14 Februar 2019, 17:00
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„Es war in meinem zweiten Semester, als mir mein Professor für Systematische Theologie auf Nachfragen süffisant erklärte, an Realpräsenz glaube er nicht, daher lehre er sowas nicht“. Von Peter Winnemöller

Paderborn (kath.net/Blog „katholon“/pw) Wer als junger Katholik ein Theologiestudium beginnt, rechnet in der Regel damit, seinen Glauben im Studium in akademischer Weise besser kennen zu lernen und tiefer zu durchdringen. Die Wirklichkeit sieht anders aus. Was erwartet einen jungen Mann oder eine junge Frau, die sich auf den Beruf des Religionslehrers vorbereiten? Was kommt auf einen jungen Mann zu, der dem Ruf Gottes in den Priesterberuf folgen will? Wie gestaltet sich der Start des Theologiestudiums?

Mit einem Wort gesagt: Mit einem Schock! An nahezu allen theologischen Fakultäten und Fachhochschulen lehren Professoren und Professorinnen, die ganz offen eingestehen, den Glauben der Kirche nicht zu teilen. Es war in meinem zweiten Semester, als mir mein Professor für Systematische Theologie auf Nachfragen süffisant erklärte, an Realpräsenz glaube er nicht, daher lehre er sowas nicht.

Manche Hochschullehrer lehren auch ganz offen Inhalte, die der Lehre der Kirche widersprechen und nicht wenige verkaufen das als die eigentliche katholische Wahrheit. Was die alten Männer in Rom sagen, interessiert nicht. An allen Fakultäten in Deutschland wird in aller Selbstverständlichkeit vom Priesteramt der Frau ausgegangen und Ordinatio sacerdotalis mit dem Vorurteil, es bringe keine Argumente, vom Tisch gewischt. Das ist nur ein Beispiel von vielen. Jungfräulichkeit Mariens oder – horribile dictu – Immaculata conceptio? Für sowas hat man in den allermeisten Hörsälen nur Spott übrig.

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Es ist dem Grunde nach erstaunlich, denn kein Theologieprofessor kommt auf seinen Lehrstuhl ohne das Nihil obstat von der Kirche zu haben. Bei Erstberufung wird dieses aus Rom erteilt, später kann es der zuständige Bischof. Professoren leisten einen Treueeid vor Antritt ihrer Lehrtätigkeit.

Darin versichern sie unter Eid

Treueid bei der Übernahme eines kirchlichen Amtes
(Formel, die für jene Gläubigen zu verwenden ist, die in can. 833, Nn. 5–8 genannt sind) Ich, N. N., verspreche bei der Übernahme des Amtes eines . . ., dass ich in meinen Worten und in meinem Verhalten die Gemeinschaft mit der katholischen Kirche immer bewahren werde. Mit großer Sorgfalt und Treue werde ich meine Pflichten gegenüber der Universalkirche wie auch gegenüber der Teilkirche erfüllen, in der ich berufen bin, meinen Dienst nach Maßgabe der rechtlichen Vorschriften zu verrichten. Bei der Ausübung meines Amtes, das mir im Namen der Kirche übertragen worden ist, werde ich das Glaubensgut unversehrt bewahren und treu weitergeben und auslegen; deshalb werde ich alle Lehren meiden, die dem Glaubensgut widersprechen. Ich werde die Disziplin der Gesamtkirche befolgen und fördern und alle kirchlichen Gesetze einhalten, vor allem jene, die im Codex des kanonischen Rechtes enthalten sind. In christlichem Gehorsam werde ich dem Folge leisten, was die Bischöfe als authentische Künder und Lehrer des Glaubens vortragen oder als Leiter der Kirche festsetzen. Ich werde den Diözesanbischöfen in Treue zur Seite stehen, um den apostolischen Dienst, der im Namen und im Auftrag der Kirche auszuüben ist, in Gemeinschaft mit eben dieser Kirche zu verrichten. So wahr mir Gott helfe und diese heiligen Evangelien, die ich mit meinen Händen berühre.

