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Die mit Tränen säen, werden mit Jubel ernten

28. August 2019 in Jugend, 1 Lesermeinung
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Die Jugendkolumne von kath.net - Diese Woche ein Beitrag von Dubravka Križić


Linz (kath.net)
Den August verbringe ich jedes Jahr in der Herzegowina, auf dem Land, wo das Leben und die Menschen ganz anderen Zeiten und Rhythmen folgen, als es der Stadtmensch gewohnt ist. Diese heißeste Zeit des Jahres wandelt Trägheit ganz leicht in Gewohnheit um, und doch bringen die Berge kühle Abendluft, die den Geist erwecken lässt. Es ist eine Zeit des Zusichkommens und Krafttankens bevor die Hektik des Alltaglebens einen wieder einnimmt. Es ist auch eine Zeit des Pilgerns und der Marienverehrung. All das hängt wohl miteinander zusammen: die Ruhe, das Pilgern, Maria. (Nur die Trägheit nicht, die ist lediglich dem Wetter zuzuschreiben.) Die Tage vor Mariä Himmelfahrt machen sich Menschen auf nach Međugorje oder Sinj oder andere kleinere Orte, die diesen Tag besonders feiern. Oft laufen sie barfuß, die Nacht hindurch oder tagelang. Das Pilgern bringt eine wahre innere Ruhe. Es ist bemerkenswert und doch unbegreiflich, dass der Mensch gerade durch Mühe und Leid, Ruhe finden kann.

Wenn ich die weiten Felder in unserem Dorf betrachte kommen mir die Verse aus dem Psalm 126 in den Sinn:

„Wende doch, Herr, unser Geschick, wie du versiegte Bächer wieder füllst im Südland.
Die mit Tränen säen, werden mit Jubel ernten.


Sie gehen hin unter Tränen und tragen den Samen zur Aussaat.
Sie kommen wieder mit Jubel und bringen ihre Garben ein.“

Diese weiten Felder versunken in goldenem Licht verdeutlichen eine innere Ruhe und doch gleichzeitig eine Unruhe, die unser irdisches Leben prägt. Die Saat zu säen ist schwer. Mühsal und Leid steckt in dieser Arbeit. Es steckt nicht nur in der körperlichen Anstrengung, sondern auch in der ständigen Ungewissheit, ob die Saat denn aufgehen wird. Wird unsere Mühe Frucht tragen? Hat dieses Leid einen Sinn? Das ist wohl die Qual jedes einzelnen irdischen Lebens. Es durchzieht unser Herz und bricht es beinah. Jedoch nur beinahe, denn werden diese Tränen nicht ohne Hoffnung getragen. Wären wir hoffnungslos, würden wir denn die Mühe aufbringen, eine reiche Ernte überhaupt möglich zu machen? Um Frucht tragen zu können, müssen wir doch erst einmal die Saat streuen.
Das Bild des Menschen, der all seine Kräfte zusammennimmt und mit Tränen seine letzten Samen zur Aussaat trägt, ist eine wohl angemessene Darstellung des irdischen Lebens. Das Leid ist uns wirklich ins Sein geschrieben. Wie der Hilferuf eines Kindes klingt hier das Lied Schuberts:

„Wohin soll ich mich wenden, 
wenn Gram und Schmerz mich drücken?
Wem künd ich mein Entzücken, 
wenn freudig pocht mein Herz?“

Wer weiß schon von deinem Leiden? Wer kennt den Schmerz und die Freude, die dein Herz durchdringen? Diese Fragen schneiden uns mitten in die Seele, denn sie verdeutlichen wie einsam der Mensch ist; wir gehören nicht wirklich in diese Welt. Wir stammen nicht von ihr.

Es sind Worte die aus einer tiefen Verlassenheit und Einsamkeit kommen. Wohin soll ich gehen und wem in die Arme? Das Pilgern ist eine direkte Antwort auf beide dieser Fragen. Das Ziel ist zugleich die lang ersehnte Umarmung – das Wohl, das unserem Wesen zusteht. Vielleicht ohne sich selbst dessen wirklich bewusst zu sein, geben gerade diese Tränen unserer Qual und Mühe einen neuen und tieferen Sinn. Denn wie uns das Leid ins Sein geschrieben ist, so ist es auch die Freude. Christus hat die Geschichte des Menschen umgeschrieben: aus dem Leid heraus, durch den Schmerz hindurch lässt Er das Werk unserer Hände gedeihen. Unsere Aussaat wird Frucht bringen und mit Jubel erwartet unser Sein die tiefen Quellen Seiner reichen Ernte.

Wie war die Welt bloß bevor Christus unter uns gewohnt hat und uns aus ihr erwählt hat? Wie haben wir gelebt, gearbeitet und vermocht zu denken, bevor Er in uns alles neu gemacht hat?

Die Wahrheit ist in sich ganz einfach gestrickt: sie öffnet Wunden um sie zu heilen, sie setzt Grenzen um uns zu befreien. Die Frage wohin und zu wem hat letztendlich nur diese eine Wahrheit:

„Zu Dir, zu Dir, o Vater, 
komm ich in Freud und Leiden;
du sendest ja die Freuden, 
Du heilest jeden Schmerz.“


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