11 Februar 2019, 17:00
Die Gabe der Gotteskindschaft
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Der christliche Glaube: die einzig gültige und die einzig gottgewollte Religion - Gastkommentar von Bischof Athanasius Schneider

Rom (kath.net)
Die Wahrheit von der Gotteskindschaft in Christus, die wesentlich übernatürlich ist, stellt die Zusammenfassung der ganzen Göttlichen Offenbarung dar. Die Gotteskindschaft ist immer ein ungeschuldetes Geschenk der Gnade, das erhabenste Geschenk Gottes an den Menschen. Die Gotteskindschaft aber kann nur durch den persönlichen Glauben an Christus und den Empfang der Taufe erlangt werden, wie es der Herr selber lehrt: «Wenn jemand nicht aus Wasser und Geist wiedergeboren wird, kann er nicht in das Reich Gottes kommen. Was aus dem Fleisch geboren ist, das ist Fleisch, was aus dem Geist geboren ist, das ist Geist. Wundere dich nicht, dass ich die sagte: ihr müsst von neuem geboren werden» (Joh. 3, 5-7).

In den vergangenen Jahrzehnten hörte man öfters, selbst aus dem Mund von Vertretern der kirchlichen Hierarchie, Aussagen über die Theorie der “anonymen Christen”. Diese Theorie sagt folgendes: Die Sendung der Kirche in der Welt bestünde letztlich darin, allen Menschen das Heil in Christus und somit die Gotteskindschaft lediglich bewusst zu machen. Denn jeder Mensch besitze, gemäß dieser Theorie, unbewusst schon die Gotteskindschaft in der Tiefe seiner Person. Solch eine Theorie widerspricht allerdings direkt der Göttlichen Offenbarung, wie sie Christus, Seine Apostel und die Kirche durch zweitausend Jahre hindurch stets unverändert und ohne Schatten des Zweifels gelehrt hat.

Erik Peterson, der bekannte Konvertit und Exeget, hat schon vor langer Zeit (im Jahre 1933) in seinem Aufsatz “Die Kirche aus Juden und Heiden” vor der Gefahr solch einer Theorie gewarnt, wenn er sagte, dass es kein rein auf die natürliche Ordnung verkürztes Christsein geben könne, in dem die Früchte der von Jesus Christus gewirkten Erlösung allgemein, das heißt jedem Menschen gleichsam als Erbe einzig und allein aus dem Grund zugeeignet würden, weil er die menschliche Natur mit dem menschgewordenen Wort gemeinsam habe. Allerdings ist die Gotteskindschaft kein automatisches Ergebnis, das durch die Zugehörigkeit zum Menschengeschlecht garantiert ist. Gegen die Wahrheit der Göttlichen Offenbarung, wie sie unmissverständlich im Ersten Gebot des Dekalogs ausgesprochen ist, würden jene verstoßen, die behaupten, dass die Verschiedenheit der Religionen der Wille Gottes sei.

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Der heilige Athanasius (vgl. Oratio contra Arianos II, 59) hinterließ uns eine einfache und gleichzeitig treffsichere Erklärung des Unterschiedes zwischen dem natürlichen Zustand der Menschen als Geschöpfe Gottes und der Herrlichkeit der Gotteskindschaft in Christus. Der heilige Athanasius geht aus von den Worten des heiligen Evangeliums nach Johannes, wo es heißt: "Er gab ihnen Macht, Kinder "Gottes zu werden, denen, die an seinen Namen glauben, die nicht aus dem Geblüte und nicht aus dem Willen des Fleisches noch aus dem Willen des Mannes, sondern aus Gott geboren werden" (Joh. 1, 12-13). Johannes benützt deshalb den Ausdruck "werden", um zu sagen, dass die Menschen nicht von Natur, sondern durch Annahme Kinder Gottes werden. Darin sehen wir die Liebe Gottes, dass Er denen, deren Schöpfer Er ist, in Gnaden später auch Vater wird. Das wird Er, wenn, wie der Apostel gesagt hat, die Menschen den Geist des Menschgewordenen Sohnes in ihre Herzen aufnehmen, der da ruft: "Abba, Vater!" Als geschaffene Naturen können die Menschen auf keine andere Weise Kinder Gottes werden als dadurch, dass sie den Geist des naturhaften und wahren Sohnes Gottes in sich durch den Glauben und die Taufe aufnehmen. Eben zu diesem Zweck ist ja das Wort Fleisch geworden, um die Menschen für die Annahme an Kindesstatt und für die Teilnahme an der Göttlichen Natur zu befähigen. Gott ist folglich von Natur im eigentlichen Sonne nicht der Vater aller Menschen. Nur wenn jemand Christus bewußt annimmt und getauft wird, ist er fähig in Wahrheit zu rufen: "Abba, Vater" (Röm. 8, 15; Gal. 4, 6).

