13 März 2019, 10:10
Dank an die treuen Priester
 
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„Nuntius Eterović hat bei der Frühjahrsvollversammlung der deutschen Bischöfe den Gläubigen hierzulande aus dem Herzen gesprochen.“ Gastbeitrag von Thorsten Paprotny

Bonn (kath.net) Erzbischof Dr. Nikola Eterović, der Apostolische Nuntius in Deutschland, hat am ersten Tag der Frühjahrsvollversammlung den Gläubigen hierzulande aus dem Herzen gesprochen. Er bekannte sich zur Heiligkeit der Kirche und berief sich auf das Zweite Vatikanische Konzil. Die Konzilsväter hatten dies in der Konstitution „Lumen gentium“ bekräftigt. Der Nuntius erinnerte auch an die Verbrechen von zahlreichen einzelnen Klerikern, gottgeweihten Personen und anderen Bediensteten. Er sprach vom Missbrauchsskandal, der auch in der römisch-katholischen Kirche schmerzhaft gegenwärtig war und ist.

Mit Dankbarkeit vernehmen Gläubige hierzulande, dass nicht von einem Generalverdacht gegenüber Priestern und Ordensleuten gesprochen wird, die um des Himmelreiches willen ehelos leben. Der Nuntius sagte: „Ich schließe, indem ich den vielen Priestern und gottgeweihten Personen danke, die auch in Deutschland ihre priesterliche Berufung und ihre Ordensgelübde in Treue vor Gott leben, indem sie sich großherzig und mit Selbstverleugnung dem Dienst an Gott und dem Nächsten widmen.“ Diesem Dank an die treuen Priester kann ich mich nur anschließen. Und Sie vielleicht auch?

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In den letzten Wochen und Monaten kursierten viele Mutmaßungen, die sich höchstens damit erklären lassen, dass die bekannt gewordenen Missbrauchsfälle und die Versetzungs- wie Vertuschungspraxis, die in einigen Bistümern geherrscht hat, verständlicherweise für Empörung und Entsetzen sorgten. Zuweilen wurde sogar ein Generalverdacht gegenüber Priestern geäußert. Der Philosoph Karl Jaspers wies in den noch immer lesenswerten Vorlesungen zur Schuldfrage, die er in Heidelberg 1945/46 gehalten hat, die „Kollektivschuldthese“ gegenüber den Deutschen zurück. Er war mit einer jüdischen Frau verheiratet. Die US-Truppen hatten Heidelberg noch rechtzeitig erreicht, der Befehl zum Abtransport für das Ehepaar Jaspers war längst erteilt worden. Schuldig werden, so Jaspers, kann nur ein Einzelner. Schuld ist immer persönlich.

Besteht gegenüber irgendeiner Personengruppe – und wir kennen Zuschreibungen wie diese – die Grundlage für einen Generalverdacht? Ich erinnere mich beispielsweise an die massiven Vorurteile gegenüber Sinti und Roma, gegen die ich mich als Kind empörte: Man kann doch nicht einfach eine Gruppe fremder Menschen ohne ersichtlichen Grund beschuldigen! Einfach so? So dachte ich, und so denke ich noch heute. Meiner unmaßgeblichen Meinung nach ist jede Form eines Generalverdachts verstörend, ja ein Ärgernis. Ich bringe hierfür nicht – in keinem Fall – das geringste Verständnis auf. Was ist überhaupt ein Generalverdacht? Manchmal reicht es auch, bei „Wikipedia“ nachzuschlagen, um für Klärung zu sorgen: „Der Generalverdacht ist ein auf bestimmte Umstände oder Herkunft gegründeter Verdacht, der eine bestimmte Personengruppe oder bestimmte Sachen betrifft, ohne dass für jede Person oder Sache selbst ein konkreter Verdacht im Hinblick auf einen konkreten (rechtlich relevanten) Vorwurf (z. B. Straftat) oder Eigenschaft (z. B. Unredlichkeit) vorliegt (Tatverdacht). … Der Generalverdacht ist ein ganz allgemein formulierter Verdacht ohne konkrete individuelle (subjektive) Anhaltspunkte bzw. meist ein kurz formulierter Verdacht, der aufgrund der Kürze aber auch eine rechtsstaatlich »sehr« flexible Auslegung zulässt und die Gefahr der Rechtsunsicherheit und/oder Willkür in sich birgt.“ Wer das vertiefen möchte, hat die Gelegenheit zu juristischen Studien.

