03 Juli 2019, 11:40
Papst Franziskus verschenkt Petrus-Reliquien nach Konstantinopel!
 
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Papst Franziskus: "Gestern Abend, im Gebet, kam mir dieser Gedanke... Ich lebe nicht mehr im Apostolischen Palast, ich benutze diese Kapelle nie... mein Geschenk an die Kirche von Konstantinopel". Gastbeitrag von Michael Hesemann

Vatikan (kath.net) Am Pontifikalamt zum Hochfest St. Peter & St. Paul im Petersdom zu Rom, das Papst Franziskus am 29. Juni zelebrierte, nahm dieses Jahr wieder, wie bereits in den Vorjahren, eine hochrangige Delegation des Ökumenischen Patriarchats von Konstantinopel teil. Die Vertreter der griechisch-orthodoxen Kirche ahnten nicht, wie nah sie an diesem Tag dem Apostelfürsten noch kommen sollten.

Nach der Papstmesse lud Franziskus Erzbischof Hiob von Telmessos, den offiziellen Vertreter des ökumenischen Patriarchen Bartholomäus I. und Co-Vorsitzender der Internationalen Kommission für den theologischen Dialog zwischen der Römisch-katholischen und der Orthodoxen Kirche, ein, mit ihm vor dem Petrusgrab zu beten. Gemeinsam stiegen die beiden Männer hinab zur Confessio, die unmittelbar vor dem Papstaltar unter dem Baldachin des Bernini liegt.

Nach dem gemeinsamen Gebet meinte Franziskus zu Hiob: „Ich habe noch ein Geschenk für die Kirche in Konstantinopel.“ Er forderte ihn auf, ihm zu folgen. Gemeinsam gingen die Männer in den Apostolischen Palast, fuhren hinauf in den dritten Stock, betraten das jetzt leerstehende Appartement der Päpste. Dort führte Franziskus den orthodoxen Bischof zu seinem Erstaunen in die verwaiste Kapelle, die von Paul VI. modernisiert worden war und in der Montini und seine Nachfolger bis Benedikt XVI. täglich das heilige Messopfer gefeiert hatten. Andächtig betrat Hiob den vielleicht einstmals heiligsten Ort des Vatikans. Franziskus bückte sich, öffnete eine Schublade und holte einen bronzenen Schrein hervor. In der Seite steckte ein Schlüssel, den er drehte, bevor er den Deckel vorsichtig anhob. Zum Vorschein kamen, sauber geordnet, neun Knochenstücke. Die Aufschrift des Schreins hatte bereits enthüllt, dass es sich um Stücke der wichtigsten Reliquie des Petersdomes handelte: „Von den Gebeinen, die in der vatikanischen Basilika gefunden wurden, des heiligen Apostels Petrus.“

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„Wissen Sie, Papst Paul VI. hatte den Wunsch, einen Teil der Petrus-Reliquien, die gerade unter dem Petersdom gefunden worden waren, in seiner Privatkapelle zu verwahren“, erklärte Franziskus dem erstaunten Griechen: „Gestern Abend, im Gebet, kam mir dieser Gedanke: Ich lebe nicht mehr im Apostolischen Palast, ich benutze diese Kapelle nie, ich feiere hier keine Heilige Messe und wir haben die Reliquien des hl. Petrus in der Basilika. Da ist es doch besser, dass diese Reliquien in Konstantinopel verwahrt werden. Sie sind mein Geschenk an die Kirche von Konstantinopel. Bitte nehmen Sie dieses Reliquiar und geben Sie es meinem Bruder, dem Patriarchen Bartholomäus. Dieses Geschenk stammt nicht von mir, es ist ein Geschenk Gottes.“

