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Die Vergebung Gottes

15. September 2019 in Aktuelles, 14 Lesermeinungen
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Franziskus: Gott wartet auf den Sünder und kümmert sich um ihn. Jesus freut sich, uns an seinem Tisch begrüßen zu dürfen, an dem er sich für uns anbietet. Von Armin Schwibach


Rom (kath.net/as) Angelus am vierundzwanzigsten Sonntag im Jahreskreis. In seiner Ansprache vor dem traditionellen Mittagsgebet kommentierte Papst Franziskus das Tagesevangelium vom verlorenen Schaf, von der verlorenen Drachme und vom verlorenen Sohn (Lk 15, 1–32).

Das Evangelium beginne mit einigen, die Jesus kritisierten, da sie ihn in Gesellschaft von Zöllnern und Sündern sähen. Jesus nehme die Sünder auf und esse mit ihnen. Das geschehe uns in jeder Messe, in jeder Gemeinde: Jesus freue sich, uns an seinem Tisch begrüßen zu dürfen, an dem er sich für uns anbiete. Es sei dies der Satz, den wir an die Türen unserer Kirchen schreiben könnten: „Hier heißt Jesus die Sünder willkommen und lädt sie an seinen Tisch ein“. Und der Herr, der auf diejenigen reagiere, die ihn kritisiert hätten, zähle drei wundervolle Gleichnisse auf, die seine Vorliebe für diejenigen zeigten, die sich fern von ihm fühlten.

Im ersten sage er: „Wenn einer von euch hundert Schafe hat und eins davon verliert, lässt er dann nicht die neunundneunzig in der Wüste zurück und geht dem verlorenen nach, bis er es findet?“ (V. 4). „Wer von euch?“. Ein „vernünftiger“ Mensch tue dies nicht: er führe zwei Berechnungen durch und opfere das eine, um die neunundneunzig zu behalten. Gott hingegen gebe sich nicht damit sich ab. Ihm gehe es wirklich „um dich, der du die Schönheit seiner Liebe noch nicht kennst. Um dich, der du Jesus noch nicht im Mittelpunkt deines Lebens hast, der du deine Sünde nicht zu überwinden vermagst“.


Im zweiten Gleichnis „bist du diese kleine Münze, bei der sich der Herr nicht abgefunden hat, sie verloren zu haben, und er sucht ohne Unterlass: er möchte dir sagen, dass du in seinen Augen kostbar und einzigartig bist“.

Im dritten Gleichnis sei Gott ein Vater, der auf die Rückkehr des verlorenen Sohnes warte: Gott erwarte uns, er werde nicht müde, er verliere nicht den Mut. Denn jeder von uns sei jener Sohn, der wieder umarmt werden, jene wiedergefundene Münze, jenes Schaf. Er warte jeden Tag darauf, dass wir seine Liebe bemerkten: „Und du sagst: ‚Aber ich habe zu viel angestellt!’ Hab keine Angst: Gott liebt dich und weiß, dass nur seine Liebe dein Leben verändern kann“.

Doch diese unendliche Liebe Gottes für uns Sünder, die das Herz des Evangeliums sei, könne abgelehnt werden. Dies sei es, was der ältere Sohn des Gleichnisses tue, der die Liebe nicht verstehe. Dies sei auch ein Risiko für uns, an einen strengeren als barmherzigen Gott zu glauben, an einen Gott, der das Böse eher mit Macht als mit Vergebung besiege.

Gott aber rette mit Liebe, nicht mit Gewalt. Doch der ältere Sohn, der die Barmherzigkeit seines Vaters nicht akzeptiere, mache einen schlimmeren Fehler: er halte sich für gerecht und beurteile alles auf der Grundlage seiner angenommenen Gerechtigkeit. Also werde er wütend auf seinen Bruder und werfe seinem Vater vor: „Kaum aber ist der hier gekommen, dein Sohn, der dein Vermögen mit Dirnen durchgebracht hat, da hast du für ihn das Mastkalb geschlachtet“ (V. 30). Er nenne ihn nicht „mein Bruder“, sondern „dein Sohn“. Auch wir lägen falsch, wenn wir uns für gerecht hielten, wenn wir glaubten, „dass die Bösen die anderen sind“.

„Wie besiegt man das Böse?“, fragte sich der Papst abschließend. Durch die Annahme der Vergebung Gottes. Es geschehe dies jedes Mal, wenn wir zur Beichte gingen: dort empfingen wir die Liebe des Vaters, der unsere Sünde überwinde. Gott vergesse sie. Gott hebe das Böse auf, er mache uns innerlich neu und lasse so die Freude in uns wachsen.




