Login




oder neu registrieren?


Suche

Suchen Sie im kath.net Archiv in über 70000 Artikeln:







Top-15

meist-diskutiert

  1. Was interessiert mich das Geschwätz von Rom...
  2. Wenn sich Gratismut in Angst verwandelt
  3. Erschütterndes Beispiel für die Kultur des Todes: Seniorin wurde gegen ihren Willen euthanasiert
  4. Katholiken fordern Exkommunikation der „katholischen“ US-Gouverneurin Maura Healey
  5. „Trägt der synodale Prozess dazu bei, die Seelen Christus und dem ewigen Heil näherzubringen?“
  6. Bußgeldverfahren gegen Schüler nach Weigerung an LGBT-Workshop teilzunehmen
  7. 500 Euro für ein Sakrament oder was ist das wirkliche Problem?
  8. Katholische Beerdigung für italienischen Gitarristen wurde abgesagt, weil er Freimaurer war
  9. "Ich würde Kinderbetreuung nicht als Arbeit sehen, sage ich Ihnen ganz ehrlich"
  10. Das Kirchenjahr als Weg durch die Heilsgeschichte. Dem Gottesdienst soll nichts vorgezogen werden!
  11. Influencerin bezeichnet Trans-Politiker als Mann: zu zwei Jahren Hausarrest verurteilt
  12. ‚Waldbrände in der Kurie‘
  13. Edith Stein – Ave, Crux, spes unica
  14. Deutschland: Katholische Kirche verzeichnet mehr Erwachsenentaufen trotz Mitgliederrückgang
  15. "Satanisches Lachen" - US-Demokraten aus Massachusetts feiern Ermorden von Kindern bis zur Geburt!

Kontur und Klarheit – eine Bitte an die Kirche

25. Oktober 2019 in Kommentar, 2 Lesermeinungen
Druckansicht | Artikel versenden | Tippfehler melden


"Wir, deine verirrten Kinder, bitten Dich um deine Festigkeit, um dein eindeutiges und starkes Wort." BeneDicta am Freitag von Gudrun Trausmuth


Wien (kath.net)
Nichts Schöneres als ein purpurrotes Ahornblatt. Nichts Zarteres und Feineres als der feingesponnene Morgentau über den Wiesen, nichts Glatteres und Anziehenderes als eine braunglänzende Kastanie. Die Astern in ihren Feuerfarben. - Ehe der Winter Konturen und Farben schwächt, noch einmal die große Feier des schmerzhaft-glühenden Lichts, die Symphonie einer großen Leidenschaft. Mein Herbst.

„Herr, es ist Zeit, der Sommer war sehr groߓ, Rilkes Gedicht, das fast im Ton eines Gebets beginnt, ist die notwendige, ja, in seiner Ermutigung dynamisierende Einstimmung in das Ende der schönen Jahreszeit; dem Verfall und der Endlichkeit wird – nicht ohne Melancholie – willig entgegengegangen. Wird einerseits eine letzte Ekstase beschworen „Befiehl den letzten Früchten voll zu sein;/ (…) dränge sie zur Vollendung hin und jage/ die letzte Süße in den schweren Wein.“, so ist doch die Gewissheit des herannahenden Winters mit der Warnung des Versäumnisses verknüpft. Kalt und gnadenlos dräut das „Zu spät“: „Wer jetzt kein Haus hat, baut sich keines mehr,/ wer jetzt allein ist, wird es lange bleiben,/ wird wachen, lesen, lange Briefe schreiben/ und wird auf den Alleen hin und her/ unruhig wandern, wenn die Blätter treiben“ Was kraftvoll- zuversichtlich begonnen hat, mündet in einsamer Bedrückung und Verlorenheit.


