30 Juli 2019, 12:45
Das Erbe Johannes Pauls II. abschütteln: Fünf weitere Entlassungen
 
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Am „Päpstlichen Theologischen Institut Johannes Paul II. für Ehe- und Familienwissenschaften“ in Rom gibt es aktuell fünf weitere Entlassungen, welche die Verbindung zum Erbe Johannes Pauls II. immer mehr kappen

Vatikan (kath.net/NBQ) Nach den beiden moraltheologischen Lehrstuhlinhabern Msgr. Livio Melina und P. José Noriega wurden am Johannes Paul II.-Institut für Ehe und Familie in Rom nun fünf weitere Professoren entlassen. Das meldet die italienische Onlinezeitung La Nuova Bussola Quotidiana. Die von Johannes Paul II. 1981 gegründete universitäre Einrichtung - die größte und wichtigste der Kirche zum Thema Ehe und Familie - war im September 2017 von Papst Franziskus offiziell aufgelöst und unter ähnlichem Namen neu gegründet worden, kath.net hat berichtet.

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Auch die jüngst gemeldeten „Säuberungen“ aus der Feder des neu eingesetzten Großkanzlers Bischof Vincenzo Paglia treffen das Institut in seinem Kern und in seiner Verbindung zu Johannes Paul II. Gekündigt wurden der emeritierte polnische Philosophieprofessor Stanislaw Grygiel, Leiter des Forschungslehrstuhls Karol Woytila, ein Mann der ersten Stunde, einer der Gründerväter des Instituts und Schüler sowie guter Freund von Johannes Paul II.; weiters dessen Tochter, Monika Grygiel, eine Psychiaterin, sowie P. Przemislaw Kwiatkowski, Spezialist für Theologie und Spiritualität des polnischen Papstes; des Weiteren Sr. Vittorina Marini, eine Dogmatikerin mit Forschungsschwerpunkt Christologie und Mariologie sowie die Ärztin und Bioethikerin Maria Luisa Di Pietro. Sie war zuvor bereits aus der "Päpstlichen Akademie für das Leben" entfernt worden, deren Großkanzler ebenfalls seit 2016 Msgr. Paglia ist.

Diese Entlassungen sind ein weiterer Beweis, dass das neu gegründete „Theologische Institut Johannes Paul II für Ehe- und Familienwissenschaften“ seine Verbindung zu Johannes Paul II. und dessen akademisches Erbe abschütteln will. Dazu passt die noch inoffizielle Ankündigung, dass ein neuer Moraltheologe aufgenommen werden soll, Maurizio Chiodi, der sich öffentlich als Befürworter einer Neuinterpretation der Enzyklika Humanae Vitae und der gesamten katholischen Sexualmoral hervorgetan hat, wonach in bestimmten Situationen Empfängnisverhütung sogar ein Gebot der Verantwortung und homosexuelle Akte gut seien, wie die Nuova Bussola Quotidiana berichtet.

Der emeritierte Mailänder Kardinal Angelo Scola, der seit der Gründung des Instituts dort Professor und von 1995 bis 2002 dessen Vorstand war, kritisierte in der italienischen Tageszeitung Il Foglio heftig die Vorgänge und sprach von "Säuberungen".

„Anstatt mit dieser heuchlerischen Vorführung fortzufahren, wäre es nun viel ehrlicher, Johannes Paul II. auch aus dem Namen des Instituts zu streichen, und es stattdessen nach Amoris Laetitia zu benennen, dem Apostolischen Schreiben, das inzwischen für viele Bischöfe die Stelle des Evangeliums eingenommen hat“, schließt Riccardo Cascioli seinen Beitrag.

Vor einigen Tagen, nach Approbierung der neuen Statuten, hatten alle am Institut beschäftigten Lehrenden einen Brief erhalten, dass sie suspendiert seien und in einigen Tagen über ihr weiteres Schicksal Bescheid erhalten würden. Viele Lehrende des Instituts warten aktuell noch auf diesen Brief. Diese derzeitige Situation ist für die allermeisten Beteiligten sehr schmerzvoll, wie kath.net aus Institutskreisen erfahren konnte.

Inzwischen nimmt eine Presseaussendung des Instituts auf dessen Website zu den Vorgängen Stellung: Melinas Lehrstuhl Fundamentalmoral sei nicht mehr vorgesehen, weil er zum theologischen Grundstudium, nicht zur am Institut gebotenen Spezialisierung gehöre. Hier stellt sich die Frage, warum es dann nach wie vor einen Lehrstuhl für Theologische Anthropologie und sogar einen neu errichteten für Fundamentaltheologie (ebenfalls Fächer des Grundstudiums) gibt.
P. Noriegas Amt als Ordensoberer sei kirchenrechtlich nicht mit einer Professur vereinbar (lt. CIC can. 152). Die übrigen Professoren seien gekündigt worden, weil es jetzt weniger Wahlfächer und Seminare als zuvor gebe, sie würden aber möglicherweise in Zukunft wieder aufgenommen.

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