Seit den Anfängen der Kirche sagte man, wie es Tertullian bezeugt: “Als Christ wird man nicht geboren, sondern Christ wird man” (Apol., 18, 5). Und der heilige Cyprian formulierte diese Wahrheit treffend: «Der kann Gott nicht zum Vater haben, der die Kirche nicht zur Mutter hat» (De unit., 6).

Die dringendste Aufgabe der Kirche in unserer Zeit besteht darin, sich um den geistigen Klimawandel und um die geistige Migration zu sorgen, nämlich dass das Klima des Nichtglaubens an Jesus Christus, das Klima der Ablehnung der Königsherrschaft Christi zum Klima des ausdrücklichen Glaubens an Jesus Christus, der Annahme seiner Königsherrschaft gewandelt wird und dass die Menschen aus dem Elend der geistigen Sklaverei des Unglaubens und Sünde in das Glück der Gotteskindschaft und des Lebens im Stand der heiligmachenden Gnade migrieren. Das sind die Migranten, um die wir uns vordringlich sorgen müssen.

Das Christentum, die einzig Gottgewollte Religion, kann niemals ergänzend neben die anderen Religionen gestellt werden. Nach dem Willen Christi muss der Glaube an Ihn und Seine Göttliche Lehre in jeder Hinsicht an die Stelle der anderen Religionen gesetzt werden, allerdings nicht mit Gewalt, sondern mit der liebevollen Überzeugung, wie es der Laudeshymnus des Christkönigsfestes sagt: “Non Ille regna cladibus, non vi metuque subdidit: alto levatus stipite, amore traxit omnia” (“Nicht mit Schwert, Gewalt und Furcht unterwirft Er sich die Völker, sondern erhöht am Kreuzesstamm zieht Er alles mit Liebe an sich”).

Es gibt nur einen Weg zu Gott, und das ist Jesus Christus, denn Er selber sagte “Ich bin der Weg” (Joh. 14, 6). Es gibt nur eine einzige Wahrheit, und das ist Jesus Christus, denn Er selber sagte: “Ich bin die Wahrheit” (Joh. 14, 6). Es gibt nur ein einziges wahres übernatürliches Leben der Seele, und das ist Jesus Christus, den Er selber sagte: “Ich bin das Leben” (Joh. 14, 6).

Der Menschgewordene Sohn Gottes lehrte, dass außerhalb des Glaubens an Ihn es keine wahre und Gottgefällige Religion geben kann: “Ich bin die Tür, wer durch Mich eingeht, wird gerettet” (Joh. 10, 9). Gott befahl allen Menschen ohne Ausnahme, auf Seinen Sohn zu hören: “Dies ist Mein vielgeliebter Sohn, auf Ihn sollt ihr hören” (Mk. 9, 6). Gott hat nicht gesagt: “Ihr könnt auf Meinen Sohn hören oder auch auf andere Religionsstifter, denn Ich will, dass es verschiedene Religionen gibt”. Gott hat verboten, die Legitimität der Religionen anderer Götter anzuerkennen: “Du sollst keine anderen Götter neben mir haben” (Ex. 20, 3) und “Was für eine Gemeinschaft kann es geben zwischen dem Licht und der Finsternis, zwischen Christus und Belial, zwischen dem Glauben und dem Unglauben, zwischen dem Tempel Gottes und den Götzen?” (2 Kor. 6, 14-16).