Treue Abbilder der Doppelgesichtigkeit des Herbstes, schwanken die Herbstgedichte zwischen Lob der herbstlichen Herrlichkeit und Sich-Verlieren im zu Ende Gehenden, Konturlos-Nebeligen. „Seltsam, im Nebel zu wandern!“ kündet Hermann Hesse, greift die Verwunderung - gleichsam zurückirrend an den Beginn – auch in der Schlussstrophe wieder auf und setzt tastend fort „Leben ist Einsamsein. /Kein Mensch kennt den andern,/Jeder ist allein.“ Auch die sprachgewaltige Ida Friederike Görres trifft in „Oktober-Ende“ in die Mitte herbstlicher Melancholie: „Wald versank in laues Nebenschweben,/ Haus und Baum sind wallend überdeckt. Was soll Kampf, was soll mir Wunsch und Streben? Schwermutsvoll dem Ende hingegeben, fleht die Erde, daß sie keiner weckt.“

Das graue, nebelalte Herbstgesicht als Chiffre für unsere Zeit? Mit seinem Auflösen aller Konturen, dem Zerfließen von Gestalt und Form, dem egalitären Bedecken des Erhabenen und Profilierten, dem Ignorieren des Unterscheidenden, der klärenden Differenz, beschreibt das Undurchdringliche eine Grundstimmung dieser Tage: „Kein Mensch kennt den andern,/Jeder ist allein.“ Leuchttürme, Lichter, Leitschienen gibt es kaum mehr, der große Hauptstrom der veröffentlichten Meinung rauscht und tobt sie hinweg – am Wasser ist der Nebel dicht.

Eine Hoffnung gilt es. Ihr Zeichen sind zwei hart aufeinandertreffende Balken. Der rechte Winkel, den Horizontale und Vertikale des Kreuzes aufschlagen, bildet die Gegenfigur par excellence zum Gestaltlos-Verschleierten. Doch hat sie noch eine Stimme, die dieser zeichenhaften Klarheit entspricht? Denn müde und kraftlos soll die Stimme der Kirche gemacht werden, eingeschüchtert durch das Geschrei vom großen Strom.

Bedrängt von allen Seiten, läuft sie, die Schöne und Treue, in Gefahr, sich im Nebel zu verlieren, wegzulaufen vom Kreuz, das ihr Halt ist und von dem aus sie allein Halt zu geben vermag. Bleib steh’n, möchte man ihr zurufen, sei der gerade Weg! Du allein kannst noch Stimme sein, die scheidet wie ein Schwert, die orientiert, die hält und führt. Weiche nicht aus, stelle dich dem Kampf, sei die feste Stimme der Klarheit.

Du einzige Starke, du Einzige, die hart sein darf, weil du auch die unendliche Barmherzigkeit kennst. Kein halbes „ja, aber …“, sondern „fiat“ sei dein Wort. Wir, deine verirrten Kinder, bitten Dich um deine Festigkeit, um dein eindeutiges und starkes Wort, denn das allein kann noch Lichtschneisen schlagen in das Grau, kann Weg ziehen durch Sumpf und Moor, ist selbst Weg. Ja, unsere Mutter, verkünde es, sag es der verirrten Erde: „Auf mir ziehen die Jahrtausende zu Gott! .... Siehe, die Straßen, die von deinem Munde führen, sind Straßen ins Jenseits“ (le Fort: Hymnen an die Kirche) - Mutter Kirche, wir Schwankenden und Treulosen, wir bitten dich, die Du Deine Stärke von Ihm empfängst, um deine große Treue.


Ihnen hat der Artikel gefallen? Bitte helfen Sie kath.net und spenden Sie jetzt via Überweisung oder Kreditkarte/Paypal!

 





Lesermeinungen

 lesa 25. Oktober 2019 

Danke!

Welsch ein Geschenk, dass Gott auch in dieser Zeit Menschen begabt, die Situation zur Sprache zu bringen - in diesem Fall sogar in Form von Dichtkunst, hineinverwoben in die ganze ungewöhnliche Schönheit der Natur in diesen Tagen …


2
 
  25. Oktober 2019 
 

Ein sehr schöner Text. Danke für die Veröffentlichung!


