firmung nachkommen, unersetzlich. Ausdrücklich dankte Bischof Hanke den ehrenamtlich Engagierten in den Pfarreien und Verbänden.

Wie fruchtbar das Zusammenwirken von Hauptberuflichen und Ehrenamtlichen sein und wie glaubensfroh es machen könne, habe er bei der internationalen Ministrantenwallfahrt nach Rom erfahren dürfen. Knapp 600 Minis aus dem Bistum mit den hauptberuflichen Begleitern aus dem Jugendamt, mit Jugendseelsorgern sowie einer großen Schar ehrenamtlicher Betreuer waren im August nach Rom aufgebrochen. „Für mich als Bischof war es eine wunderbare geistliche Erfahrung“. Mit diesem Bild der pilgernden Jugend verknüpfte der Bischof seine Wünsche: „Mögen wir alle im kommenden Jahr 2019 als große Pilgergemeinde unterwegs sein in der Gemeinschaft mit dem Herrn und zum Herrn hin. Vergelt’s Gott für Ihr Mitgehen im Jahre 2018. Gottes Segen im neuen Jahr.“

Bistum Eichstätt - Die Neujahrsansprache 2019 vom Eichstätter Bischof Gregor Maria Hanke


Archivfoto Bischof Hanke (c) Bistum Eichstätt


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Lesermeinungen

 Montfort 1. Jänner 2019 

Ermutigende Worte - mutige Schritte

Danke, Herr Bischof Hanke!


3
 
 Stefan Fleischer 1. Jänner 2019 

Für eine Pastoral der Zukunft

braucht es aber auch - nach meiner persönlichen Meinung - eine Rückbesinnung auf Gott, auf eine ganz konkrete, persönliche Beziehung zu ihm, und auf die Erlösungstat unseres Herrn. Es braucht wieder eine Erlösungstheologie, welche diesen Namen verdient und nicht nur eine Befreiungstheologie, welche glaubt, wir könnten eine bessere Welt schaffen, ohne uns zuerst mit Gott versöhnen zu lassen. Wir müssen wieder Gott ins Zentrum rücken. Denn: "An Gottes Segen ist alles gelegen!"
In diesem Sinn wünsche ich allen hier ein gesegnetes Neues Jahr.


4
 

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