26 August 2019, 13:00
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Kurze Überlegungen und Randbemerkungen zu dem, was aus dem ‚Instrumentum laboris’ für die kommende Amazonassynode hervorgeht. Vom Willen, den Katholizismus zu ‚reformieren’. Was wirklich notwendig ist. Ein Argonaut der Westlichen Inseln

Rom (kath.net/as) kath.net setzt die Veröffentlichung des sehr breit angelegten, ausführlichen und präzisen Aufsatz zum problematischen Charakter des „Instrumentum laboris“ (IL) fort. Teil vier: abschließende Anmerkungen, die Ideologien deutlich machen.


Das letzte Problem auf diesem kurzen kritischen Weg ist die angekündigte Anwesenheit einer Delegation von Eingeborenen aus Amazonien bei der Synode. Unnötig zu erwähnen, dass dieser römische Laufsteg für jeden, der nicht nur eine bibliografische, sondern auch eine gelebte Vorstellung von der grausamen Geschichte Amerikas hat, die Wiederbelebung beschämender und archivierter positivistischer pseudowissenschaftlicher Praktiken oder, noch schlimmer, der makabren kolonialen Bräuche des 17.-18. Jahrhunderts an den Höfen von Spanien, Portugal oder England darstellt. Selbst wenn versucht wird, diese störende Grundgegebenheit beiseite zu legen, bleiben einige Zweifel bestehen. Zu welcher indigenen Ethnie und Nationalität werden die Eingeladenen gehören? Auf welcher Grundlage wurden sie unter dem Aufkommen für alle Unkosten ausgewählt? Anhand welcher Agenda? Es ist dies noch nicht bekannt.

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Wenn wir uns der Vorstellung (der Gestalt dieser Synode) hingeben, ist anzunehmen, dass sie die meiste Zeit stumm unter ihren exzentrischen Federhüten bei der Synode anwesend sein werden, während andere, die „Stammesoberhäupter“ der Kirche, sich abwechseln, um an ohrer Stelle ihnen über Öko-Philosophien und Öko-Theologien. Dann, wenn die Oberhäupter der Kirche es für angemessen halten, werden die einheimischen Oberhäupter oder „caciques aufgefordert, sich auszudrücken, vielleicht auf Portugiesisch, vielleicht auf Spanisch, vielleicht in ihrer Muttersprache. Sie werden weder über ihre Absichten einer existentiellen Lage in der heutigen Welt (Selbstbestimmung) sprechen, noch werden sie ihre Positionen der Akzeptanz oder Ablehnung in Bezug auf Katechese oder Seelsorge zum Ausdruck bringen.

Sie werden wahrscheinlich ihre im IL aufgezählten und vorweggenommenen „Empfindungen“ zum Ausdruck bringen. Auf den Punkt gebracht antwortet die Synode dann angesichts der Zukunftsangst der Eingeborenen und ihrer Sorge um die Integrität des von kapitalistischer Profitgier belagerten Regenwaldes mit der dringenden Einrichtung von verheirateten „viri probati“ und „Diakoninnen“. Es ist schwierig, diese Maßnahmen nicht mit etwas völlig Unangemessenen in Verbindung zu bringen, aber das IL befindet sich von Anfang bis zum Schluss außerhalb eines rationalen kritischen Ansatzes. Es ist kein analytisches Instrument, es ist das Manifest einer metapolitischen Ideologie, die von einem Anti-Abendländischen Denken, messianischen Tönen und „integralen“ Impulsen durchdrungen ist – orwellscher Euphemismus für das „Totalitäre“.

Das wahre „Instrumentum laboris“ der Synode werden die Indigenen sein, mehr oder weniger bewusste Akteure in diesem rein römischen Spiel. Ihre Rolle wird am Ende jeder Synodalsitzung enthüllt werden, wenn sie alleine oder in Gruppen auf dem Petersplatz spazieren, gefolgt von Fotografen und Journalisten, verewigt in den Selfies der Touristen, angegafft von den Passanten. Sie werden als Jäger und Sammler in Rom umherziehen, die direkt aus Amazonien gekommen sind, um eine neue kirchliche Ordnung zu propagieren.

Das IL übt Absatz für Absatz ein überhebliches und surreales theologisches Mobbing aus, das die angebliche „integrale Kultur“ der Eingeborenen des Amazonas behauptet und sich der „integralen Kultur“ der europäischen Katholiken widersetzt. Jeder Abschnitt des IL scheint zu zeigen, wie richtig und schön es ist, auf die Cacicchi und Schamanen zu verzichten, ihren Glauben zu leugnen und sich an das Öko-Delirium derer anzupassen, die diesen „Glauben“ nach ihrem Bild und nach seiner dramatische Nicht-Geschichte verkürzen wollen.

