15 Juli 2019, 13:00
Der Mittelpunkt der Geschichte
 
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Benedikt XVI. – Licht des Glaubens: in Jesus hat Gott alles gesagt und gegeben, doch da er ein unerschöpflicher Schatz ist, hört der Heilige Geist nie auf, sein Geheimnis zu offenbaren und aktuell zu machen. Von Armin Schwibach

Rom (kath.net/as) 15. Juli – Festtag des heiligen Kirchenlehrers Bonaventura von Bagnoregio. Der Franziskaner Bonaventura – ein zentraler Teil des theologischen Denkens Joseph Ratzingers und Papst Benedikts XVI. Bonaventura, so Benedikt XVI. in seiner Katechese bei der Generalaudienz am 17. März 2010 (der dritten und letzen Katechese, die sich mit dem Heiligen auseinandersetzte), habe gemeinsam mit seinem Zeitgenossen, dem Dominikaner Thomas von Aquin, wesentlich zur Blüte der Theologie im Mittelalter beigetragen. „Hier auf dem Petersplatz“, so der Papst, „ stehen ihre Statuen am vorderen Ende der Kolonnaden einander gegenüber. In ihrer Theologie ergänzen sie sich durch verschiedene Akzente“.

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Bei Thomas von Aquin könnten wir von einem Primat des Erkennens sprechen: „es geht ihm vor allem um die Erkenntnis Gottes, die natürlich auch praktische Konsequenzen in einem guten Leben hat. Die höchste Erfüllung ist schließlich die Schau Gottes“.

Bonaventura „nähert sich Gott eher aus der Perspektive der Liebe, die für ihn jede wahre Theologie prägen muss. Wer hingegen mit Stolz an die Frage nach Gott herangeht und sein eigenes Nachdenken über die Heilige Schrift stellt, tut dem Wort Gottes Gewalt an. Bonaventura richtet sich nicht gegen die geordnete rationale Reflexion, aber in treuer Nachahmung seines Ordensgründers Franziskus war er sein ganzes Leben von tiefer Liebe zu Christus erfüllt, den er darum immer besser kennenlernen wollte. Inspiriert von der Lehre des griechischen Kirchenschriftstellers Pseudo-Dionysius, betete er darum, wie die Seraphine gleichsam Feuer und Flamme für Gott zu sein, und strebte nach der Liebe, die letztlich alles Erkennen übersteigt und uns mit Gott vereint“.

Auch beim Gebet des Angelus am 15. Juli 2012 ging Benedikt XVI. auf seinen großen Lehrer ein und hob dabei ein zentrales Element der Geschichtstheologie Bonaventuras hervor: „die ganze Geschichte hat als Mittelpunkt Christus, der jedem Zeitalter auch Neuheit und Erneuerung gewährleistet“.


Benedikt XVI. im Innenhof des Päpstlichen Palastes von Castel Gandolfo vor dem Gebet des Angelus am 15. Juli 2012:

Liebe Brüder und Schwestern!

[...]

Der heutige 15. Juli ist im liturgischen Kalender der Gedenktag des hl. Bonaventura von Bagnoregio, Franziskaner, Kirchenlehrer, Nachfolger des hl. Franz von Assisi in der Leitung des Ordens der Minderbrüder. Er schrieb die erste offizielle Biographie des »Poverello«, und am Ende seines Lebens war er auch Bischof dieses Bistums Albano. In einem seiner Briefe schreibt Bonaventura: »Ich gestehe vor Gott, daß der Grund, der mich das Leben des seligen Franziskus vor jedem anderen lieben ließ, darin besteht, daß es den Anfängen und dem Werden der Kirche ähnlich ist« (Epistula de tribus quaestionibus ad magistrum innominatum, in: Opere di San Bonaventura, Introduzione generale, Rom 1990, S. 29).

Diese Worte verweisen uns direkt auf das heutige Sonntagsevangelium, das uns die erste Aussendung der zwölf Apostel durch Jesus vorlegt. »Jesus rief die Zwölf zu sich«, berichtet der hl. Markus, »und sandte sie aus, jeweils zwei zusammen. … Und er gebot ihnen, außer einem Wanderstab nichts auf den Weg mitzunehmen, kein Brot, keine Vorratstasche, kein Geld im Gürtel, kein zweites Hemd und an den Füßen nur Sandalen« (Mk 6,7–9). Nach seiner Bekehrung setzte Franz von Assisi dieses Evangelium wörtlich in die Praxis um und wurde ein treuer Zeuge Jesu; und da er sich in besonderer Weise mit dem Geheimnis des Kreuzes verband, wurde er in einen »anderen Christus« verwandelt, wie ihn gerade der hl. Bonaventura darstellt.

Das ganze Leben des hl. Bonaventura wie auch seine Theologie haben als inspirierenden Mittelpunkt Jesus Christus. Diese Zentralität Christi finden wir auch in der zweiten Lesung der heutigen heiligen Messe (Eph 1,3–14), dem berühmten Hymnus aus dem Brief des hl. Paulus an die Epheser, der so beginnt: »Gepriesen sei Gott, der Gott und Vater unseres Herrn Jesus Christus: Er hat uns mit allem Segen seines Geistes gesegnet durch unsere Gemeinschaft mit Christus im Himmel.«

Der Apostel zeigt also, wie dieser Plan des Segens in vier Schritten verwirklicht wurde, die alle mit demselben Wort »in ihm« beginnen, das sich auf Christus bezieht. »In ihm« hat uns der Vater erwählt vor der Erschaffung der Welt; »in ihm« haben wir die Erlösung durch sein Blut; »in ihm« sind wir als Erben eingesetzt, vorherbestimmt »zum Lob seiner Herrlichkeit«; »in ihm« empfangen alle, die an das Evangelium glauben, das Siegel des Heiligen Geistes.

Dieser paulinische Hymnus enthält die Sicht der Geschichte, zu deren Verbreitung in der Kirche der hl. Bonaventura beigetragen hat: die ganze Geschichte hat als Mittelpunkt Christus, der jedem Zeitalter auch Neuheit und Erneuerung gewährleistet. In Jesus hat Gott alles gesagt und gegeben, doch da er ein unerschöpflicher Schatz ist, hört der Heilige Geist nie auf, sein Geheimnis zu offenbaren und aktuell zu machen. Daher bewegt sich das Werk Christi und der Kirche nie rückwärts, sondern es schreitet stets voran.

Liebe Freunde, bitten wir die allerseligste Jungfrau Maria, die wir morgen als Unsere Liebe Frau auf dem Berge Karmel feiern werden, daß sie uns helfe, wie der hl. Franziskus und der hl. Bonaventura großherzig auf den Ruf des Herrn zu antworten, um sein Evangelium des Heils mit Worten und vor allem mit dem Leben zu verkündigen.

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