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Lesermeinungen

 Fatima 1713 17. September 2019 
 

@lakota1

"Wenn zwischen dem Vater und dem älteren Sohn alles klar ist ..."

Wahrscheinlich ist zwischen den beiden wirklich nicht alles klar, aber da der Vater für Gott steht, muss das am Sohn liegen. Jedenfalls ist es so, wie @Montfort schon geschrieben hat: Der Vater geht auch diesem Sohn nach und spricht gütig mit ihm. Vielleicht hat er es sich ja nach dem bisschen Schmollen nochmal überlegt und ist doch noch zum Fest gegangen :-) Das Ende der Geschichte bleibt ja offen.

Noch einen gesegneten Abend!


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 lakota1 17. September 2019 
 

@Fatima 1713

Danke, das wäre eine Möglichkeit. Oft ist es ja so, daß man auch in der Familie nicht wirklich miteinander redet, vielleicht war es auch hier so.


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 Montfort 15. September 2019 

Werter @wedlerg! Ich teile Ihre Beobachtungen fast zur Gänze,

aber nicht: "Der Ältere wurde gemaßregelt..."

Der ältere Sohn wird eben NICHT gemaßregelt (genausowenig der jüngere Sohn, der zuvor reuig umgekehrt ist und nichteinmal mit der Vergebung des Vaters gerechnet hat). Vielmehr wirbt der Vater um sein Verständnis, geht auch ihm entgegen, spricht ihn an mit "mein Kind", lädt ihn ein zur Freude über die Rückkehr des jüngeren Bruders aus Verlorenheit und Tod der Sünde!

Nach Papst Franziskus würde der Vater den jüngeren Sohn bedingungslos wieder aufnehmen, ihm seine Liebe schenken und auf Veränderung hoffen, selbst wenn dieser mit Saufkumpanen und Huren ins Haus zurückkommen würde; und dem älteren Sohn würde er nicht nachgehen, sondern ihn als rigiden "Gesetzestreuen" beschimpfen und am liebsten enterben und aus dem Haus werfen, ihn zumindest mit Schweigen bestrafen und jeglichen Dialog verweigern, bis dieser es für gut fände, dass das Vaterhaus zu einer vom jüngeren Bruder okkupierten Rauberhöhle geworden ist.

So sieht unsere Kirche nun aus.


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 Fatima 1713 15. September 2019 
 

Kleine Korrektur

Mit dem "zweiten Sohn" meinte ich den älteren Bruder.


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 lakota1 15. September 2019 
 

Bei diesem Evangelium stolpere ich immer

über die gleiche Stelle.
Ich verstehe, daß der Vater sich über die Heimkehr des verlorenen Sohnes, der auch bereut was er getan hat, freut und ihm das gemästete Kalb schlachtet.
Was ich nicht verstehe ist, wieso dem älteren Bruder immer Neid unterstellt wird, weil er sich darüber ärgert. Der Vater sagt ihm zwar: "Kind du bist immer bei mir und all das Meine ist dein." Wenn das so ist, wie kommt dann der Sohn zu der Aussage: "Niemals gabst du mir ein Böcklein, daß ich mit meinen Freunden hätte feiern können und dem schlachtest du das Kalb". Hört sich für mich so an, als wäre ihm das Böcklein schon mal verweigert worden oder warum sagt er das? Wenn zwischen dem Vater und dem älteren Sohn alles klar ist, daß ihm alles gehört was auch dem Vater gehört, warum hat er dann nicht einfach so ein Böcklein geschlachtet und gefeiert? Irgendwie ist diese Stelle für mich nicht logisch.


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 wedlerg 15. September 2019 
 

@Montfort: der ältere Sohn ist immer die Zielscheibe der Linken

Man sollte aber zwei Dinge nicht übersehen:

1. Der jüngere Sohn war verloren, bis er umkehrte; das trifft auf den Älteren nicht zu.

2. Der Ältere wurde gemaßregelt, weil er die Liebe des Vaters für ungerecht hielt, nicht weil er den Lebenswandel des Jüngeren kritisierte.

Und hier treffen sich 1 und 2: Der Vater hat noch viel Vernichtenderes über diesen Lebenswandel des Jüngeren gesagt: der Jüngere war verloren. Deswegen freut ihn die Rettung so. Die Münze war auch verloren, das Schaf auch. Das Wiederfinden gelingt nur durch die Umkehr - und nur dann kann der Vater seine Liebe schenken. Das Gesetz bzw. die Moral zeigen: die Sünde stand zwischen dem Jüngeren und dem Vater.

Bei Linken wird daraus immer: Die Sünde macht nix, weil der Vater eh mit Liebe alles rettet. Viel schlimmer sind die Spießer. Aber das ist eine zynisch Verdummung der Zuhörer und - genau betrachtet - gotteslästerlich.

