03 Mai 2019, 13:00
Die erhabensten Worte des Johannesevangeliums
 
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Benedikt XVI. – Licht des Glaubens: das Paradox der Menschwerdung. Das wahre Antlitz Gottes im Antlitz Jesu schauen: in seinem Antlitz sehen wir wirklich, wer Gott ist und wie Gott ist. Von Armin Schwibach

Rom (kath.net/as) In der Katechese bei der Generalaudienz vom 6. September 2006 widmete Papst Benedikt XVI. seine Aufmerksamkeit dem Apostel Philippus, der wie Petrus und Andreas aus Betsaida in Galiläa stammte und wie sie zu den ersten Jüngern Jesu gehörte.

Im Johannesevangelium sei zu hören, wie er der Einladung Jesu entschlossen Folge leiste und wenig später selbst zum Apostel werde. Offen und frei erzähle er Natanaël von seiner Begegnung mit Jesus, „dass er den gefunden hat, auf den Israel wartet“. Doch er sehe zugleich, dass nur die persönliche Erfahrung Natanaël überzeugen könne, dass dies der Erwartete ist und darum fordert er Natanaël, den Zweifelnden, Skeptischen einfach auf: „Komm und sieh!“ (Joh 1,46).

Noch einen besonderen Aspekt betonte Benedikt XVI.:

„Dann gibt es noch eine andere ganz besondere Gelegenheit, bei der Philippus in den Vordergrund tritt. Während des Letzten Abendmahls, nachdem Jesus gesagt hatte, daß ihn zu erkennen bedeutet, auch den Vater zu erkennen (vgl. Joh 14,7), fragte ihn Philippus beinahe naiv: »Herr, zeig uns den Vater; das genügt uns« (Joh 14,8).

Jesus antwortete ihm mit liebevoll tadelndem Tonfall: »Schon so lange bin ich bei euch, und du hast mich nicht erkannt, Philippus? Wer mich gesehen hat, hat den Vater gesehen! Wie kannst du sagen: Zeig uns den Vater? Glaubst du nicht, dass ich im Vater bin und daß der Vater in mir ist? … Glaubt mir doch, daß ich im Vater bin und dass der Vater in mir ist« (Joh 14,9–11).

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Diese Worte gehören zu den erhabensten Worten des Johannesevangeliums. Sie enthalten eine wirkliche Offenbarung. Am Ende des Prologs seines Evangeliums sagt Johannes: »Niemand hat Gott je gesehen. Der Einzige, der Gott ist und am Herzen des Vaters ruht, er hat Kunde gebracht« (Joh 1,18)

Jene Erklärung, die vom Evangelisten stammt, wird von Jesus selbst aufgenommen und bestätigt, jedoch mit einer neuen Nuance. Während nämlich der Johannesprolog von einem erklärenden Eingreifen Jesu durch die Worte seiner Lehre spricht, bezieht sich Jesus in seiner Antwort an Philippus auf seine eigene Person als solche und macht damit deutlich, dass es möglich ist, ihn nicht nur durch das zu verstehen, was er sagt, sondern mehr noch durch das, was er ganz einfach ist. Um es gemäß dem Paradox der Menschwerdung auszudrücken, können wir wohl sagen, daß Gott ein menschliches Antlitz angenommen hat, das Antlitz Jesu, und infolgedessen brauchen wir von nun an, wenn wir das Antlitz Gottes wirklich erkennen wollen, nichts anderes tun, als das Antlitz Jesu zu betrachten! In seinem Antlitz sehen wir wirklich, wer Gott ist und wie Gott ist!“.

Und so hinterlasse uns Philippus diese Botschaft, andere in die persönliche Begegnung mit Jesus hineinzuführen.

Bereits am 28. Juni 2006 hatte sich Benedikt XVI. bei der Generalaudienz mit der Gestalt des Apostels Jakobus des Jüngeren auseinandergesetzt., Jakobus, der „Herrenbruder“, als den ihn die Apostelgeschichte kennt, der in der frühen Kirche ein wichtige Rolle gespielt und beim Apostelkonzil in Jerusalem eingenommen haben soll.

Dort unterbreite er einen bedeutsamen Vorschlag: den Heiden, „die sich zu Gott bekehrt haben, soll nicht die schwere Last aller mosaischen Gesetzesvorschriften aufgebürdet werden; nur an einige besonders wichtige müssen sie sich halten (vgl. Apg 15, 19-20)“.

Schließlich betone der Jakobusbrief, dass der Glaube und die Werke zusammengehören und dass der Glaube ohne die Werke tot sei (vgl. Jak 2, 14-26). Dabei gehe es nicht um „Werkgerechtigkeit“ oder gar um Selbsterlösung, sondern darum, „dass der Glaube und die Gnade Gottes im Leben der Christen durch die Werke der Liebe fruchtbar und sichtbar werden“.


