19 September 2019, 11:00
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„Wer über die Treue zum Papst oder über die Lehre der Kirche ergebnisoffen-unverbindlich diskutieren möchte, wird ein geeignetes säkulares Forum dafür finden – außerhalb der Kirche.“ Gastkommentar von Thorsten Paprotny

Hannover (kath.net) Manche Agnostiker beobachten den Aufruhr in der römisch-katholischen Kirche in Deutschland sicher ganz vergnügt. Der Papst schreibt an Deutschland und wünscht sich die Besinnung auf die Evangelisierung. Die Bischöfe aber loben den Heiligen Vater und beharren mehrheitlich auf den mit dem „Zentralkomitee der deutschen Katholiken“ beschlossenen Themen für die Gesprächsforen des „Synodalen Weges“. Kardinal Woelki und Bischof Voderholzer erinnern energisch an das Thema Neuevangelisierung. Aber die neue katholische Bewegung in Deutschland hört auf den Namen Streik und Stagnation – und bleibt sich treu. Regionalkirche Sorgen bestimmen die Agenda. Erwartet uns ein „Synodaler Weg“ mit unverbindlichen Gesprächen? Steht uns ein nationales „Partikularkonzil“ bevor, an dessen Ende deutsche Katholiken Lehrmaterialien nach Rom schicken, damit die Weltkirche diese wohlwollend erwägen, bedenken und von den Deutschen lernen möge? Niemand hat die Absicht, einen „deutschen Sonderweg“ einzuschlagen, so hören wir. Natürlich nicht. Oder doch? Wer vielleicht die Lehre der Kirche nur noch als Diskussionsgrundlage akzeptiert, der wird auch die eigenen Abweichungen von der verbindlich gültigen Lehre möglicherweise gar nicht mehr bemerken. Die Kirche ist auch noch immer heilig, selbst wenn sie neuerdings manchmal heilig und unheilig zugleich genannt wird. Ekklesiologische Privatmeinungen begründen aber keine neue Ekklesiologie. Auch wer den Begriff Sünde meidet oder ignoriert – oder die Realität von Sünde überhaupt leugnet, bleibt Sünder. Auch das Kirchenrecht mag vielen unbekannt sein. Deswegen ist es aber noch nicht abgeschafft.

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Dies ist die Stunde der klaren katholischen Unterscheidung. Bischof Dr. Rudolf Voderholzer trägt sehr dazu bei. Er bekräftigte am Hochfest Mariä Himmelfahrt in der Predigt (Link) „Wenn sich in der Kirche in Deutschland jetzt ein so genannter »Synodaler Prozess« formiert, so gibt es doch eigentlich nur ein Thema, das es lohnt gemeinsam bedacht zu werden, nur ein Thema, um das gerungen werden muss: Wie kann der Glaube gestärkt werden? Der Glaube an Tod und Auferstehung Jesu; wie kann die Hoffnung auf meine eigene Auferstehung so gestärkt werden, dass die Liebe zu Gott und zu den Nächsten auch die wieder drängt, die Sonn- und Feiertage in der Gemeinschaft der Kirche zu feiern, die jetzt meinen, am Sonntagvormittag, am Feiertag etwas Wichtigeres zu tun zu haben. Die von manchen geforderten Änderungen in der Praxis und Struktur der Kirche laufen darauf hinaus, dass sich die katholische Kirche ganz der evangelischen Kirche angleicht: Liberalisierung der Sexualmoral, Anerkennung homosexueller Partnerschaften, Synodalisierung der Kirchenleitung (im Sinne der »Demokratisierung«), Öffnung aller Ämter für Frauen und Funktionalisierung des geistlichen Amtes usw. Aber zeigt nicht der Blick auf die aus der Reformation hervorgegangenen Gemeinschaften, dass dies alles in keiner Weise zu einer Verlebendigung des kirchlichen Lebens, insbesondere nicht zur Verlebendigung des Sonntags und seiner Heiligung führt?

Auf der offiziellen Homepage der EKD liest man dieser Tage, dass die Liturgische Konferenz der EKD den Gemeinden rät, angesichts der schwindenden personellen und finanziellen Ressourcen »ergebnisoffen« (!) über den Fortbestand des sonntäglichen Gottesdienstes zu diskutieren. … Es gibt Themenbereiche, über die kann man in keiner christlichen Gemeinschaft, die sich auf das Neue Testament beruft, »ergebnis-offen« diskutieren, sondern nur »entscheidungs-fordernd«. Wer den sonntäglichen Gottesdienst für nicht konstitutiv für das Christsein verhält, verabschiedet sich von der gemeinsamen Grundlage.“

Bischof Voderholzer spricht Klartext. Natürlich ist die Liturgische Konferenz der EKD nicht repräsentativ für fromme protestantische Christenmenschen. Auch sehr viele gläubige Katholiken fühlen sich ja vom „Zentralkomitee der deutschen Katholiken“ meist weder verstanden noch vertreten.

Entscheidend ist die Frage nach Gott – und nichts anderes. Wer über die Treue zum Papst oder über die Lehre der Kirche ergebnisoffen-unverbindlich diskutieren möchte, wird ein geeignetes säkulares Forum dafür finden – außerhalb der Kirche. Bischof Voderholzers Vorschläge für den „Synodalen Weg“ sind für einfach gläubige, normale Katholiken nachvollziehbar und beherzigenswert – aus einem ganz einfachen Grund: Sie decken sich mit den Wünschen des Papstes, mit dem Kirchenrecht und mit der Lehre der Kirche aller Zeiten und Orte.

Vergessen wir vor allem eines nicht: Wir dürfen übrigens alle weiterhin römisch-katholisch bleiben. – Oder möchten Sie lieber deutsch-katholisch werden? Ich nicht. Papst Benedikt XVI. sagte am 7. Mai 2005 in der Basilika San Giovanni im Lateran: „Als Katholiken sind wir alle in gewisser Weise auch Römer. ... Und wir alle wollen versuchen, immer mehr katholisch zu werden – immer mehr zu Brüdern und Schwestern in der großen Familie Gottes, jener Familie, in der es keine Fremden gibt.“

Dr. Thorsten Paprotny lehrte von 1998-2010 am Philosophischen Seminar und von 2010 bis 2017 am Institut für Theologie und Religionswissenschaft der Leibniz Universität Hannover. Er publizierte 2018 den Band „Theologisch denken mit Benedikt XVI.“ im Verlag Traugott Bautz und arbeitet an einer Studie zum Verhältnis von Systematischer Theologie und Exegese im Werk von Joseph Ratzinger / Benedikt XVI.

kath.net-Buchtipp
Theologisch denken mit Benedikt XVI.
Von Thorsten Paprotny
Taschenbuch, 112 Seiten
2018 Bautz
ISBN 978-3-95948-336-0
Preis 15.50 EUR

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Symbolbild: Quo vadis?


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