13 Mai 2019, 13:00
Wer glaubt, die prophetische Mission Fatimas sei beendet, der irrt!
 
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Benedikt XVI. – Licht des Glaubens: die größte Verfolgung der Kirche kommt nicht von den äußeren Feinden, sondern erwächst aus der Sünde in der Kirche. Von Armin Schwibach

Rom (kath.net/as) „Die Angriffe gegen den Papst und die Kirche kommen nicht nur von außen, sondern die Leiden der Kirche kommen gerade aus dem Inneren der Kirche, von der Sünde, die in der Kirche existiert“: dramatische Worte, mit denen Benedikt XVI. in einem tragischen „annus horribilis“ während seines Fluges nach Portugal die Botschaft von Fatima aktualisierte. Auch und gerade das Jahr 2010 war ein Jahr, das im Schatten des Missbrauch von Schutzbefohlenen und Abhängigen durch Kleriker stand, diesmal nach Irland vor allem in Bezug auf den deutschsprachigen Raum.

Das vom Papst ausgerufene Priesterjahr schien sich gegen die Kirche selbst zu wenden. Der Papst als Person und Institution: sie wurden zu Zielen gewaltiger und auch entwürdigender Angriffe und Kritik. Benedikt XVI. stand fest in dieser von mächtigen Wellen aufgewühlten See. Nie entzog er sich Fragen, nie verweigerte er Antworten.

Der Papst als Fels war sich bewusst, um welche Schlacht es sich handelte, in der er an vorderster Front zu stehen hatte. Denn: Entschuldigungen gab es nicht, und die Aufmerksamkeit durfte nicht auf Zweitrangiges abgelenkt werden. Die ganze Missbrauchsproblematik machte deutlich – im Jahr 2000 wie in den Jahren 2009 und 2010 und auch gerade heute: es geht um die Substanz – des Glaubens, des Christseins, des Christentums. Und dieses Problem kann nicht allein durch die Änderung von Prozeduren angegangen werden.

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Es handelte und handelt sich im eine metaphysische Schlacht, in der der Papst der Herde beistehen muss, in der er die blökenden Lämmer nicht sich selbst überlassen darf. Gerade aus diesem Grund ist die Botschaft von Fatima – die eigentliche und wirkliche Botschaft, nicht ihr pastoral verwässertes Residuum – von drängender Wichtigkeit für das Heute.

„Wer glaubt, dass die prophetische Mission Fatimas beendet sei, der irrt sich”, so Benedikt XVI. in seiner Predigt bei der heiligen Messe am 13. Mai 2010 im Heiligtum von Fatima : „hier an diesem Ort wird jener Plan Gottes wieder lebendig, der die Menschheit seit frühesten Zeiten mit der Frage konfrontiert: ‚Wo ist dein Bruder Abel? […] Das Blut deines Bruders schreit zu mir vom Ackerboden’ (Gen 4,9). Dem Menschen ist es gelungen, einen Kreislauf des Todes und des Schreckens zu entfesseln, den er nicht mehr zu durchbrechen vermag… In der Heiligen Schrift ist häufig davon die Rede, dass Gott nach Gerechten sucht, um die Stadt der Menschen zu retten, und ebendies tut er hier, in Fatima, wenn die Muttergottes die Frage stellt: ‚Wollt ihr euch Gott hingeben, um alle Leiden ertragen zu können, die er euch aufzubürden gedenkt, als Sühne für die Sünden, durch die er geschmäht wird, und als flehentliche Bitte um die Bekehrung der Sünder?’ (Memorias da Irmã Lúcia [Erinnerungen von Schwester Lucia], I, 162)“.


Benedikt XVI. im Interview unterwegs nach Fatima, 11. Mai 2010:

Pater Lombardi: Danke. Jetzt kommen wir zu Fatima, das gewissermaßen auch der geistliche Höhepunkt dieser Reise sein wird. Heiliger Vater, welche Bedeutung haben heute für uns die Erscheinungen von Fatima? Als Sie den Text des dritten Geheimnisses im Juni 2000 im Presseamt des Heiligen Stuhls vorgestellt haben, waren manche von uns und andere Kollegen von damals dabei, und Sie wurden gefragt, ob die Botschaft von Fatima über das Attentat auf Johannes Paul II. hinaus auch auf andere Leiden der Päpste bezogen werden kann. Können Ihrer Ansicht nach auch die durch den Missbrauch von Minderjährigen verursachten Leiden der Kirche von heute im Rahmen dieser Vision gesehen werden?

