11 Oktober 2019, 13:45
Der Zorn des Lammes
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Vielleicht denken wir das nächste Mal daran, wenn wir in der Heiligen Messe sind, das Bild der Wiederkunft Christi eucharistisch zu sehen. Auch unseren derzeitigen Kampf in Kirche und Gesellschaft - BeneDicta am Freitag von Linda Noé

Linz (kath.net)
„Die Welt scheint manchmal fest in der Hand von bösen Kräften zu sein, und trotz des Gebets der Christen scheint das Böse zu bleiben und noch zu wachsen. Trotzdem zeigt die Offenbarung, dass es die Engel und Heiligen sind, die durch ihre Gebete den Lauf der Geschichte lenken. Mehr als Washington D.C., mehr als die Vereinten Nationen, mehr als die Wall Street, mehr als jeder Platz den man nennen könnte, gehört die Macht den Heiligen des Allerhöchsten, die um den Thron des Lammes versammelt sind.“ (aus Scott Hahn, Das Mahl des Lammes, jeweils eigene Übersetzung)

Ich glaube, dass dieser endzeitliche Beginn dieser Zeilen ziemlich gut zu einer gewissen Stimmung passt, die derzeit in der christlichen, besonders vielleicht in der katholischen Welt spürbar ist. Weiters haben wir alle zumindest dieses Kopfwissen darüber, dass die Heiligen Gottes es sind, die den Lauf Geschichte in Wahrheit lenken, aber fühlen und vor allem: leben wir auch danach?

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Die Offenbarung ist nun nicht das verständlichste Buch der Bibel- salopp gesagt- aber es lohnt sich, sich wieder damit auseinander zu setzen. Auch gerade dann, wenn durch Ansicht verschiedenster Herkunft, wie „Fridays for Future“, Papstkritikern, durch den offensichtlichem Zerfall von Werten, Abtreibung, Überalterung, Einwanderung etc., etc. der Weltuntergang quasi morgen ins Haus steht.

Scott Hahn, der bekannte amerikanische Theologe und Konvertit, hat mit „Das Mahl des Lammes“ bereits 2003 ein, meiner Meinung nach sehr lesenswertes, Buch herausgebracht, das die Offenbarung anhand der Heiligen Messe entschlüsselt.

Die Kraft der Heiligen ist von anderer Art und nicht vergleichbar mit der Macht, die die Welt als solche erkennt. Ich weiß das als Christ, und doch ist es schwer, darauf zu stehen und zu gehen- man fühlt sich im „echten Leben“ doch wohl eher ein bisschen wie Petrus sich gefühlt haben mag, als er übers Wasser auf Jesus zugegangen ist. Ich glaube, wir dürfen nicht vergessen, dass diese Art von Hoffnung immer eine ist, die sich auf das Übernatürliche bezieht, und zwangsläufig wird das natürliche Empfinden dagegen rebellieren, sich menschlich wehren oder verzweifeln wollen.

Scott Hahn sagt in seinem Buch so treffend: Dass der Zorn des Lammes so verschieden von der Rache nach Art der Menschen ist, sei so offensichtlich, und trotzdem wert, von uns ganz tief und immer wieder neu betrachtet zu werden. Denken wir daran, welche Erwartungen die Juden gegenüber dem Messias hatten: er sollte das Reich Gottes durch militärische und politische Macht aufbauen- und wie es dann war, als Jesus dann wirklich kam, Umkehr und Vergebung predigte, Menschen heilte und am Kreuz starb. „Und wir alle haben unsere Lektion gelernt, nicht wahr?“ fragt Hahn herausfordernd. Es scheine nicht so, denn heute würden viele Christen dieselbe kommende messianische Rache erwarten wie die Juden des ersten Jahrhunderts. Als eine Art noch unterdrückten Zorn vielleicht- unter dem Motto „wartet nur, dann werdet ihr mich kennenlernen!“ Nachdem Christus das erste Mal friedlich gekommen wäre, würde sein zweites Kommen heilige Rache bringen und seine Feinde mit mächtiger Hand zerschmettern. „Was aber“, fragt Scott Hahn, „wenn sich herausstellte, dass Jesu zweites Kommen ähnlich dem ersten ist? Wären viele Christen enttäuscht?“ In der Offenbarung werden zwar Hungersnöte, Plagen und Seuchen beschrieben, aber in Kapitel sechs ist vom Zorn des Lammes die Rede, nicht vom Zorn des Löwen von Juda, und die Siegreichen der Apokalypse sind diejenigen, die ihr Leben nicht festhielten bis den Tod, die gesiegt haben durch das Blut des Lammes, ihr Wort und ihr Zeugnis. Nicht diejenigen, die das Schwert in der Faust schwingen- denn das Schwert der Sieger kommt aus ihrem Mund, sie sind mit weißem Leinen bekleidet und nicht mit schwerer Ritterrüstung. Wir erwarten ein Hochzeitsmahl.

Vielleicht, so schreibt Scott Hahn, müssen wir das übliche Bild vom Zorn Gottes überdenken und es noch mehr im Licht seiner perfekten Vaterschaft betrachten. Das schaffe den göttlichen Zorn nicht ab, mindere nicht den Standard der Gerechtigkeit oder die Schwere des Gerichts, denn Väter würden üblicherweise mehr von ihren Töchtern und Söhnen erwarten als Richter von Angeklagten.

Vielleicht denken wir das nächste Mal daran, wenn wir in der Heiligen Messe sind, das Bild der Wiederkunft Christi eucharistisch zu sehen. Auch unseren derzeitigen Kampf in Kirche und Gesellschaft.

„Wie der irdische Priester über Brot und Wein die Worte ‚das ist mein Leib‘ spricht, wodurch sich die Wandlung der Gestalten vollzieht, so steht Christus als der Hohepriester über dem Kosmos und spricht dieselben Worte“, so schreibt Scott Hahn.

Wir sind hier, um gewandelt zu werden durch den Heiligen Geist, und er tut sein Werk, wenn wir bereit sind. Vertrauen wir darauf, dass die Wandlung die Macht ist, die wirklich die Welt bewegt und verändert. Die Kraft der Heiligen in Christus, die wir werden wollen.


Die Tugenden - Teil 4 - Mäßigung from kath.net on Vimeo.

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