Wofür also haben Katholiken heute allen Grund? Der Nuntius betont zu Recht, dass wir den treuen Priestern der Kirche Gottes Dank sagen können. Meine Gedanken dazu sind so: Dankbar können wir den unermüdlichen Pfarrern in den Großpfarreien sein, die an vielen „Kirchorten“ ihren Dienst tun, an Gremiensitzungen teilnehmen und manchen Spott, manchen Zorn und manchen Unmut aushalten müssen. Dankbar können wir den Priestern sein, die auch außerhalb der angekündigten „Beichtzeiten“ sich nicht verweigern, wenn ein Christ seine Sünden bekennen möchte. Dankbar können wir den jungen Geistlichen sein, die ihre Berufung erkannt und sich auf den Weg gemacht haben, um Gott und den Menschen zu dienen. Dankbar können wir für die Spätberufenen sein, die ihren Weg vielleicht erst mit 30, 40 oder 50 Jahren erkennen und bei ihrem Bischof anklopfen. Dankbar können wir den emeritierten Pfarrern sein, die auch weiterhin mit Leidenschaft ihren priesterlichen Dienst ausüben und die tüchtigen Seelsorger vor Ort verstärken. Dankbar sein können wir für alle alt gewordenen Priester, die uns alle – wie Papst Benedikt XVI. – im Gebet tragen und begleiten. Der Nuntius hat zum Abschluss seines Grußwortes Papst Franziskus zitiert: „Lasst mich nun allen Priestern und gottgeweihten Personen innigen Dank sagen, die dem Herrn vollkommen und treu dienen. Sie fühlen sich vom schändlichen Verhalten einiger ihrer Mitbrüder entehrt und in Misskredit gebracht. Alle – die Kirche, gottgeweihte Personen, das Volk Gottes und sogar Gott selbst – tragen wir die Folgen ihrer Untreue. Im Namen der ganzen Kirche danke ich der überwältigenden Mehrheit der Priester, die nicht nur den Zölibat treu leben, sondern in einem Dienst aufgehen, der heute durch die Skandale einiger weniger (aber immer zu viele) ihrer Mitbrüder schwieriger geworden ist. Und Dank gilt auch den Gläubigen, die ihre tüchtigen Hirten sehr wohl kennen und weiter für sie beten und sie weiterhin unterstützen.“ Mit diesem Dank und diesen Worten spricht der Papst vielleicht nicht nur mir, sondern vielen Menschen aus dem Herzen, die nicht im Zentralkomitee der deutschen Katholiken sitzen, die nicht in Talkshows zu Gast sind, die vielleicht übersehen oder nicht interviewt werden (und auch nicht interviewt werden möchten) und die auch keine Stimme in den Medien haben.

Auf die Fürsprache der heiligen Theresia vom Kinde Jesus können wir für die Priester in Deutschland und Österreich bitten: „Vater, in Liebe hast du die Welt und die Menschen geschaffen und zur letzten Vollendung in dir bestimmt. Lass die Priester am Kommen deines Reiches mitarbeiten. Jesus Christus, du hast sie zu Verwaltern deiner Sakramente und zu Dienern der Freude berufen. Erhalte sie treu in deinem Dienst. Heiliger Geist, du hast ihnen in der heiligen Weihe dein Licht und deine Kraft gegeben. Erneuere und stärke sie in deiner Gnade. Maria, Mutter unseres Herrn und Erlösers, du schenkst deine Hilfe denen, die dem Reich deines göttlichen Sohnes dienen. Schütze und geleite sie. Heilige Theresia vom Kinde Jesus, du hast die Priester in dein Herz geschlossen und für sie besonders gebetet. Sei ihnen Schwester und Wegbegleiterin bei ihrem apostolischen Wirken. Amen.“

Ich glaube: Wir, Kleriker und Weltchristen, sind – verbunden im Herrn und in der Gemeinschaft mit allen Heiligen – vor allem eine betende Kirche. Vielleicht möchten auch Sie mitbeten?

Dr. Thorsten Paprotny lehrte von 1998-2010 am Philosophischen Seminar und von 2010 bis 2017 am Institut für Theologie und Religionswissenschaft der Leibniz Universität Hannover. Er publizierte 2018 den Band „Theologisch denken mit Benedikt XVI.“ im Verlag Traugott Bautz und arbeitet an einer Studie zum Verhältnis von Systematischer Theologie und Exegese im Werk von Joseph Ratzinger / Benedikt XVI.

kath.net-Buchtipp
Theologisch denken mit Benedikt XVI.
Von Thorsten Paprotny
Taschenbuch, 112 Seiten
2018 Bautz
ISBN 978-3-95948-336-0
Preis 15.50 EUR

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