Benedikt XVI.: Ich möchte zunächst meine Freude über die Reise nach Fatima zum Ausdruck bringen und darüber, vor der Muttergottes von Fatima zu beten, die für uns ein Zeichen der Gegenwart des Glaubens ist, dass gerade aus den Kleinen eine neue Kraft des Glaubens geboren wird, die nicht auf die Kleinen beschränkt bleibt, sondern eine Botschaft für die ganze Welt hat, und die die Geschichte gerade auch in ihrem Heute berührt und diese Geschichte erleuchtet.

Bei der Präsentation im Jahr 2000 habe ich gesagt, daß eine Erscheinung – das heißt ein übernatürlicher Impuls, der nicht bloß der Vorstellungskraft der Person entspringt, sondern tatsächlich von der Jungfrau Maria, vom Übernatürlichen herkommt – daß ein solcher Impuls in das Subjekt eintritt und gemäß den Möglichkeiten des Subjekts zum Ausdruck gebracht wird. Das Subjekt ist von seinen geschichtlichen, persönlichen, und charakterlichen Gegebenheiten bestimmt und übersetzt den großen übernatürlichen Impuls daher in sein Seh-, Vorstellungs- und Ausdrucksvermögen, aber in diesen Ausdrucksweisen, die vom Subjekt geformt sind, verbirgt sich ein Inhalt, der darüber hinausgeht, der tiefer ist, und nur im Lauf der Zeit können wir die ganze Tiefe sehen, die – sagen wir mal – in dieser für die konkreten Personen möglichen Vision „gekleidet“ war.

So würde ich sagen, werden auch hier über die große Vision des Leidens des Papstes hinaus, die wir in erster Linie auf Papst Johannes Paul II. beziehen können, Realitäten der Zukunft der Kirche aufgezeigt, die sich nach und nach entfalten und zeigen. Daher ist es richtig, dass man über den in der Vision gezeigten Moment hinaus die Notwendigkeit eines Leidens der Kirche sieht, das sich natürlich in der Person des Papstes widerspiegelt, aber der Papst steht für die Kirche und daher werden Leiden der Kirche angekündigt.

Der Herr hat uns gesagt, dass die Kirche auf verschiedene Weise immer leiden würde bis zum Ende der Welt. Wichtig ist dabei, dass die Botschaft, die Antwort von Fatima im Wesentlichen nicht auf bestimmte Andachtsübungen abzielt, sondern auf die grundlegende Antwort, das heißt die ständige Umkehr, die Buße, das Gebet und die drei göttlichen Tugenden: Glaube, Hoffnung und Liebe. So sehen wir hier die wahre und grundlegende Antwort, die die Kirche geben muss, die wir, jeder von uns, in dieser Situation geben müssen.

Unter dem Neuen, das wir heute in dieser Botschaft entdecken können, ist auch die Tatsache, dass die Angriffe gegen den Papst und die Kirche nicht nur von außen kommen, sondern die Leiden der Kirche kommen gerade aus dem Inneren der Kirche, von der Sünde, die in der Kirche existiert. Auch das war immer bekannt, aber heute sehen wir es auf wahrhaft erschreckende Weise:

Die größte Verfolgung der Kirche kommt nicht von den äußeren Feinden, sondern erwächst aus der Sünde in der Kirche. Und darum ist es für die Kirche zutiefst notwendig, dass sie neu lernt, Buße zu tun, die Reinigung anzunehmen; daß sie einerseits zu vergeben lernt, aber auch die Notwendigkeit der Gerechtigkeit sieht; denn Vergebung ersetzt die Gerechtigkeit nicht. Mit einem Wort, wir müssen gerade das Wesentliche neu lernen: die Umkehr, das Gebet, die Buße und die göttlichen Tugenden. So antworten wir. Seien wir realistisch darauf gefasst, dass das Böse immer angreift, von innen und von außen, aber dass auch die Kräfte des Guten immer gegenwärtig sind und dass letztendlich der Herr stärker ist als das Böse. Und die Muttergottes ist für uns eine sichtbare, mütterliche Garantie der Güte Gottes, die immer das letzte Wort in der Geschichte ist.

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