Tatsächlich stammen die neun Knochenteile von der spektakulärsten bibelarchäologischen Entdeckung des 20. Jahrhunderts. Als Mitarbeiter der Fabbrica di S. Pietro, der Bauhütte des Petersdomes, 1939 das Grab für den gerade verstorbenen Papst Pius XI. in den vatikanischen Grotten anlegen wollten, stießen sie auf einen Hohlraum unter der Grabfläche. Er erwies sich als Grabkammer aus der Römerzeit, Teil einer ganzen Nekropole, einer antiken Totenstadt, die sich dort einst entlang der Ausfallstraße, der Via Aurelia, erstreckte. Erst als Kaiser Konstantin der Große über dem Grab des Apostelfürsten die Petrus-Basilika errichten ließ, wurde sie überbaut. Fasziniert von dem Fund gab Papst Pius XII. die Anweisung, diese Anreihung antiker Grabhäuser auf Hinweise auf das historische Petrusgrab zu untersuchen. Die Grabungen waren streng geheim, fanden stets erst nach Schließung des Petersdomes statt. Während in Europa der Zweite Weltkrieg tobte, während Rom neun Monate lang von den Nazis besetzt wurde, legten die Arbeiter des Papstes unter Leitung vatikanischer Archäologen ein Grabhaus nach dem anderen frei. Während man zunächst auf heidnische Gräber stieß, häuften sich Hinweise auf christliche Verstorbene, je mehr man sich unterirdisch in Richtung des Papstaltares bewegte. Schließlich stießen die Archäologen auf einen Grabhof und eine Kultnische genau in dem Bereich, den Konstantin von Marmor umgeben und als Petrusgrab verehren ließ. Unter dem Hof befanden sich mehrere Erdgräber aus dem 1. und 2. Jahrhundert. Auf der gegenüberliegenden Seite begrenzte ihn eine Mauer, die über und über mit Graffiti bedeckt war, Anrufungen Christi, aber auch des Apostels Petrus. In ihrem Innern befand sich ein Hohlraum, mit Marmorplatten verkleidet. Ein Inschriftenfragment enthüllte: „Petros eni“: Petrus ist hier! Dass die Arbeiter in der Nische auch Gebeine fanden und diese sorgfältig in einer Holzkiste verwahrten, wurde erst nach den Kriegswirren bekannt, als die Epigraphik-Expertin Dr. Magherita Guarducci sich der Funde annahm. Eine Untersuchung der 135 Knochenfragmente ergab: Sie stammten von einem Mann aus dem 1. Jahrhundert, von robustem Körperbau, der 60 bis 70 Jahre alt geworden war. Man hatte sie einem Erdgrab entnommen und in golddurchwirkten Purpurstoff gehüllt, was von höchster Verehrung zeugte. Von allen Skelettteilen waren Fragmente vorhanden, mit einer Ausnahme: Die Füße fehlten. Das entspricht der Überlieferung, dass Petrus kopfüber gekreuzigt wurde; die brutalen römischen Soldaten werden ihn wenig zimperlich mit einem Schwerhieb von den Nägeln gelöst haben. Die Ergebnisse dieser Untersuchung überzeugten Papst Paul VI. so sehr, dass er die Auffindung der Petrus-Reliquien am 26. Juni 1968 offiziell bekanntgab. Seitdem ruhen die Apostelgebeine in 19 durchsichtigen Plexiglasbehältern wieder in der Nische der Graffitimauer, genau dort, wo vor dem Petrusgrab das Ewige Licht hängt. Auf Führungen durch die „Scavi“, die vatikanischen Ausgrabungen, sehen Pilger aus der ganzen Welt sie. Nur die neun Fragmente, die Papst Paul VI. sich für seine Privatkapelle herausgesucht hatte und für die er eigens einen bronzenen Reliquienschrein anfertigen ließ, blieben ihnen verborgen. Nur ein einziges Mal, am 24. November 2013, zum Abschluss des „Jahres des Glaubens“, wurde das geöffnete Reliquiar den Gläubigen auf dem Petersplatz zur Verehrung präsentiert. Es war zugleich das letzte Mal für die römische Christenheit.

Erzbischof Hiob von Telmessos war wie von Donner gerührt, als der Papst ihm den bronzenen Schrein in die Hände legte. „Keiner von uns hat ein so außergewöhnliches Ereignis erwartet“, erklärte er später. „Die Reliquien des heiligen Apostels Petrus wurden immer in Rom verehrt und zogen dort die Pilger an. Die Orthodoxe Kirche hat sie nie erbeten, denn sie gehörten nie der Kirche von Konstantinopel. Dieses Mal geht es nicht darum, Reliquien an den ursprünglichen Ort ihrer Verehrung zu überführen. Dieses Mal wurden uns die Reliquien als Geschenk überreicht. Diese prophetische Geste ist ein weiterer großer Schritt auf dem Pfad zur konkreten Einheit“.
Sofort informierte er seinen Patriarchen über das ebenso unerwartete wie überwältigende Geschenk. Bartholomäus „drückte seine immense Freude aus“, hieß es später auf seiner offiziellen Internetpräsenz. Die Überführung der Reliquien wurde von Msgr. Andrea Palmieri vom Päpstlichen Rat für die Einheit der Christen begleitet, der den bei der Übergabe anwesenden Kardinal Kurt Koch vertrat. Als der Patriarch von Konstantinopel sie am 30. Juni unter Tränen entgegennahm, präsentierte er sie zunächst seinen Gläubigen in der Apostelkirche von Feriköy bei Sisli in Konstantinopel/Istanbul, wo er erstmals vor ihnen die Göttliche Liturgie der orthodoxen Kirche feierte. Zukünftig soll das Reliquiar im Sitz des Ökumenischen Patriarchen, dem Nachfolger des Apostels Andreas, verwahrt werden.

Michael Hesemann, Historiker und Autor, gilt als Experte für christliche Reliquien. Die Geschichte der Entdeckung des Petrusgrabes schilderte er 2003 in seinem Buch „Der erste Papst“ (Pattloch-Verlag München) und 2013 auf kath.net.

Papst Franziskus hält die neun Reliquien des heiligen Apostels Petrus im Reliquiar Pauls VI. 2013 auf dem Petersplatz Beim Abschluss des Jahres des Glaubens




Foto oben: Das Reliquiar nach der Übergabe durch Papst Franziskus in den Händen von Erzbischof Hiob, dem Vertreter des Ökumenischen Patriarchen Bartholomäus I.


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