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„Herr, wecke deine Kirche aus dem Koma wieder auf!“

18. Juni 2019 in Spirituelles, 1 Lesermeinung
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„Weck deine Kirche auf aus dem Koma der Gottferne und der Selbstbespiegelung und gib, dass sie den Menschen in Fülle DEIN Licht wiederspiegle!“ Spiritueller Impuls von Msgr. Heinrich-Maria Burkard


Heiligkreuztal (kath.net) Mitten in ihrem Kloster hatten die Zisterzienserinnen von Heiligkreuztal eine Muttergottesstatue über ihrem Brunnen aufgestellt. Von allen Winkeln des Kreuzgangs konnte man sie betrachten.

Zu ihren Füßen ist im Sichelmond das Bild einer schlafenden Nonne zu sehen. Sie scheint ihren Mitschwestern zuzuflüstern: „Passt auf, dass ihr nicht das Heil verschlaft!“ – „Lass euch wecken vom Licht!“

Dass Christus dieses Licht ist, brauchte man keiner zu erklären. „Christus, du Sonne unsres Heils“, diesen alten Hymnus kannten sie auswendig.

Die frühe Kirche sah im Mond das Symbol für die Kirche. So wie der Mond nur leuchtet, wenn die Sonne ihn bescheint, so kann die Kirche nur leuchten, wenn sie erfüllt ist vom Licht Christi. Es gibt Zeiten, da gibt die Kirche viel Licht dieser „Sonne der Gerechtigkeit“ weiter und es gibt Zeiten da scheint dieses Licht in ihr verdunkelt, bis hin zur Gestalt des „Neumonds“.


Am Ende der Zeiten wird Christus im himmlischen Jerusalem selbst das Licht der neuen Schöpfung sein. Aus dieser Verheißung heraus wollten die Schwestern ihren Alltag gestalten. Damit dies gelingt, galt es, im Gebet, in der Betrachtung, im Dienst das Licht Christi zu erbitten: für das eigene Leben und auf das Leben der Gemeinschaft. Mit ihnen können wir beten:

Weck uns auf, Herr, aus der Benommenheit und dem Schlaf! Weck deine Kirche auf aus dem Koma der Gottferne und der Selbstbespiegelung und gib, dass sie den Menschen in Fülle DEIN Licht wiederspiegle!

Hintergründe
Nach Benedikt XVI steht die Gottesfrage im Vordergrund, nicht die Kirche. Nach Lumen gentium gilt nicht der Kirche, sondern Jesus Christus das Hauptaugenmerk. Die Aufgabe der Kirche besteht darin, dieses Licht in die Welt zu tragen, was die Kirchenväter sehr schön gesagt haben: Sie haben die Kirche mit dem Mond verglichen. Wie der Mond kein anderes Licht hat als das, das er von der Sonne empfängt, so hat auch die Kirche kein anderes Licht als das, das sie von Christus empfängt, und das muss sie in die Welt tragen. "Wir müssen etwas wie eine lunare Ekklesiologie vertiefen und weitertragen, in der die Kirche sich damit zufrieden gibt, der Mond zu sein und nicht selber die Sonne zu sein." (Blog Vatican News, April 2012)

Der Mond ist nach Origines die „Königin, die vom Licht des Logos als der wahren Sonne erleuchtet wird und damit zum Bild der Kirche wird. Die Gläubigen werden durch diese beiden Lichter erleuchtet, womit Apostel, Märtyrer, letztlich jeder Christ (anima) die lunare Symbolik des Verhältnisses zwischen Christus und der Kirche verwirklichen: Sterbend und der Vernichtung preisgegeben erleuchten sich die erneuernde und wachsende Kirche .

Eschatologisch signalisiert der Mondcharakter auch die Vorläufigkeit der Kirche: wenn die Sonne aufgeht verschwinden Mond und Sterne. Am Ende wird die Kirche vom Glanz des verherrlicht wiederkehrenden Christus verschlungen werden. (Ernst Dassmann, Artikel Kirche II, 2004,1009).

Msgr. Heinrich-Maria Burkard war langjährig der Personalreferent für die Priester in der Diözese Rottenburg-Stuttgart und ist inzwischen als Leiter des Geistlichen Zentrums Heiligkeuztal tätig, außerdem ist er Mitglied im Team der Priesterseelsorger und der Seelsorger für die hauptamtlich pastoralen Dienste seiner Diözese.

Schlafende Nonne in der Mondsichel - Heiligenkreuzer Mondsichelmadonna




Foto (c) Msgr. Heinrich-Maria Burkard


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