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Herr, lehre uns beten!

10. August 2019 in Spirituelles, 1 Lesermeinung
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Durch Beten lernt man zu beten - Von P. Ernst Strachwitz / VISION 2000


Wien (kath.net/VISION2000)
Herr, lehre uns beten, so bittet der Jünger Jesu, nachdem Jesus das Gebet beendet hatte. Es ist interessant, dass der hl. Lukas das ausdrücklich erwähnt: „nachdem Jesus das Gebet beendet hatte“. Es scheint, dass der Jünger nicht gewagt hat, Jesus im Gebet zu unterbrechen.

Wenn also Jesus betet, leuchtet gewissermaßen seine göttliche Natur auf, und die Apostel verweilen dabei in tiefer Ehrfurcht und im Staunen über das, was sie da erfahren dürfen. Möglicherweise waren es wirklich die tiefsten Erfahrungen der Jünger mit Jesus, Ihn im Gebet zu erleben, sodass sie nicht gewagt haben, Ihn zu unterbrechen und in ihnen der Wunsch aufkam, so beten zu können wie Jesus.

Der Wunsch, zu beten, ist bereits eine Gnade. Und wer diesen Wunsch verspürt, der stellt sich auch die Frage, wie man beten soll. Es ist interessant, dass Maria in Medjugorje ihre Gebetsschule nicht damit beginnt, zu sagen, wie wir beten sollen. Sie sagt einfach: betet, betet, betet. Beten lernt man vor allem durch das Beten: Betet, betet, betet. Und Jesus antwortet dem Jünger: Wenn Ihr betet, so sprecht: „Vater, dein Name werde geheiligt . . .“ Es geht also zu allererst darum, dass wir beten.


Der heilige Paulus sagt uns, dass wir gar nicht wissen, worum wir in rechter Weise beten sollen, der Heilige Geist tritt für uns ein. Hier, denke ich, kommen wir zum Eigentlichen des Gebetes: Wenn der Heilige Geist für uns betet, dann geht es für uns darum zuzulassen, dass Er überhaupt für uns beten kann. Dann ist unser Gebet aber nicht in erster Linie ein Tun unsererseits, sondern das Bewusstsein, dass Gott selbst mit uns und für uns handelt. Dann bräuchten wir ja eigentlich gar nichts mehr tun, sondern nur mehr zulassen, dass Gott mit uns etwas tut, uns etwas sagt. Und im Grunde ist all unser Tun und Sagen im Gebet, was ja auch nötig ist, dazu da, uns zu diesem Bewusstsein der Gegenwart Gottes zu helfen.
Ich denke, genau das meint die Muttergottes in Medjugorje, wenn sie uns in ihrer Gebetsschule, die viele Etappen umfasst (Betet – Betet die 7 Vater, Ave, Ehre mit dem Glaubensbekenntnis zu Beginn – Betet den Rosenkranz – Betet jeden Tag den ganzen Psalter) am Ende sagt: „Betet mit dem Herzen“.

Mit dem Herzen beten bedeutet, nicht gefühlsmäßig beten, sondern dass wir das, was wir im Gebet sagen, auch meinen, dass wir das, was ein Gebet ausdrückt, uns bewusst schenken lassen, annehmen, empfangen, dem zustimmen. Dann wird unser Beten sehr konkret, ohne zu viele, überflüssige Worte. Einfach mit den Worten beten, mit denen die Kirche betet.

Im Matthäusevangelium sagt uns Jesus ja: „Wenn ihr betet, sollt ihr nicht plappern wie die Heiden, die meinen, sie werden nur erhört, wenn sie viele Worte machen“ (Mt 6,7). Auch hier heißt es „Wenn ihr betet“. Auch hier geht Jesus also davon aus, dass wir beten und unter dieser Voraussetzung sagt er uns, wie wir beten sollen. Durch eine solche regelmäßige, bewusste Gebetspraxis kann unser Gebet auf diese Weise immer persönlicher, immer konkreter, immer mehr „mit dem Herzen“ werden.

Eine solche Gebetspraxis setzt aber voraus, dass ich bereit bin, einzutreten in dieses Hineinhorchen. Und damit das möglich wird, muss ich mich für die Stille entscheiden. Um Beten zu lernen, werde ich mich entscheiden, mir Zeit in der Stille zu nehmen, und einzutreten in diese Gegenwart.
Wenn Jesus betet, zieht Er sich in die Stille zurück. Damit unser ganzes Leben zum Gebet wird, ist es notwendig, dass auch wir immer wieder Zeiten des Gebetes, des Horchens auf Gott, in unseren Tagesablauf einbauen. Das heißt mit anderen Worten Zeiten der Stille. Der Gründer der Foyers de Charité, P. Georges Finet, hat in seinen Unterweisungen immer betont, dass um in den Zustand des Gebetes kommen zu können, es Akte des Gebetes braucht, also wieder: Betet, betet, betet !

Unsere Zeit ist geprägt von einem großen geradezu übermenschlichen Tempo, das uns ganz fertig machen kann. Deshalb haben so viele Menschen große Mühe mit der Stille und dem Schweigen. Ich glaube, dass viele nicht zu unseren Exerzitien im Foyer de Charité kommen, weil sie das Schweigen fürchten oder sich nicht zutrauen. Diejenigen aber, die kommen, sagen hinterher sehr oft, dass das Schweigen, die Stille, das Schönste war.

Wie gesagt, beten lernt man nicht durch Vorträge oder Artikel, sondern indem man anfängt zu beten:
Bete, bete, bete!

Der Autor ist Père im Foyer de Charité im Haus am Sonntagberg und leitet an diesem herrlichen Ort sehr fruchtbare und empfehlenswerte Schweige-Exerzitien


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