Benedikt XVI. bei der Generalaudienz am 28. Juni 2006 zum heiligen Apostel Jakobus dem Jüngeren:

Liebe Brüder und Schwestern!

Neben der Gestalt Jakobus’ »des Älteren«, Sohn des Zebedäus, von dem wir am vergangenen Mittwoch gesprochen haben, kommt in den Evangelien noch ein weiterer Jakobus vor, der »der Jüngere« genannt wird. Auch er scheint in den Listen der von Jesus persönlich erwählten zwölf Apostel auf und wird immer als »der Sohn des Alphäus« bezeichnet (vgl. Mt 10,3; Mk 3,18; Lk 6,15; Apg 1,13). Er wurde oft mit einem anderen Jakobus identifiziert, der »der Kleine« genannt wird (vgl. Mk 15,40) und Sohn einer Maria war (vgl. ebd.), die »Maria, Frau des Klopas« sein könnte. Sie stand laut dem Vierten Evangelium zusammen mit der Mutter Jesu unter dem Kreuz (vgl. Joh 19,25). Auch Jakobus stammte aus Nazaret und war wahrscheinlich ein Verwandter Jesu (vgl. Mt 13,55; Mk 6,3); deshalb wird er nach semitischem Brauch als dessen »Bruder« bezeichnet (vgl. Mk 6,3; Gal 1,19). Die Apostelgeschichte hebt die herausragende Rolle dieses letztgenannten Jakobus in der Kirche von Jerusalem hervor.

Beim Apostelkonzil, das dort nach dem Tod Jakobus’ des Älteren, abgehalten wurde, trat er zusammen mit den anderen dafür ein, daß die Heiden in die Kirche aufgenommen werden konnten, ohne sich vorher der Beschneidung zu unterziehen (vgl. Apg 15,13ff.). Der hl. Paulus, der ihm eine besondere Erscheinung des Auferstandenen zuschreibt (vgl. 1 Kor 15,7), nennt ihn, als er von seinem eigenen Gang nach Jerusalem berichtet, sogar vor Kephas- Petrus und bezeichnet ihn wie diesen als »Säule« der Kirche (vgl. Gal 2,9). In der Folge sahen die Judenchristen in ihm ihren Hauptbezugspunkt. Ihm wird auch der Brief zugeschrieben, der als Jakobusbrief zum Kanon der neutestamentlichen Schriften gehört. Darin bezeichnet er sich nicht als »Herrenbruder«, sondern als »Knecht Gottes und Jesu Christi, des Herrn« (Jak 1,1).

Unter den Gelehrten wird die Frage der Gleichsetzung dieser beiden Persönlichkeiten mit demselben Namen, Jakobus, Sohn des Alphäus, und Jakobus, der »Herrenbruder«, diskutiert. Die Überlieferungen der Evangelien haben uns weder über den einen noch über den anderen irgendeinen Bericht hinterlassen, der auf die Zeit des irdischen Lebens Jesu Bezug nähme. Die Apostelgeschichte hingegen zeigt uns, daß ein »Jakobus«, wie wir schon erwähnt haben, nach der Auferstehung Jesu eine sehr wichtige Rolle in der Urkirche gespielt hat (vgl. Apg 12,17; 15,13–21; 21,18). Die bedeutendste Tat, die er vollbrachte, war seine Stellungnahme in der Frage der schwierigen Beziehung zwischen den Christen jüdischer Herkunft und jenen heidnischer Herkunft: Er hat zusammen mit Petrus dazu beigetragen, die ursprüngliche jüdische Dimension des Christentums zu überwinden – oder, besser gesagt, zu ergänzen – durch die Forderung, den bekehrten Heiden nicht die Verpflichtung aufzuerlegen, sich sämtlichen Vorschriften des mosaischen Gesetzes zu unterwerfen.

Die Apostelgeschichte hat uns die von Jakobus vorgeschlagene und von den anderen anwesenden Aposteln angenommene Kompromißlösung überliefert, wonach die Heiden, die an Jesus Christus glauben, nur angewiesen werden sollen, sich des götzendienerischen Brauchs, das Fleisch der den Göttern zum Opfer dargebrachten Tiere zu essen, und der »Unzucht« zu enthalten, ein Begriff, der wahrscheinlich auf bestimmte nicht gestattete eheliche Verbindungen anspielte. Es handelte sich praktisch nur um die Einhaltung weniger Verbote der mosaischen Gesetzgebung, die als sehr wichtig angesehen wurden.

