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Die Magna Charta der christlichen Gewaltlosigkeit

17. Juni 2019 in Aktuelles, keine Lesermeinung
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Benedikt XVI. – Licht des Glaubens: die Feindesliebe bildet den Kern der ‚christlichen Revolution’. Das Heldentum der ‚Kleinen’, die an die Liebe Gottes glauben. Von Armin Schwibach


Rom (kath.net/as) „Liebt eure Feinde!“: „was aber ist der Sinn dieses seines Wortes?“, fragte sich Papst Benedikt XVI. am 18. Februar 2007 vor dem Gebet des Angelus: „warum fordert Jesus, die eigenen Feinde zu lieben, also eine Liebe, die über die menschlichen Fähigkeiten hinausgeht? In Wirklichkeit ist der Vorschlag Christi realistisch, denn er trägt der Tatsache Rechnung, dass es in der Welt zuviel Gewalt, zuviel Ungerechtigkeit gibt; eine solche Situation kann man nur dann überwinden, wenn ihr ein Mehr an Liebe, ein Mehr an Güte entgegengesetzt wird“.

„Die Feindesliebe bildet den Kern der »christlichen Revolution«, einer Revolution, die nicht auf Strategien wirtschaftlicher und politischer Macht oder der Macht der Medien gründet. Die Revolution der Liebe, einer Liebe, die letztendlich nicht auf menschlichen Ressourcen beruht, sondern ein Geschenk Gottes ist, das man dann erhält, wenn man einzig und vorbehaltlos auf seine barmherzige Güte vertraut.“

Evangelium am Montag der 11. Woche im Jahreskreis (C):

„Ihr habt gehört, dass gesagt worden ist: Auge für Auge und Zahn für Zahn. Ich aber sage euch: Leistet dem, der euch etwas Böses antut, keinen Widerstand, sondern wenn dich einer auf die rechte Wange schlägt, dann halt ihm auch die andere hin! Und wenn dich einer vor Gericht bringen will, um dir das Hemd wegzunehmen, dann lass ihm auch den Mantel! Und wenn dich einer zwingen will, eine Meile mit ihm zu gehen, dann geh zwei mit ihm! Wer dich bittet, dem gib, und wer von dir borgen will, den weise nicht ab!“ (Mt 5,38-42).



Benedikt XVI. vor dem Gebet des Angelus, 18. Februar 2007:

Liebe Brüder und Schwestern!

Das Evangelium des heutigen Sonntags enthält eines der typischsten und stärksten Worte der Predigten Jesu: »Liebt eure Feinde« (Lk 6,27). Es ist dem Lukasevangelium entnommen, findet sich jedoch auch im Matthäusevangelium (5,44) im Zusammenhang mit der programmatischen Rede, die mit den berühmten »Seligpreisungen« beginnt. Jesus hielt sie in Galiläa am Anfang seines öffentlichen Lebens, gleichsam ein allen vorgelegtes »Manifest«, für das er die Zustimmung seiner Jünger verlangt, indem er ihnen in radikalen Begriffen sein Lebensmodell vorschlägt.

Was aber ist der Sinn dieses seines Wortes? Warum fordert Jesus, die eigenen Feinde zu lieben, also eine Liebe, die über die menschlichen Fähigkeiten hinausgeht? In Wirklichkeit ist der Vorschlag Christi realistisch, denn er trägt der Tatsache Rechnung, daß es in der Welt zuviel Gewalt, zuviel Ungerechtigkeit gibt; eine solche Situation kann man nur dann überwinden, wenn ihr ein Mehr an Liebe, ein Mehr an Güte entgegengesetzt wird. Dieses »Mehr« kommt von Gott: Es ist seine Barmherzigkeit, die in Jesus Fleisch geworden ist und die allein in der Welt den Schwerpunkt auf die Seite des Guten verlagern kann, ausgehend von jener kleinen und entscheidenden »Welt«, die das Herz des Menschen ist.

Zu Recht wird dieser Abschnitt aus dem Evangelium als die Magna Charta der christlichen Gewaltlosigkeit betrachtet; sie besteht nicht darin, sich dem Bösen zu ergeben – entsprechend einer falschen Interpretation des Wortes »die andere Wange hinhalten« (vgl. Lk 6,29) –, sondern darin, auf das Böse mit dem Guten zu antworten (vgl. Röm 12,17–21), um so die Kette der Ungerechtigkeit zu sprengen.

So versteht man also, daß Gewaltlosigkeit für die Christen nicht ein rein taktisches Verhalten darstellt, sondern eine Wesensart der Person und die Haltung dessen, der so sehr von der Liebe Gottes und deren Macht überzeugt ist, daß er keine Angst davor hat, dem Bösen nur mit den Waffen der Liebe und der Wahrheit entgegenzutreten. Die Feindesliebe bildet den Kern der »christlichen Revolution«, einer Revolution, die nicht auf Strategien wirtschaftlicher und politischer Macht oder der Macht der Medien gründet. Die Revolution der Liebe, einer Liebe, die letztendlich nicht auf menschlichen Ressourcen beruht, sondern ein Geschenk Gottes ist, das man dann erhält, wenn man einzig und vorbehaltlos auf seine barmherzige Güte vertraut. Darin besteht die Neuheit des Evangeliums, die die Welt verändert, ohne Lärm zu machen. Das ist das Heldentum der »Kleinen«, die an die Liebe Gottes glauben und sie auch auf Kosten ihres Lebens verbreiten.
[...]

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