09 Juli 2019, 08:50
Niger: „Sie haben Gewehre, aber wir haben Jesus“
 
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Christen pflegen trotz islamistischer Bedrohung den Dialog

München-Wien (kath.net/KIN) „Weniger als ein Prozent der Einwohner in meinem Bistum sind Christen“, berichtet Bischof Ambroise Ouédraogo im Gespräch mit dem weltweiten päpstlichen Hilfswerk „Kirche in Not“. Der 70-jährige Geistliche ist der erste Bischof des Bistums Maradi, einer der beiden Diözesen im westafrikanischen Binnenstaat Niger.

Die rund 5 000 Katholiken seiner Diözese hätten jahrelang weitgehend in Sicherheit mit der mehrheitlich muslimischen Bevölkerung zusammengelebt, so der Bischof. „Das änderte sich im Jahr 2015, als die islamkritischen Karikaturen der französischen Satirezeitschrift Charlie Hebdo eine Welle der Gewalt auslösten.“

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Bei zahlreichen Ausschreitungen im gesamten Land wurden binnen weniger Stunden mindestens zehn Christen getötet und über 70 Kirchen und andere christliche Einrichtungen zerstört. Rund 80 Prozent der christlichen Gotteshäuser des Landes waren betroffen.

Islamistische Attacken halten an

„Die Menschen haben nach wie vor große Angst vor Islamisten“, berichtet Ouédraogo. „Immer wieder kommt es zu Übergriffen auf Christen.“ Erst vor zwei Wochen wurde auf dem Gebiet seiner Diözese die protestantische Kirche in Maradi von Extremisten in Brand gesetzt, die damit gegen die Verhaftung eines Imams protestierten. Er war festgenommen worden, weil er sich in seinen Predigten gegen einen Gesetzesentwurf ausgesprochen hatte, der eine stärkere Kontrolle der Finanzquellen beim Bau und Betrieb privater Kultstätten vorsieht. Trotz der Demonstrationen wurde das Gesetz vom Parlament verabschiedet.

Acht Kilometer vom jüngsten Anschlagsort Maradi entfernt lebt Schwester Marie Catherine Kingbo mit ihrer Gemeinschaft der „Dienerinnen Christi“. Im Gespräch mit „Kirche in Not“ erzählt sie: „Wir haben mit Angriffen gerechnet – aber wir dachten nicht, dass ein Gesetzesentwurf sie auslösen würde.“ Sie ist vor 15 Jahren in den Niger gekommen. Damals gab es fast keine interreligiösen Spannungen, sagt sie. Das habe ich sich grundlegend geändert. „Jetzt höre ich sogar Muslime sagen, dass es zu viele radikale Moscheen und Koranschulen gibt“, sagt Catherine. Ihre Gemeinde und die Schülerinnen, die sie unterrichtet, stehen aus Angst vor islamistischen Attacken unter permanentem Polizeischutz. „Das Böse, das in Libyen, Syrien und anderen Ländern Nordafrikas und des Nahen Ostens entfesselt wurde, breitet sich auch hier wie Brennstoff aus“, beklagt sie.

Kirchliche Arbeit kommt auch Muslimen zugute

Aber nicht nur das Böse breite sich aus, sondern auch das Gute, ist Schwester Catherine überzeugt. Ihre Ordensgemeinschaft stelle viele Aktionen auf die Beine, die der nigrischen Gesellschaft zugutekommen. Die Schwestern unterstützen unter anderem notleidende Frauen. Jedes Jahr organisieren sie eine Begegnung von Christen und Muslimen. 2006 nahmen an der ersten dieser interreligiösen Konferenzen 28 Personen teil; 2018 waren es 350. Die Beziehungen zu den örtlichen Imamen und den Nachbarn seien gut, so Schwester Catherine. Deshalb kommt es für sie nicht infrage, ihre Arbeit aus Angst vor Extremismus einzuschränken: „Wir werden nicht gehen. Sie haben Gewehre, aber wir haben Jesus!“

So denkt auch Bischof Ouédraogo. Auch für ihn stand die Zusammenarbeit und der Dialog mit den Muslimen niemals infrage. „Viele Muslime finden die aktuelle Situation zutiefst beschämend und zeigen sich solidarisch mit den Christen“, betonte der Bischof. „Über 95 Prozent der Schüler an den katholischen Schulen sind Muslime Auch die Caritas hat Projekte in Regionen, in denen fast ausschließlich Muslime leben. Wir machen keinen Unterschied. So wird es auch bleiben.“

Weitere Informationen zur Lage religiöser Minderheiten im Niger liefert der Bericht „Religionsfreiheit weltweit“ von „Kirche in Not“: https://religious-freedom-report.org/de/pdf_de/?pais=1789

Um den bedrängten Christen im Niger weiterhin beistehen zu können, bittet „Kirche in Not“ um Spenden:

Kirche in Not Deutschland

Kirche in Not Österreich

Kirche in Not Schweiz

Foto: Ambroise Ouédraogo, Bischof von Maradi im Niger © Kirche in Not



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