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Die Kirchensteuer muss weg!

12. August 2019 in Kommentar, 112 Lesermeinungen
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Menschen gehen, Kohle bleibt. Alles wird gut. So denken Mietlinge - Der Montagskick von Peter Winnemöller


Bonn (kath.net)
Zweihundertundsechzehnmillionen - diese Zahl muss man sich auf der Zunge zergehen lassen. Das ist der Mehrertrag an Kirchensteuer im Jahr 2018 im Vergleich zum Jahr 2017. Das Jahr 2018 sah einen Rekord an Kirchenaustritten. Der Hauptgrund für den Kirchenaustritt sei - neben dem Missbrauchsskandal - die Kirchensteuer, wird man nicht müde, dies zu betonen. Das ist natürlich Blödsinn!

Wenn es eines Beweises bedürfte, wäre er hiermit erbracht. Es treten diejenigen aus der Kirche aus, die keine Kirchensteuer zahlen. Nur bei einer Gruppe hat die Kirchensteuer tatsächlich Bedeutung: Berufseinsteiger, die um die Jahrtausendwende geboren sind. Die jungen Menschen haben in dritter Generation keinerlei kirchliche Sozialisation erfahren. Somit haben sie nicht einmal eine emotionale Bindung an die Kirche. Sobald sie zahlen sollen, gehen sie.

Der Ertragsrekord der Kirchensteuer wurde in diesem Jahr nicht wie in den Vorjahren gleichzeitig mit dem sonstigen Zahlenwerk der Kirche kommuniziert. Es blieb dem Sekretär der DBK in diesem Jahr erspart, die beiden widersprüchlichen Rekorde (Kirchenaustritt und Kirchensteuer) zu kommentieren. Ein Schelm wer arges dabei denkt. Manch ein Bischof lehnt sich zurück. Menschen gehen, Kohle bleibt. Alles wird gut. So denken Mietlinge.


Die absolute Sinnlosigkeit der Kirchensteuer wird nur bei denen nicht gesehen, die von dem Geldsegen profitieren. In den Gemeinden, wo die Steuer erbracht wird, kommt davon nichts an. Hier wird den Menschen eine Sparrunde nach der nächsten verordnet. Lohn- und Stellenkürzungen für Küster, Hausmeister u.a. sind an der Tagesordnung. Auch die Priester, die zu Recht unter immer größerer Arbeitsbelastung klagen, bekommen nicht mehr Geld. Sie bekommen weniger, denn die pastoralen Reformen sorgen dafür, dass nur wenige Priester auf die gut besoldeten Pfarrerstellen kommen. Zwar müssen auch die anderen nicht darben, doch sie werden in immer größerer Zahl als Hilfspriester mit deutlich schlechteren Gehältern abgespeist.

Statt in Mission zu investieren, schafft man Stellen in den Ordinariaten. Die Verwaltungen wachsen nach wie vor. Ein synodaler Prozess ist auch nicht umsonst zu bekommen. Ist die Aufwendung der Steuer für die Gläubigen schon ein Ärgernis, so ist es die Verwendung umso mehr. Er wird geradezu unerträglich, wenn man sich vor Augen führt, was man mit der Kirchensteuer in Verbänden und Funktionärskreisen unterstützt. Hier sei beispielhaft an die blasphemische Aktion „Maria2.0“ erinnert. Die berechtigte Forderung nach Abschaffung dieser unsinnigen Weise der Kirchenfinanzierung wird immer virulenter.

Welchen Sinn haben diese Milliardensummen, wenn der Glaube weiter schwindet, wenn Katechese nur noch eine Lachnummer ist, wenn der sonntägliche Messbesuch ins Bodenlose stürzt? Die Verhältnisse stimmen nicht. Die finanziellen Verhältnisse passen nicht zur Wirklichkeit der Kirche in Deutschland. Strukturen mit Geld am Leben zu erhalten, die nicht mehr mit Leben gefüllt sind, ergibt keinen Sinn.

Ein letzter und durchaus sehr wichtiger Grund, diese Steuer endlich abzuschaffen, ist die faktische Exkommunikation für Zahlungsverweigerer. In deutschen Diözesen bleiben moralische Verfehlungen ebenso wie Häresie und Apostasie folgenlos. Ehebrecher dürfen die Sakramente empfangen, mit Kirchensteuerzahlern verheiratete Protestanten ebenfalls. Wer als gläubiger Katholik nicht zahlt, wird ohne die geringste Aussicht auf Barmherzigkeit oder eine Einzelfalllösung vom bischöflichen Hammer der faktischen Exkommunikation getroffen. Das ist ein Unding, ein unhaltbarer Zustand und angesichts der an Veruntreuung grenzenden Mittelverwendung zudem ein himmelschreiendes Unrecht. Die Kirchensteuer muss weg!


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