Der Papst hat das heute nicht gesagt. Aber die Gefahr so verstanden zu werden besteht.


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 lesa 15. September 2019 

@Klimakos: Vielfach wird das Gleichnis so vereinfacht ausgelegt, stimmt. Im Laufe des Kirchenjahres kommen allerdings alle Aspekte der Evangeliums zur Sprache.


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 Stefan Fleischer 15. September 2019 

ein weiterer Aspekt des Gleichnisses

Der barmherzige Vater hat keinen der beiden Söhne mit Gewal zu sich zurück geholt!


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 gebsy 15. September 2019 

Beide Söhne

sind immer und überall in JEDEM Menschen gegenwärtig.
Wäre es nicht so, könnten wir in Situationen, die wir als Versuchung erkennen, nicht Gott um Seine helfende Liebe bitten (anflehen), um wirklich die Glückseligkeit des Erlöstseins verkosten zu können ...


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 Klimakos 15. September 2019 

Alles schön und gut. Nur die Gefahr besteht, Gott zu verstehen als jemanden der alles verzeihen will, egal ob ich was eingesehen habe oder nicht, egal ob ich bereue oder nicht - und das ist einfach falsch. Viele "modernen" Christen legen das genau so aus - das führt den Menschen in das Verderbnis.


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 Pistorius 15. September 2019 
 

Paradigmenwechsel

@Montfort: Sie haben Recht. Ist jetzt das "nicht-Sündigen", das "Fromm-Sein", das "Gerecht-Sein", das "Unverbeulte", das "Wissen um der Bösen" etwas Schlechtes und Böses? Was sind das für Umkehrungen? Sünde und Sünder sind klar zu benennen. Liebt den Sünder aber hasst die Sünde. Der jüngere Sohn wird-nach Reue und Vergebung-wieder zum Gerechten, wie der ältere Sohn.


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 lesa 15. September 2019 

Jesus Christus ist der Weg, die Wahrheit und das Leben. (Joh)

Aus einer faszinierenden Predigt einige Gedanken:

"Der Vater spricht mit dem älteren Sohn. Während er vom jüngeren Sohn sagt: Dein Bruder war verloren, sagt er zum älteren, der getreulich seine Pflichten erfüllt hat: "Mein KINd, du BIST allezeit bei mir, und alles was mein IST, IST
dein." Er geht zu beiden hinaus, der Vater. Er geht ihnen entgegen. Dies tat er durch seinen Sohn Jesus Christus, der "sich entäußerte" (vgl Phil 2)Ohne Christus, der der Weg, die Wahrheit und das Leben ist, gäbe es keine Vergebung."

Beiden Söhnen auf ihre Weise müssen zuerst die Augen aufgehen für die unbegreifliche Liebe Gottes, damit sie lieben lernen.

Uns auch, und es dauert gewiss ein Leben lang.


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 Stefan Fleischer 15. September 2019 

Der Priester bei uns heute

legte den Akzent der Predigt sogar ganz auf das Verhalten des älteren Sohnes. Seine Sünde bezeichnete er als Neid. Er nannte diese sogar eine Hauotsünde, ein Begriff, den ich seit meiner Jugend nie mehr wissentlich gehört hatte. Ich musste nachschlagen. «Die sieben Hauptsünden Stolz, Habsucht, Neid, Zorn, Unkeuschheit, Unmäßigkeit, Trägheit oder Überdruss wurden früher häufig als "Todsünden" bezeichnet. Sie sind Grundgefährdungen des Menschen und heißen Hauptsünden, weil sie oft Wurzel weiterer Sünden sind.» fand ich dann auf der Seite der Erzdiözese Wien.
Ich weiss, ich hätte nun zuerst selber eine Gewissenerforschung machen müssen. Das werde ich noch nachholen müssen. Aber unwillkürlich kam mir die Situation in unserer Kirche heute in den Sinn. Hat nicht auch diese ihre Wurzeln in einigen, wenn nicht allen, dieser Sünden?

www.erzdioezese-wien.at/hauptsuenden-oder-die-7-todsuenden


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 Montfort 15. September 2019 

Heilieger Vater, wenn ich Ihnen heute etwas ins Stammbuch schreiben könnte...

so wären das Ihre eigenen Worte: "Auch wir lägen falsch, wenn wir uns für gerecht hielten, wenn wir glaubten, 'dass die Bösen die anderen sind'."

Es ist abstoßend, wie sie - im Gegensatz zum Veter des Gleichnisses und zu Jesus! - den älteren Sohn des Gleichnisses meinen verurteilen zu können. :-(


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