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Nacktselfies eines Bischofs – und Vatikan wusste Bescheid

21. Jänner 2019 in Weltkirche, 37 Lesermeinungen
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Bischof hatte offenbar Seminaristen sexuell belästigt – Früherer Generalvikar: Vatikan erhielt die Informationen "durch mich" bereits 2015 – Argentinischer Bischof Zanchetta trat 2017 zurück, wurde dann vom Papst in vatikanischen Dienst genommen


Oran (kath.net/pl) Die Liste der Anschuldigungen ist delikat – und der Vatikan erhielt die Informationen bereits zwischen 2015 und 2017: Dem Bischof von Oran in Argentinien, Gustavo Zanchetta, wird vorgeworfen, Nacktselfies von sich gemacht zu haben, obszönes Verhalten gezeigt und sich unangemessen gegenüber Seminaristen verhalten zu haben. Das sagt kein geringerer als sein früherer Generalvikar. Darüber berichtet die „Washington Post“ anhand eines Beitrags der „Associated Press“. Papst Franziskus hat das Rücktrittsgesuch von Bischof Zanchetta im August 2017 angenommen. Die Aussagen des früheren Generalvikars würden die Behauptungen des Vatikans, man habe nur wenige Monate vor dem Rücktrittsgesuch von den Vorwürfen erfahren, unterlaufen. Vorwürfe der sexuellen Belästigung von Priesteramtskandidaten kam von einem früheren Vikar, von einem Rektor des Priesterseminars und von einem weiteren Prälaten, außerdem gab es Vorwürfe wegen autoritärem Verhalten des Bischofs.


Der frühere Generalvikar des Bischofs, Juan Jose Manzano, erläuterte, dass er 2015 persönlich Alarm geschlagen und digitale Selfies seines Vorgesetzten an den Vatikan gesandt habe. „Wir gaben über einige befreundete Bischöfe den Alarm an den Vatikan. Die Nuntiatur reagierte nicht direkt, doch Bischof Zanchetta sei daraufhin von Papst Franziskus herzitiert worden“. Zanchetta habe sich damit herausgeredet, „dass sein Smartphone gehackt worden sei und dass es Leute gebe, die dem Image des Papstes schaden wollten“. Manzano erläuterte außerdem, dass Papst Franziskus in seiner Zeit als Kardinal Bergoglio und als Erzbischof von Buenos Aires/Argentinien der Beichtvater von Zanchetta gewesen sei und ihn als seinen geistlichen Sohn behandelt habe.

Die „Washington Post“ erläutert weiter, dass der Skandal um den erst 54-jährigen Bischof der derzeit jüngste Indikator dafür sei, dass Papst Franziskus und die Hierarchie der katholischen Kirche mit einer beispiellosen Vertrauenskrise wegen misslungenen Umgang mit klerikalem sexuellem Missbrauch konfrontiert sind. Zwar habe Franziskus für den kommenden Monat kirchliche Verantwortungsträger zu einem Gipfeltreffen über den Missbrauch einberufen, „doch stehen seine eigenen Handlungen in Einzelfällen besonders im Rampenlicht“.

Der von Papst Franziskus im Juli 2013 zum Bischof von Oran erhobene Zanchetta war vom Papst nach der Annahme des Rücktrittsangebotes im Dezember 2017 auf den eigens geschaffenen Posten eines Assessors in der Güterverwaltung, dem Schatzamt des Heiligen Stuhls, berufen worden, kath.net hat berichtet. Nach Aussagen des Vatikansprechers Gisotti noch Anfang Januar 2019 sei dem Bischof zwar autoritäres Verhalten vorgeworfen worden, aber es habe „keine einzige Anschuldigung sexuellen Missbrauchs“ gegeben.

Zanchettas Nachfolger als Bischof von Orans hat inzwischen gegen seinen Vorgänger ein kanonisches Verfahren wegen Verdachtes auf sexuellen Missbrauch begonnen.

Archivfoto: Papst Franziskus und Bischof Zanchetta


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