Auf diese Weise gelangte man zu zwei bedeutsamen, einander ergänzenden Ergebnissen, die beide bis heute gültig sind: Auf der einen Seite wurde die unlösbare Beziehung anerkannt, die das Christentum an die jüdische Religion als seinen ewig lebendigen und gültigen Ursprung bindet; auf der anderen Seite wurde den Christen heidnischer Herkunft erlaubt, ihre eigene soziologische Identität beizubehalten, die sie verloren hätten, wenn sie zur Einhaltung der sogenannten mosaischen »Zeremonialvorschriften« gezwungen gewesen wären: Diese sollten nun für die bekehrten Heiden nicht mehr als verpflichtend gelten. Im wesentlichen begann damit eine Praxis gegenseitiger Wertschätzung und Achtung, die trotz bedauerlicher späterer Mißverständnisse ihrem Wesen nach darauf abzielte, das zu bewahren, was für jede der beiden Seiten charakteristisch war.

Die älteste Nachricht über den Tod dieses Jakobus liefert uns der jüdische Historiker Josephus Flavius. In seinem Werk Antiquitates Iudaicae (Jüdische Altertümer, 20,201f.), das er Ende des ersten Jahrhunderts in Rom verfaßte, berichtet er uns, daß der Tod des Jakobus beschlossen worden sei durch eine unrechtmäßige Initiative des Hohenpriesters Anan, Sohn des in den Evangelien bezeugten Hannas. Anan habe die Zeitspanne zwischen der Absetzung eines römischen Statthalters (Festus) und der Ankunft von dessen Nachfolger (Albinus) ausgenützt, um im Jahr 62 die Steinigung des Jakobus durch Dekret zu verfügen.

Mit dem Namen dieses Jakobus ist neben dem apokryphen Protoevangelium des Jakobus, das die Heiligkeit und Jungfräulichkeit Mariens, der Mutter Jesu, hervorhebt, vor allem der Brief verbunden, der seinen Namen trägt. Im Kanon der Schriften des Neuen Testaments nimmt er unter den sogenannten Katholischen Briefen, also den Briefen, die nicht nur an eine einzelne Gemeinde – wie Rom, Ephesus usw. –, sondern an viele Gemeinden gerichtet sind, den ersten Platz ein. Es handelt sich um ein sehr bedeutendes Schreiben, das die Notwendigkeit stark betont, den eigenen Glauben nicht auf eine rein verbales oder abstraktes Bekenntnis zu reduzieren, sondern ihn konkret in guten Werken auszudrücken. Unter anderem fordert er uns zur Beständigkeit in den Prüfungen auf, die mit Freude angenommen werden sollen, und zum vertrauensvollen Gebet, um von Gott die Gabe der Weisheit zu erlangen, durch die wir schließlich begreifen, daß die wahren Werte des Lebens nicht in den vergänglichen Reichtümern, sondern vielmehr in der Fähigkeit liegen, seinen Besitz mit den Armen und Bedürftigen zu teilen (vgl. Jak 1,27).

So zeigt uns der Brief des hl. Jakobus ein sehr konkretes und praxisbezogenes Christentum. Der Glaube muß im Leben verwirklicht werden, vor allem in der Liebe zum Nächsten und besonders im Einsatz für die Armen. Vor diesem Hintergrund muß auch das berühmte Wort gelesen werden: »Denn wie der Körper ohne den Geist tot ist, so ist auch der Glaube tot ohne Werke« (Jak 2,26).

Diese Erklärung des Jakobus wurde bisweilen den Aussagen des Paulus entgegengestellt, wonach wir von Gott nicht durch unsere Werke, sondern allein durch unseren Glauben gerechtfertigt werden (vgl. Gal 2,16; Röm 3,28). Doch diese beiden Sätze, die sich aufgrund ihrer unterschiedlichen Sichtweise zu widersprechen scheinen, ergänzen einander in Wirklichkeit, wenn sie richtig ausgelegt werden. Der hl. Paulus widersetzt sich dem Hochmut des Menschen, der meint, er bedürfe der uns zuvorkommenden Liebe Gottes nicht; er widersetzt sich dem Hochmut der Selbstrechtfertigung ohne die Gnade, die ein reines Geschenk und unverdient ist. Der hl. Jakobus hingegen spricht von den Werken als einer ganz normalen Frucht des Glaubens: »Jeder gute Baum bringt gute Früchte«, sagt der Herr (Mt 7,17).

Und der hl. Jakobus wiederholt und sagt es uns. Zuletzt ermahnt uns der Jakobusbrief, uns in allem, was wir tun, den Händen Gottes zu überlassen und dabei immer die Worte zu sprechen: »Wenn der Herr will« (Jak 4,15). So lehrt er uns, uns nicht anzumaßen, unser Leben unabhängig und nur auf unsere eigenen Interessen ausgerichtet zu planen, sondern dem unerforschlichen Willen Gottes Raum zu geben, der das wahrhaft Gute für uns kennt. Auf diese Weise bleibt der hl. Jakobus ein stets zeitgemäßer Lehrmeister des Lebens für jeden von uns.

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Foto: (C) Paul Badde


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