Wenn andere Religionen ebenfalls dem Willen Gottes entsprechen, dann hätte es keine Göttliche Verurteilung der Religion des Goldenen Kalbes zur Zeit des Moses gegeben (cf. Ex. 32, 4-20), dann können die Christen heute ungestraft die Religion eines neuen Goldenen Kalbes pflegen, den alle Religionen wäre nach solch einer Theorie ebenfalls Gottwohlgefällige Wege.

Gott gab den Aposteln und durch sie der Kirche für alle Zeiten den feierlichen Befehl, die Menschen aller Völker und aller Religionen im einzigen wahren Glauben zu unterweisen, sie Seine Göttlichen Gebote einhalten zu lehren und sie zu taufen (vgl. Mt. 28, 19-20). Seit der Predigt der Apostel und des ersten Papstes, des heiligen Apostels Petrus, hat die Kirche stets verkündet, dass es keinen anderen Namen, d. h. keinen anderen Glauben unter dem Himmel gibt, durch welchen die Menschen gerettet werden können, als im Namen und im Glauben an Jesus Christus (vgl. Apg. 4, 12).

Mit den Worten des heiligen Augustinus hat die Kirche zu allen Zeiten gelehrt: “Die christliche Religion ist die einzige Religion, die den allgemeinen Weg zur Rettung der Seele in sich schließt, weil keine Seele außer durch den christlichen Glauben erlöst werden kann. Der christliche Glaube ist der königliche Weg, der allein zu einem Reich führt, das nicht in vergänglicher Erhabenheit dem Wanken ausgesetzt, sondern durch ewige Beständigkeit gesichert ist” (De civitate Dei, 10, 32, 1)

Die folgenden Worte des großen Papstes Leo XIII. bezeugen diegleiche unveränderliche Lehre des Lehramtes zu allen Zeiten, wenn er sagte: “Die Anschauung, nach der es keinen Unterschied unter den verschiedenen Religionen gebe, führt geradezu zum Untergange jedweder Religion, besonders aber der katholischen, welche, da sie unter allen übrigen die allein wahre ist, ohne höchstes Unrecht nicht den andren gleichgestellt werden kann” (Enzyklika Humanum genus, n. 16).

In unserer Zeit hat das Lehramt im Wesentlichen diesselbe unveränderliche Lehre im Dokument Dominus Jesus (6. August 2000) vorgestellt, aus dem bedeutungsvolle Aussagen im folgenden angeführt werden:

“Der theologale Glaube, die Annahme der durch den einen und dreifaltigen Gott geoffenbarten Wahrheit, wird oft gleichgesetzt mit der inneren Überzeugung in den anderen Religionen, mit religiöser Erfahrung also, die noch auf der Suche nach der absoluten Wahrheit ist und der die Zustimmung zum sich offenbarenden Gott fehlt. Darin liegt einer der Gründe für die Tendenz, die Unterschiede zwischen dem Christentum und den anderen Religionen einzuebnen, ja manchmal aufzuheben” (n. 7). “Im Gegensatz zum christlichen und katholischen Glauben stehen Lösungsvorschläge, die ein Heilswirken Gottes außerhalb der einzigen Mittlerschaft Christi annehmen.” (n. 14) “Nicht selten wird der Vorschlag gemacht, in der Theologie Ausdrücke wie »Einzigkeit«, »Universalität« oder »Absolutheit« zu vermeiden, weil dadurch der Eindruck entstünde, die Bedeutung und der Wert des Heilsereignisses Jesu Christi würde gegenüber den anderen Religionen in übertriebener Weise betont. In Wirklichkeit bringen diese Worte nur die Treue zum Offenbarungsgut zum Ausdruck” (n. 15) “Es widerspricht dem katholischen Glauben, die Kirche als einen Heilsweg neben jenen in den anderen Religionen zu betrachten, die komplementär zur Kirche, ja im Grunde ihr gleichwertig wären, insofern sie mit dieser zum eschatologischen Reich Gottes konvergierten” (n. 21) “Die Glaubenswahrheit schließt radikal jene Mentalität des Indifferentismus aus, die »durchdrungen ist von einem religiösen Relativismus, der zur Annahme führt, dass ”eine Religion gleich viel gilt wie die andere“ (Johannes Paul II., Enzyklika Redemptoris missio, 36).” (n. 22).

