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„Es geht letztlich um eine globale Solidarität“

8. Oktober 2019 in Weltkirche, 32 Lesermeinungen
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Statement des DBK-Vorsitzenden Kardinal Marx bei der Amazonien-Bischofssynode - Er fordert schnellen Ausstieg aus fossilen Energieträgern und einen umfassenden ökologischen Wandel - Marx thematisiert hier keine "deutsch-katholischen" Sonderwünsche


Vatikan (kath.net/DBK) Auf der Bischofssynode in Rom hat am Montag, 7. Oktober 2019, Kardinal Reinhard Marx, Mitglied des Kardinalsrates und Vorsitzender der Deutschen Bischofskonferenz, zum Instrumentum laboris gesprochen. kath.net dokumentiert seinen Redebeitrag vor der Synode:

1. Das Instrumentum laboris beschreibt die Zerstörung Amazoniens: „Massives Fällen von Bäumen, Ausrottung des Tropenwaldes durch vorsätzliche Waldbrände, Ausdehnung von Agrarflächen und Monokulturen sind die Ursachen für die gegenwärtigen Ungleichgewichte des Klimas in der Region, aber wirken sich offensichtlich auch auf das Weltklima aus, und zwar in den sich häufenden katastrophalen Dürren und Überschwemmungen planetarischen Ausmaßes.“ (IL 54) Diese Zerstörung der Natur widerspricht fundamental dem christlichen Verständnis von Schöpfungsverantwortung.

2. Amazonien ist als „Lunge der Welt“ von großer Bedeutung für das Weltklima und mit seiner Artenvielfalt auch ein wertvolles Naturerbe. Die außergewöhnliche Artenvielfalt ist nicht nur für den Menschen nützlich, etwa in der Medizin, sondern jede Art hat einen Eigenwert. Dieser Schatz der Menschheit ist aber in Gefahr. Wenn weiterhin Waldflächen gerodet werden – wofür die Industrieländer angesichts der globalen Handelsverflechtungen eine Mitverantwortung tragen – droht der Tropenwald komplett auszutrocknen, mit unkalkulierbaren Folgen für das Weltklima.


3. Das Klima ist ein globales Kollektivgut und wir haben den Auftrag, es zu schützen und für die nachfolgenden Generationen zu bewahren, in Amazonien und weltweit. Dafür braucht es einen schnellen Ausstieg aus den fossilen Energieträgern und einen umfassenden ökologischen Wandel. Dieser Wandel kann nur mit den richtigen politischen und gesellschaftlichen Rahmenbedingungen gelingen, die verhindern, dass die ökologischen und sozialen Folgekosten wirtschaftlichen Handelns auf unbeteiligte Dritte abgewälzt werden können. Die UN-Klimarahmenkonvention und das Kyoto-Protokoll sprechen von einer „gemeinsamen, aber unterschiedlichen Verantwortung“ der Länder. Demnach haben die großen Industrienationen angesichts ihres Ausstoßes von Treibhausgasen eine besondere Verantwortung für den Klimaschutz. Die Industrieländer können beim ökologischen Wandel die Führung übernehmen und nachhaltige Konsum- und Produktionsmuster entwickeln. Außerdem stehen sie in der Pflicht, die Länder des Südens bei der Anpassung an den bereits zu beobachtenden Klimawandel zu unterstützen. Es geht letztlich um eine globale Solidarität, deren Basis eine „neue Fortschrittsidee“ ist (vgl. auch LS 46, 194)

4. Wenn wir, wie es das Instrumentum laboris fordert, das Amazonasgebiet retten wollen (IL 56), brauchen wir eine ganzheitliche Ökologie und einen Perspektivwechsel, der uns zu einem neuen Gleichgewicht zwischen Mensch und Natur sowie einem friedlichen Zusammenleben der Menschen führt. Es geht dabei nicht um einzelne Fragen, sondern um eine neue, umfassende Perspektive, wie es bereits Romano Guardini analysiert hat: „Der Maßstab, an welchem eine Zeit allein gerecht gemessen werden kann, ist die Frage, wie weit in ihr, nach ihrer Eigenart und Möglichkeit, die Fülle der menschlichen Existenz sich entfaltet und zu echter Sinngebung gelangt.“ (vgl. EG 224) Zur ganzheitlichen Ökologie und Ökonomie gehört es, Korruption, Ausbeutung und globaler Gleichgültigkeit ein Ende zu setzen und unser Handeln immer wieder daraufhin zu prüfen, welche Auswirkungen es auf die Natur und auf die Menschen in der Welt hat. Es ist so, wie Sie, Heiliger Vater, es in der Enzyklika Laudato si’ ausgedrückt haben: Alles ist miteinander verbunden!


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