28 Juni 2019, 15:00
Der Realsatire widerstehen
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Warum schreiben akademisch gebildete führende Kirchenleute so einen Stuss? - Ein Gastkommentar von Marcus Franz zum Schreiben der Deutschen Bischofskonferenz über Populismus

Wien (kath.net)
Die Deutsche Bischofskonferenz hat dieser Tage ein Papier veröffentlicht, das sie „Dem Populismus widerstehen“ genannt hat. Das 74-seitige Konvolut soll eine Arbeitshilfe zum kirchlichen Umgang mit rechtspopulistischen Tendenzen (sic!) sein. Es entstand laut Vorwort aus der bischöflichen Besorgnis heraus, dass sich in Deutschland starke rechtspopulistische Trends entwickelt hätten und noch weiter entwickeln würden.

Aus dieser sogenannten Arbeitshilfe ist aber keine sachkritische Betrachtung von aktuellen gesellschaftspolitischen Problemstellungen geworden, sondern die Kirchenmänner gestalteten eine elendslange Schrift mit teils verschwurbelten und merkwürdig formulierten Argumenten. Streckenweise verstiegen sie sich sogar zu haarsträubenden Geschichtsklitterungen und Kulturverzerrungen, die bis hin zur Selbstverleugnung gehen.

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Wenn man unvoreingenommen bestimmte Passagen des Textes liest, möchte man zunächst meinen, die Bischöfe seien beim Schreiben in selbstironischer Laune gewesen oder sie haben zuvor Michel Houellebecqs grandioses Werk „Unterwerfung“ gelesen und wollten, angeregt von der Houellebcqschen Vision eines zum Islam konvertierten Frankreichs, den Teil 2 des großen französischen Romans aus dem Jahr 2015 schreiben.

Dem ist aber natürlich nicht so – denn die Herren meinen ihren Text ernst. Ganz ernst sogar. Und gerade weil sie es so ernst meinen, ist dabei eine unwillkürliche Realsatire herausgekommen, die insgesamt eine ganz unfassbare und schwerwiegende Verirrung der hauptberuflichen deutschen Kirchen-Hirten darstellt. Niemand muss sich die Mühe machen, den süßlich-belehrenden, die eigenen Gläubigen desavouierenden und gleichzeitig den fremden Kulturen gegenüber unterwürfig daherkommenden Text ganz zu lesen. Er ist es, mit Verlaub, nicht wert. Zur Illustration dieses bestürzenden Schreibens nur eine der zentralen Passagen:

„Ohne die christliche Prägung Europas in Abrede zu stellen, kann man bezweifeln, ob ein „christliches Abendland“ – in der behaupteten kulturellen und religiösen Homogenität – je existiert hat. Europa fußt vielmehr auf Werten, die sich angesichts einer Vielfalt von Kulturen und Glaubensüberzeugungen entfaltet haben.“

Tja. Dazu fällt einem eigentlich nichts mehr ein - außer der Frage, wie und vor allem warum akademisch gebildete führende Kirchenleute so einen Stuss daherschreiben können. Weil es in diesem intellektuellen Offenbarungseid thematisch vor allem um die „Rechten“ geht, sei hier noch kurz erwähnt, wie die deutschen Bischöfe diese implizit als Sünder eingestuften Rechten sehen und wer für sie überhaupt „rechts“ ist: Man erkennt laut diesem Pamphlet die Rechten daran, dass sie die traditionelle Familien- und Geschlechterordnung schätzen und der Ansicht sind, dass eine Ehe aus Mann und Frau besteht. Und natürlich sind diese Rechten, wie schrecklich, um die Verteidigung der eigenen Lebensweise bemüht.

Anders gesagt: Wenn wir diesen Text nicht als Realsatire betrachten, ist nun jeder Mensch, der seine Heimat, seine angestammte Lebensform und seine Kultur aufrechterhalten und vielleicht gar an seine Kinder weitergeben will, nicht mehr nur aus Sicht aller internationalistischen und hypermoralischen Neu- und Altlinken jemand, der verwerflichem Gedankengut anhängt, sondern er ist jetzt auch in seiner eigenen Kirche eine Persona non grata. Letztlich geschieht durch diese Verketzerungen aber noch viel, viel mehr: Denkt man nämlich die Ideen der Bischöfe ernsthaft zu Ende, dann ist die endgültige Selbstaufgabe der katholischen Kirche mit diesem ihrem Schreiben bereits eingeleitet.

Dr. Marcus Franz ist ehemaliger Nationalratsabgeordneter der ÖVP. Dr. Franz ist verheiratet und hat drei Kinder. Außerdem ist er Facharzt für Innere Medizin und ehemaliger Primarius und ärztlicher Direktor des Hartmannspitals in Wien.







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