5
 

Um selbst Kommentare verfassen zu können müssen Sie sich bitte einloggen.

Für die Kommentiermöglichkeit von kath.net-Artikeln müssen Sie sich bei kathLogin registrieren. Die Kommentare werden von Moderatoren stichprobenartig überprüft und freigeschaltet. Ein Anrecht auf Freischaltung besteht nicht. Ein Kommentar ist auf 1000 Zeichen beschränkt. Die Kommentare geben nicht notwendigerweise die Meinung der Redaktion wieder.
kath.net verweist in dem Zusammenhang auch an das Schreiben von Papst Benedikt zum 45. Welttag der Sozialen Kommunikationsmittel und lädt die Kommentatoren dazu ein, sich daran zu orientieren: "Das Evangelium durch die neuen Medien mitzuteilen bedeutet nicht nur, ausgesprochen religiöse Inhalte auf die Plattformen der verschiedenen Medien zu setzen, sondern auch im eigenen digitalen Profil und Kommunikationsstil konsequent Zeugnis abzulegen hinsichtlich Entscheidungen, Präferenzen und Urteilen, die zutiefst mit dem Evangelium übereinstimmen, auch wenn nicht explizit davon gesprochen wird." (www.kath.net)
kath.net behält sich vor, Kommentare, welche strafrechtliche Normen verletzen, den guten Sitten widersprechen oder sonst dem Ansehen des Mediums zuwiderlaufen, zu entfernen. Die Benutzer können diesfalls keine Ansprüche stellen. Aus Zeitgründen kann über die Moderation von User-Kommentaren keine Korrespondenz geführt werden. Weiters behält sich kath.net vor, strafrechtlich relevante Tatbestände zur Anzeige zu bringen.


Mehr zu

BeneDicta

  1. Technisch brillant, geistig obdachlos
  2. Beschließen ohne zu entscheiden?
  3. Die große Täuschung
  4. Hoffnung schlägt Optimismus
  5. Kirche zwischen Riss und Rückbindung
  6. Freu dich, Gott liebt dich
  7. 'Sommer ist, was in deinem Kopf passiert'
  8. Denn der Glaube ist kein Leistungssport
  9. Das Glück dieser Welt kauft man nicht mit Geld
  10. Herabsteigen in die „Tiefe unseres Seins“






Top-15

meist-gelesen

  1. Sommerspende für kath.net - Bitte helfen SIE uns jetzt JETZT!
  2. Edith Stein – Ave, Crux, spes unica
  3. Ostern 2027 in Rom - Große kath.net-Leserreise!
  4. Erschütterndes Beispiel für die Kultur des Todes: Seniorin wurde gegen ihren Willen euthanasiert
  5. "... der Sieg, der die Welt besiegt hat, ist unser Glaube” (1 Joh 5,4)"
  6. Grösse
  7. Angeklagt, weil er einen schismatischen Bischof nicht rehabilitierte: Armeniens Patriarch Karekin II
  8. ALfA startet „von-Galen-Projekt“ zum 85. Jahrestag der Predigt von St. Lamberti
  9. William Donohue: Bürgermeister Mamdani soll nicht an Gedenkveranstaltung zu 9/11 teilnehmen
  10. „Warum ich katholisch bin“
  11. Was Papst Leo XIV. in Südamerika erwartet
  12. Deutschland: Katholische Kirche verzeichnet mehr Erwachsenentaufen trotz Mitgliederrückgang
  13. Wenn der Sturm den Glauben prüft - Der Friede Christi mitten im Gegenwind
  14. Expertin fordert nach Aufsichtsversäumnissen in den Provinzen nun nationalen Sterbehilfe-Watchdog
  15. Katholische Beerdigung für italienischen Gitarristen wurde abgesagt, weil er Freimaurer war

© 2026 kath.net | Impressum | Datenschutz