(Varianten im 4. und 5. Absatz der Formel des Treueids für jene, die in can. 833, Nr. 8 genannt sind)

Ich werde die Disziplin der Gesamtkirche fördern und zur Einhaltung aller kirchlichen Gesetze anhalten, vor allem jener, die im Codex des kanonischen Rechtes enthalten sind. In christlichem Gehorsam werde ich dem Folge leisten, was die Bischöfe als authentische Künder und Lehrer des Glaubens vortragen oder als Leiter der Kirche festsetzen. Unter Wahrung der Anlage und der Zielsetzung meines Instituts werde ich den Diözesanbischöfen gern beistehen, um den apostolischen Dienst, der im Namen und im Auftrag der Kirche
Kongregation für die Glaubenslehre
Lehramtliche Stellungnahmen zur „Professio fidei“


Papst Johannes Paul II. sah sich gezwungen diesen Eid einzuführen. Der Heilige Vater begründete dies folgendermaßen:

Zum Schutz des Glaubens der katholischen Kirche gegenüber den Irrtümern, die bei einigen Gläubigen auftreten, insbesondere bei denen, die sich mit den Disziplinen der Theologie beschäftigen, schien es Uns, deren Hauptaufgabe es ist, die Brüder im Glauben zu stärken (vgl. Lk 22,32), unbedingt notwendig, in die geltenden Texte des Codex Iuris Canonici und des Codex Canonum Ecclesiarum Orientalium Normen einzufügen, durch die ausdrücklich die Pflicht auferlegt wird, die vom Lehramt der Kirche in endgültiger Weise vorgelegten Wahrheiten zu beachten. Dabei finden auch die diesbezüglichen kanonischen Sanktionen Erwähnung.
Motu Proprio Ad tuendam fidem


Überall dort, wo theologische Hochschulen / Fakultäten in der Hand der Kirche sind, stellt das dem Grunde nach kein Problem dar. Wer wollte bestreiten, dass ein Angestellter seinem Dienstherrn zur Solidarität verpflichtet ist. Professoren der Theologie bilden die aus, die ihren Dienst als Priester und Religionslehrer tun. Sie sind also diejenigen, die eine besondere Verantwortung für die Ausbildung all jener tragen, die den Glauben verkünden und lehren sollen, die als Seelsorger später Sakramente spenden und das Volk Gotte leiten sollen. In Deutschland hingegen sind Theologieprofessoren staatliche Beamte. Einmal berufen, sind sie drin im System. Augen zu und durch bis zur Berufung, dann ist die Stelle und die Besoldung sicher. Dann kann man seinen eigenen Vogel zum Heiligen Geist erklären nach Belieben lehren.

Der Nachwuchs generiert sich aus gleichdenkenden der postmodernistischen Theologie, andere kommen kaum zur Promotion und es ist inzwischen eine etablierte Disziplin bis zur Habilitation so zu schreiben, dass die akademische theologische Welt die rechte Gesinnung erkennen, der Bischof aber niemals einen falschen Satz belegen kann. Das nihil obstat!

Es scheint doch ein tiefer Widerspruch zu sein, dass eine – im Sinne der Kirche – ungläubige Theologie die akademische Landschaft dominiert. Theologen, die offen gegen die Dogmen der Kirche lehren oder die Bibel nach persönlichem Gutdünken auslegen. Da ist Jesus mal gar nicht historisch, mal nur ein Wanderprediger, mal gar nicht auferstanden und in den Himmel aufgefahren schon mal gar nicht. Ihre Studenten in der Theologie unterweisen nicht wenige Professoren so, dass ihnen der Glaube abhanden kommt und sie nach ihrem Studium durchaus verurteilten Irrlehren anhängen.

Die Theologie schert das nicht. Sie generiert sich ihren Nachwuchs. Der Episkopat hat lange genug zugesehen und schaut weiterhin zu. Eingegriffen wird nur ganz selten. Das ordentliche Lehramt der Kirche üben die Bischöfe in Einheit mit dem Papst aus. Dass sie es gerade in unserer Zeit nicht tun oder die es tun die Ausnahme sind, macht es nicht besser. Die Theologenzunft kann treiben, was sie will.

Ist man in der Theologie mit der Situation einverstanden? Keinesfalls. Man lese dieses Interview mit einem Shootingstar der deutschen Theologie. Das Interview spricht für sich. Nichts weniger als die komplette Dekonstruktion der Kirche ist das Ziel.

Einem jungen, gläubigen Menschen raten, Theologie zu studieren? Nur bei schon sehr gut gefestigtem Charakter und mit einem wirklich guten geistlichen Begleiter mag es gelingen. Schon unter gesunden Bedingungen ist das Studium der Theologie sehr belastend. Selbst wenn man nur gute und rechtgläubige Professoren hat, ist es schwer, diesen zutiefst inneren Bereich des Glaubens, wo der Mensch vor seinem Gott steht, mit akademischen Mitteln zu durchdringen. Um wie viel dramatischer ist es, wenn einem quasi akademisch der Glaube ausgetrieben wird?

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