27 September 2019, 12:00
Klimaangst und Weltfrömmigkeit
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Die von Greta angeführte Klimaapokalyptische Bewegung ist das Verdichtungsphänomen einer großflächig empfundenen Sinn- und Haltlosigkeit - BeneDicta am Freitag von Gudrun Trausmuth

Wien (kath.net)
Es soll wahrscheinlich das politische Bewusstsein stärken, jedenfalls werden – wie ich in den letzten Jahren des Öfteren feststellen konnte – in österreichischen Gymnasien vor Nationalratswahlen offenbar gerne innerhalb der Klassen „Probewahlen“ abgehalten. Von einer Oberstufenklasse habe ich heute als Ergebnis gehört: von den 26 Schülern hätten „nur 8 nicht Grün gewählt“. Tatsache ist, Grün ist bei der jungen Generation der Noch-Nicht- oder Erstwähler die große Mode. Kein Wunder, dass im österreichischen Wahlkampffinale nun die Klimahelden in die Arena einlaufen. Es ist schon seltsam: man hat den Eindruck, dass plötzlich auch die diesbezüglich bisher Verlässlichen gar nicht mehr so davon überzeugt sind, primär mit einer vernünftigen Migrationspolitik punkten zu können. Und das, obwohl die nächste Einwanderungswelle uns demnächst überrollen wird.

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Aber, „das Klima“ – bis vor wenigen Jahren ein unpolitisches, eher fades Wort – treibt alle vor sich her. Dass es auch Wissenschaftler gibt, die die Klimasituation nicht durch Katastrophenbrille, sondern besonnen sehen, dringt gar nicht mehr durch.

Dass hinter dieser neuen politischen Gewichtung wesentlich der mit Schulschwänzen genial kombinierte Klimakampf der bedauernswerten Greta Thunberg dahintersteckt, ist klar, aber nicht weniger bedenklich. Ein schwer belastetes Kind (vgl. „Szenen aus dem Herzen. Unser Leben für das Klima“ von Malena Ernman und Svante Thunberg) hat seinen Lebenssinn im Kampf für das Klima entdeckt, soweit so gut. Was aber bei dem ganzen Klimatheater vollkommen fehlt, ist 1) die Besonnenheit 2) das Maß 3) die Differenzierung 4) Kritik und Zweifel – und das ist besorgniserregend, selbst wenn man davon ausgeht, dass diese Punkte zuallererst die mediale Ebene betreffen.

Ist Greta durch ihr Asperger-Syndrom eigentlich über alles erhaben? Darf sie die ganze Welt beschuldigen, niedermachen, zu Panik auffordern? Am Weltklimagipfel den Regierenden an den Kopf zu werfen: „This is all wrong. I shouldn’t be here. I should be back in school at the other side of the ozean. (...) You have stolen my dreams and my childhood with your empty words. (...) How dare you . ..”, ist das noch in Ordnung? Oder einfach die andere Variante von “I want you to panic”? Dass Greta selbst in Panik ist, nehme ich ihr vollkommen ab: tatsächlich finde ich, sie ist in einem furchtbaren emotionalen Zustand. Aufforderungen in den social medias wie „nicht das Klima, sondern Greta retten“ treffen den Punkt; wieso Gretas Eltern sie nicht längst von der Bühne geholt habe, entzieht sich meinem Fassungsvermögen. Warum, um Gottes Willen, liegen dem armen Mädel seit Monaten alle wie paralysiert zu Füßen, anstatt ihr Hilfe gegen ihre Angst und ihre Neurosen anzubieten? - Und anstatt ihr zu zeigen, dass auch in der Tradition von Pippi Langstrumpf nicht jede Unverschämtheit erlaubt ist?

Stattdessen nicht nur Durchwinken, sondern Belohnung durch den Friedensnobelpreis??? Nicht nur strafloses Schuleschwänzen in Europa, sondern sogar mancherorts eine Empfehlung der Schule zur Teilnahme am Klimastreik?? Wohin gehen wir da eigentlich? - Natürlich ist Gretas Verbissenheit, man kann auch sagen, ihr Engagement, in seiner Radikalität außergewöhnlich – aber friedlich und friedensstiftend ist Greta sicher nicht, auch nicht hoffnungsfroh. Im Gegenteil: ihre furchtbare Strenge, ihre Negativität und ihr Moralisieren sind widerlich. Und ja, ich habe keine Lust von einer 16 jährigen permanent unter Druck gesetzt zu werden: Es steht ihr einfach nicht zu – ganz abgesehen davon, welche Widersprüchlichkeiten dann Aktionen wie „nach Amerika segeln“ mit sich bringen. Und schaut man auf die Früchte der Klimaapokalyptiker, so dreht einem allein der Begriff „Flugscham“ den Magen um, genauso wie die traurige Kinderlosigkeitspropaganda „aus CO2-Gründen“.

Ziemlich vernünftig – und zusammen mit Merkels und Macrons Reaktion meine Hoffnung stärkend, dass Gretas „Wut-Rede“ beim Klimagipfel zumindest das pflichtgemäße Tolerieren der Übergriffigkeit endlich beendet - die wunderbar platzierte Reaktion des grünen(!) Tübinger Oberbürgermeisters Boris Palmer: „Nein, wir haben Deine Jugend nicht zerstört“, schreibt der Grünen-Politiker in einem Beitrag für die einflussreichste deutsche Zeitung, und setzt fort: „Wir haben eine Welt erschaffen, die bessere Lebenschancen für junge Menschen bietet als jemals zuvor in der Geschichte.“ Es gebe weniger unterernährte Menschen weltweit, Krankheiten wie Pocken und Pest seien ausgerottet, weniger Kriegsopfer seien zu beklagen, die Lebenserwartung sei gestiegen und die Kindersterblichkeit deutlich gesunken. Boris Palmer kritisiert weiter die Dominanz des Themas, dass manche „glauben, dass wir den Klimaschutz erst verwirklichen können, wenn wir unser bisheriges Wirtschafts- und Gesellschaftssystem abschaffen.“

Dass Palmer die systemgefährdende Dimension der Klimaschutzbewegung andeutet, ist fast schon heroisch; wären alle Grünpolitiker so mutig – und wären sie es vor allem auch in puncto Lebensschutz - so würde ich sie mir tatsächlich in eine Regierung wünschen, aber eben nur dann!

Die von Greta angeführte Klimaapokalyptische Bewegung ist das Verdichtungsphänomen einer großflächig empfundenen Sinn- und Haltlosigkeit. Die hysterische Trauer um den präsumptiven Tod dieser Erde dokumentiert eine Weltfrömmigkeit, die nichts anderes als diese Erde mehr kennt. Nur diese Erde, nur dieses Leben.

Wird die materielle Grundlage gefühlt zerstört, ist der emotionale, der psychische Abgrund da, nur Dunkel und Ende. Die Göttin Klima, im Taumel der Verlustangst umtanzt, ist die Projektionsfläche von Existenzangst, Endlichkeitsempfinden und Perspektivenlosigkeit.
Ich wünsche den durch Klimaangst Belasteten und Ideologisierten eine Begegnung mit jener Hoffnung, die „nicht von dieser Welt“ ist. Wer aber diese Hoffnung bereits kennt, möge von ihr erzählen. Beten wir für Greta.

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