Den Aposteln und den unzähligen christlichen Märtyrern aller Zeiten, vor allem jenen von den ersten drei Jahrhunderten, wäre das Martyrium erspart geblieben, wenn sie gesagt hätten: “Die heidnische Religion und sein Kult ist ein Weg, der ebenfalls dem Willen Gottes entspricht”. Es hätte z. B. kein christliches Frankreich, keine “älteste Tochter der Kirche”, geben, wenn der heilige Remigius dem Frankenkönig Chlodwig gesagt hätte: “Verachte nicht deine heidnische Religion, die du bis jetzt verehrt hast, und verehre nun Christus, den du bis jetzt verfolgt hast”. Der heilige Bischof sprach aber in Wirklichkeit, wenn auch in einer etwas rauen Form, so: “Verehre, was du bis jetzt verbrannt hast, und verbrenne, was du bis jetzt verehrt hast!”.

Wahre universale Bruderschaft gibt es nur in Christus, und zwar zwischen den Getauften. Die volle Herrlichkeit der Gotteskindschaft wird erst in der beseligenden Anschauung Gottes im Himmel erreicht, wie es die Heilige Schrift lehrt: «Sehet, welch eine Liebe hat uns der Vater geschenkt, dass wir Gottes Kinder heißen und es auch sind! Meine Lieben, wir sind nun Gottes Kinder; und es ist noch nicht offenbar geworden, was wir sein werden. Wir wissen aber, wenn Er erscheinen wird, werden wir Ihm gleich sein; denn wir werden ihn sehen, wie Er ist» (1 Joh. 3, 1-2).

Keine Autorität auf Erden - nicht einmal die höchste kirchliche Autorität - hat das Recht, Menschen anderer Religionen vom ausdrücklichen Glauben an Jesus Christus als an den Menschgewordenen Sohn Gottes und den einzigen Erlöser der Menschen mit der Zusicherung zu dispensieren, dass die verschiedenen Religionen als solche von Gott selbst gewollt sind. Unauslöschlich - weil mit dem Finger Gottes geschrieben und wasserklar in ihrer Bedeutung - bleiben dagegen die Worte des Sohnes Gottes bestehen: “Wer an den Sohn Gottes glaubt, wird nicht gerichtet; wer aber nicht glaubt, der ist schon gerichtet, weil er nicht an den Namen des eingeborenen Sohnes Gottes geglaubt hat” (Joh. 3, 18). Diese Wahrheit war bis jetzt in allen christlichen Generationen gültig und sie wird bis ans Ende der Zeit gültig bleiben, ungeachtet dessen, dass manche Menschen in der Kirche unserer so unbeständigen, feigen, sensationslustigen und konformistischen Zeit sie in einem ihrem eindeutigen Wortlaut entgegenstehenden Sinn umdeuten, und die Umdeutung dabei als Kontinuität der Lehrentwicklung verkauften.

Außerhalb des christlichen Glaubens kann keine andere Religion ein wahrer und gottgewollter Weg sein, denn das ist der ausdrückliche Wille Gottes, dass alle Menschen an Seinen Sohn glauben: “Das ist der Wille meines Vaters, dass jeder, der den Sohn sieht und an Ihn glaubt, das ewige Leben hat” (Joh. 6, 40). Außerhalb des christlichen Glaubens ist keine andere Religion fähig, das wahre übernatürliche Leben zu vermitteln: “Denn darin besteht das ewige Leben, dass die Menschen Dich, Vater, als den einzigen wahren Gott erkennen und den Du gesandt hast, Jesus Christus” (Joh. 17, 3).

8. Februar 2019
+ Athanasius Schneider, Weihbischof der Erzdiözese der Heiligen Maria in Astana

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