Die europäischen Katholiken zu „indigenisieren“ wird nicht einfach sein. Wenn man nach 500 Jahren davon ausgehen kann, dass die Evangelisierung der amerikanischen Ureinwohner im Wesentlichen gescheitert ist, wird es dagegen auch fast unmöglich sein, den europäischen Katholizismus zu sterilisieren. Mit anderen Worten: wenn die lateinamerikanischen Kirchenführer Jahrtausende europäischer katholischer Geschichte, Lehre und Identität für so leicht umkehrbar und „rücksetzbar“ halten, werden ihre Erfindungen ohne Wurzeln und im Nichts wie die Lianen des Regenwaldes schweben.

Es ist sinnlos, das Heilige zu profanieren, um das Profane zu sakralisieren. Es hat keinen Sinn, ein primitives amazonisches Eden zu preisen, das von so vielen imaginären „bon sauvages bewohnt wird, die vom amerikanischen Ethnozentrismus geschaffen wurden. Es ist sinnlos, die Mystik der humanisierten Natur und des Menschen zu erhöhen, die als bloßer Bestandteil eines ökologisch vergeistigten und mystischen Zahnradwerkes herabgewürdigt wird. Das Offensichtliche ist: wenn die sogenannte „westliche Kultur“ in der Krise steckt, dann geht jene der indigenen amerikanischen Völker weit über den Zusammenbruch hinaus, seit Jahrhunderten in einer Art „day after“ befangen, in den Trümmern ihrer eigenen Geschichte und in melancholischen Reminiszenzen ihrer Traditionen festgehalten, oft bedeutungslos, hybridisiert und auf reine Folklore ohne Zeit reduziert.

Die Jahrtausende alte europäische Zivilisation zurückzusetzen, sie zu vergewaltigen und zu bestrafen, indem man sie des Katholizismus beraubt, wird den Indigenen weder zur Selbstbestimmung verhelfen noch die Welt zu einem besseren Ort machen. Aus Erfahrung kann ich sagen, dass ich noch nie einen amerikanischen Indigenen mit einem derart gestalteten Willen angetroffen habe.

Bestimmte politische Bestrebungen gehören eher zu jenen, die in einem ideologischen „Zwischenzuständen“ leben, die weder europäisch noch einheimisch sind und die sich auf räuberische und destruktive Weise gegenüber einer Welt behaupten wollen, die eindeutig nicht zu ihnen gehört, denn nur das, was als fremd empfunden wird, kann ohne Respekt und ohne Skrupel verletzt und geplündert werden. Diese Synode „revolutioniert“ den Katholizismus nicht, sondern lehnt ihn ab. Sie bildet einen dramatischen Beweis, der die lateinamerikanischen Anführer sowie jene „erwischt“, die sie in ihrer historischen Verantwortung unterstützen, und ihren Transformismus entlarvt, ihren Verrat fotografiert.

Was die Eingeborenen betrifft, so wissen sehr viele von „ihnen“ genau, dass die wissenschaftliche Erkenntnis, nicht die Magie, die einzige Rettungsleine für die Wehrlosesten, Dezimierten und vom Aussterben Bedrohten sein wird. Die Landwirtschaft und die nachhaltige Wirtschaft, nicht die traditionellen Praktiken, werden die Kanäle sein, um den Indigenen in ländlichen Gebieten eine Zukunft zu sichern. Die fortschrittliche Medizin, nicht die traditionelle Ethnobotanik (deren historisches Gedächtnis größtenteils verloren gegangen ist), wird in der Lage sein, die endemischen Leiden dieser Bevölkerungsgruppen auszumerzen.

Die Alphabetisierung und die höhere Ausbildung, nicht der Schamane, werden die Ureinwohner von ihrer historischen Unterordnung befreien können, von der Marginalisierung, in die sie durch die „indigenistischen“ Regierungspläne und durch die paternalistische und manipulative Gewalt gefangen waren, mit der die Guerilla, der Missionar, die NGOs, der Journalist oder der diensthabende Anthropologe noch heute vorgeben, für sie zu sprechen, ihnen vorzuschlagen, was sie denken, was sie wünschen und vor allem was sie sein sollen.

Teil 1
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