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Der Missbrauch des Missbrauchs

21. Oktober 2019 in Kommentar, 2 Lesermeinungen
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„Interessierte Kreise, darunter nicht zuletzt kirchliche Amtsträger selbst, machen die hierarchische Struktur für sexuellen Missbräuche von Kindern in katholischer Kirche verantwortlich. Doch ist der Vorwurf haltlos.“ Gastkommentar von Niklaus Herzog


Freiburg i.Ü. (kath.net) Interessierte Kreise, darunter nicht zuletzt kirchliche Amtsträger selbst, machen geradezu gebetsmühlenartig die hierarchische Struktur für die sexuellen Missbräuche von Kindern in der katholischen Kirche verantwortlich. Die Neue Zürcher Zeitung hat in einer fundierten Recherche diesen aus durchsichtigen Motiven erfolgende Vorwurf als haltlos entlarvt.

„Missbrauch erschüttert US-Baptisten“ und „Deutsche Protestanten unter Zugzwang“ – so lauten die beiden eine Doppelseite beanspruchenden redaktionellen Beiträge in der Neuen Zürcher Zeitung vom 16. Oktober 2019. Sie belegen zahlreiche Fälle des Kindsmissbrauchs in protestantischen Kirchen der USA und Deutschlands und legen die ihnen zugrundeliegenden Mechanismen frei.

Um es gleich vorweg klarzustellen: Für sexuelle Missbräuche an Minderjährigen, noch dazu begangen von Geistlichen, gibt es keine Rechtfertigung und keine Entschuldigung, auch und gerade nicht in der katholischen Kirche. Aber ebenso wenig geht es an, solche Verbrechen als Vehikel für kirchenpolitische Vorstöße zu instrumentalisieren, sprich die hierarchische Struktur bzw. das 'pyramidale System“ der katholischen Kirche zu diskreditieren.

Auf eine faktenreiche, der Komplexität der Thematik Rechnung tragende Recherche gestützt listet der erste Beitrag „Missbrauch erschüttert US-Baptisten“ differenziert und sachkundig die Ursachen von Hunderten bekannt gewordener Fälle sexuellen Kindsmissbrauchs in der Southern Baptist Convention auf, der größten protestantischen Konfession in den USA. Männerdominierte Leitungsstrukturen werden als eine der Ursachen ausgemacht. Bemerkenswerte aber vor allem: Just das Fehlen einer Hierarchie bildet eines der Haupthindernisse bei der Bekämpfung des sexuellen Missbrauchs: „Jede einzelne Baptistengemeinde ist unabhängig und selbstverwaltet – ein entscheidender Grundsatz, der den Umgang mit Missbrauchsvorwürfen erschwert“, bilanziert die Autorin Marie-Astrid Langer. Im Abschnitt „Nachteile der Autonomie“ zitiert sie den Baptistentheologen Van Neste: Die enorme Autonomie der einzelnen Baptistenkirchen sei ein Problem im derzeitigen Skandal („Der Verband hat keine Autorität über die einzelnen Gemeinden“). Das sei ein entscheidender Unterschied zur katholischen Kirche. „Diese kann in der Aufarbeitung ihrer eigenen Missbrauchsskandale auf die nationalen Bischofskonferenzen Einfluss nehmen und einzelne Geistliche direkt massregeln“, so die Autorin.


Inhaltlich übereinstimmend ist der Befund von Stefan Reis Schweizer in seinem ebenso substantiellen Beitrag „Deutsche Protestanten unter Zugzwang“. Zunächst hält er fest: „Die protestantische Kirche kennt weder einen Zölibat oder strenge hierarchische Strukturen noch den männerbündischen Klerikalismus, die häufig mit den Missbrauchsskandalen in der katholischen Kirche in Verbindung gebracht werden“ – um anschliessend auf die „Evangelischen Spezifica“ überzuleiten. Unter diesem Untertitel zitiert er die Hamburger Bischöfin Kirsten Fehrs: „In der evangelischen Kirche ist es komplett undurchschaubar, an wen sich Betroffene wenden können.“ Autor Schweizer ergänzt: Die Landeskirchen der EKD agieren weitgehend selbständig. Was sonst als Vielfalt positiv wahrgenommen wird, steht einer gemeinsamen Vorgehensweise in der Aufklärung entgegen. Kommt hinzu, dass das Selbstbild einer „offenen und liberalen Kirche“, so der Bilanzbericht 2019 der Unabhängigen Kommission zur Aufarbeitung sexuellen Kindsmissbrauchs, sich geradezu als Stolperstein der Aufklärung entgegenstellt („Es kann nicht sein, was nicht sein darf“). Der bisher größte Missbrauchsskandal im deutschen Protestantismus hatte schließlich den Rücktritt der Bischöfin Maria Jepsen zur Folge, weil ihr vorgeworfen wurde, von den Missbrauchsvorwürfen gewusst und nicht dagegen unternommen zu haben.

Fazit: Eigentlich leuchtet es ja ein: Wo es keine Hierarchie gibt, sich alle „auf gleicher Augenhöhe begegnen“, keiner dem andern Vorschriften machen kann und machen will („wir sind ja alles Kollegen“), hat es die konfessionsübergreifend notwendige Aufarbeitung dieses düsteren Kapitels besonders schwer. Jede erfolgreiche Therapie hat eine zutreffende Diagnose zur Voraussetzung. Der Hierarchie-Vorwurf an die Adresse der katholischen Kirche erweist sich in diesem Kontext als Fehldiagnose wider besseres Wissen, als Vehikel zur Durchsetzung ihr wesensfremder Strukturveränderungen. Dies belegt die Doppel-Recherche der Neuen Zürcher Zeitung auf eindrückliche Art und Weise.

Niklaus Herzog ist Theologe und Jurist; er war Geschäftsführer der Ethikkommission des Kantons Zürich und ist heute Richter am Interdiözesanen Gericht der Schweizer Bischofskonferenz.





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