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Der Bischof – Künder und Hüter des Glaubens

1. April 2019 in Spirituelles, 1 Lesermeinung
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"Der bischöfliche Dienst an der Einheit verlangt allerdings mitunter auch Entscheidungen, die dem Ganzen Rechnung tragen und sich nicht an der Vorgabe des Zeitgeistes ausrichten dürfen." Von Bischof em. Heinz Josef Algermissen


Fulda (kath.net/pbf) Wenn an diesem Sonntag der Freiburger Weihbischof Dr. Michael Gerber im Hohen Dom zu Fulda als neuer Diözesanbischof eingeführt wird, ist das für unser Bistum insgesamt und für mich persönlich als sein Vorgänger ein tief bewegendes und ergreifendes Ereignis.

Und darum ist es sicher gut, hinsichtlich dieses Ereignisses einige grundsätzliche Punkte zu bedenken.

Von Anfang an wird die Einheit in den apostolischen Ermahnungen beschworen. Wo die Kirche sie verliert, verliert sie sich selbst. Sie wird nicht erst geeint durch den Willen der Gläubigen. Sie ist vielmehr eine, weil sie „Leib Christi“ ist und von der Einheit mit ihrem Haupt, mit Christus, lebt (vgl. Kol 1, 18). An die sakramentale Struktur der Kirche hat der Bischof je und je zu erinnern.
Der hl. Ignatius von Antiochien, einer der Apostolischen Väter, hat den zentralen Aspekt des Bischofsamtes bereits Anfang des 2. Jahrhunderts auf den Punkt gebracht, als er die Sorge um die Einheit der Gemeinden unter dem Bischof so zur Sprache bringt: „Getrennt vom Bischof kann man von keiner Kirche sprechen.“

Gerade heute, da innerkirchliche Streitigkeiten, unterschiedliche Gruppeninteressen, indes auch schmerzliches Versagen zu einer Krise geführt haben, ist es notwendig, dass Bischof und Gläubige in den Gemeinden gemeinsam auf Jesus Christus als den einzigen Herrn der Kirche schauen und sich seinem „Geist der Leitung“ anvertrauen.


Der bischöfliche Dienst an der Einheit verlangt allerdings mitunter auch Entscheidungen, die dem Ganzen Rechnung tragen und sich nicht an der Vorgabe des Zeitgeistes ausrichten dürfen. Nicht selten zwischen allen Fronten stehend wird der Bischof versuchen müssen, nach Möglichkeit zu vermitteln und auszugleichen, ohne dabei das apostolische Zeugnis aus den Augen verlieren zu dürfen. Wenn es dann aber nicht anders geht, muss er auch den Mut zur Ermahnung und Zurechtweisung haben, sogar zur Trennung von denen, die die Einheit zerstören.

Professor Joseph Ratzinger, der spätere Papst Benedikt XVI., erklärte 1977 bei seiner Bischofsweihe in München: „Der Bischof handelt nicht im eigenen Namen, sondern er ist Treuhänder eines anderen, Jesu Christi und seiner Kirche. Er kann daher auch nicht beliebig seine Meinung wechseln und einmal für dies, einmal für jenes eintreten. Je nachdem, wie günstig es erscheint. Er ist nicht da, seine Privatideen auszubreiten, sondern er ist ein Gesandter, der seine Botschaft zu überbringen hat, die größer ist als er. An dieser Treue wird er einmal gemessen, sie ist sein Auftrag.“

Die Geschichte lehrt, dass die Erfüllung des Bischofsamtes im Leben der Kirche meistens alles andere als einfach war. In der heutigen Zeit erscheint dieser Auftrag jedoch als eine besonders schwierige Verantwortung, wenn man in Einklang mit den Grundwerten des Evangeliums Antworten auf die dringenden Fragen unserer säkularen und oft bedenklich gleichgültigen Gesellschaft zu formulieren hat.

„Die Passion des Amtes, seine Demütigung, ist Zeichen, dass der Herr seine Kirche in ihren Amtsträgern begleitet, ist sogar ein Mittel, dass Gott gebraucht, um das Amt glaubhaft in die Nachfolge Christi zu stellen…“, so deutet es der große Theologe und Kardinal Hans Urs von Balthasar.

Liebe Leserinnen und Leser! All die 17 Jahre als Bischof von Fulda hat mich ein Bild begleitet, das mir wie eine Verheißung wurde und das auch wohl dem neuen Bischof helfen kann: Bonifatius bricht im hohen Alter im Jahr 754 nochmals auf, um bei den Friesen das Evangelium zu verkünden. Am Morgen des 5. Juni wird er in Friesland mit seinen Gefährten von einer Mörderbande getötet. Wir kennen das deutende Bild, als er sich die Hl. Schrift schützend über den Kopf hält, um den Schwertstreich abzuwehren.

Mir steht bei diesem Bild meine eigene Bischofsweihe vor gut 22 Jahren im Paderborner Dom vor Augen. Und unser neuer Diözesanbischof wird sich an seine Bischofsweihe vor 6 Jahren im Freiburger Münster erinnern: Dem Kandidaten wird bei der Weihe das offene Evangeliar auf den Kopf gelegt und während des ganzen Weihegebetes so gehalten. Ein wirklich ergreifendes Zeichen im Weiheritus: Der Bischof beugt sich unter das Wort. Von heute an, so wird sozusagen überdeutlich, soll dein Denken, Beten und Tun von Gottes Wort getragen sein. An ihm sollst du Maß nehmen. Und wenn es Widerstand gibt, wenn es gilt, unpopuläre Entscheidungen zu treffen: Beim Wort, das Fleisch wurde (vgl. Joh 1, 14), sollst du Zuflucht nehmen. Es wird dich stärken, trösten und immer wieder aufrichten. Diesen Trost, der mir selbst geschenkt wurde, wünsche ich auch meinem Nachfolger.

Archivfoto Bischof Algermissen (c) Bistum Fulda


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