08 November 2019, 13:00
Die Notwendigkeit der ‚Konversion’ der wirtschaftlichen Güter
 
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Benedikt XVI. – Licht des Glaubens: das Geld ist nicht an sich ‚ungerecht’, es kann aber mehr als alles andere den Menschen in einem blinden Egoismus verschließen. Von Armin Schwibach

Rom (kath.net/as) Das weite und komplexe Feld von Überlegungen über das Thema des Reichtums und der Armut: „es scheint ein Paradox zu sein: Christus hat uns nicht mit seinem Reichtum reich gemacht, sondern mit seiner Armut, das heißt mit seiner Liebe, die ihn dazu getrieben hat, sich uns ganz zu schenken.“

Freitag der 31. Woche im Jahreskreis (C):

„Ein reicher Mann hatte einen Verwalter. Diesen beschuldigte man bei ihm, er verschleudere sein Vermögen. Darauf ließ er ihn rufen und sagte zu ihm: Was höre ich über dich? Leg Rechenschaft ab über deine Verwaltung! Denn du kannst nicht länger mein Verwalter sein. Da überlegte der Verwalter: Was soll ich jetzt tun, da mein Herr mir die Verwaltung entzieht? Zu schwerer Arbeit tauge ich nicht und zu betteln schäme ich mich. Ich weiß, was ich tun werde, damit mich die Leute in ihre Häuser aufnehmen, wenn ich als Verwalter abgesetzt bin. Und er ließ die Schuldner seines Herrn, einen nach dem anderen, zu sich kommen und fragte den ersten: Wie viel bist du meinem Herrn schuldig? Er antwortete: Hundert Fass Öl. Da sagte er zu ihm: Nimm deinen Schuldschein, setz dich schnell hin und schreib fünfzig! Dann fragte er einen andern: Wie viel bist du schuldig? Der antwortete: Hundert Sack Weizen. Da sagte er zu ihm: Nimm deinen Schuldschein und schreib achtzig! Und der Herr lobte den ungerechten Verwalter, weil er klug gehandelt hatte, und sagte: Die Kinder dieser Welt sind im Umgang mit ihresgleichen klüger als die Kinder des Lichtes“ (Lk 16,1-8).

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Benedikt XVI zum Angelus in Castel Gandolfo, 23. September 2007:

Indem Christus das Gleichnis von einem unehrlichen, aber doch sehr klugen Verwalter erzählt, lehrt er seine Jünger, was die beste Weise des Gebrauchs des Geldes und des materiellen Reichtums ist, die eben darin besteht, sie mit den Armen zu teilen und sich so ihre Freundschaft im Blick auf das Himmelreich zu verschaffen. »Macht euch Freunde mit Hilfe des ungerechten Mammons« – sagt Jesus – »damit ihr in die ewigen Wohnungen aufgenommen werdet, wenn es (mit euch) zu Ende geht« (Lk 16,9).

Das Geld ist nicht an sich »ungerecht«, es kann aber mehr als alles andere den Menschen in einem blinden Egoismus verschließen. Es geht also darum, eine Art »Konversion « der wirtschaftlichen Güter zu erwirken: statt sie nur für das eigene Interesse zu nutzen, muß man auch an die Bedürfnisse der Armen denken und dadurch Christus selbst nachahmen, der – wie der hl. Paulus schreibt – »reich war [und] euretwegen arm [wurde], um euch durch seine Armut reich zu machen« (2 Kor 8,9). Es scheint ein Paradox zu sein: Christus hat uns nicht mit seinem Reichtum reich gemacht, sondern mit seiner Armut, das heißt mit seiner Liebe, die ihn dazu getrieben hat, sich uns ganz zu schenken.

Hier könnte man ein weites und komplexes Feld von Überlegungen über das Thema des Reichtums und der Armut eröffnen, auch auf weltweiter Ebene, auf der zwei Logiken von Wirtschaft aufeinandertreffen: die Logik des Profits und die Logik der gerechten Verteilung der Güter, die nicht zueinander in Widerspruch stehen, wenn ihre Beziehung gut geordnet ist.

Die katholische Soziallehre hat immer festgehalten, daß die gerechte Verteilung der Güter vorrangig ist. Der Profit ist natürlich legitim und im rechten Maße notwendig für die wirtschaftliche Entwicklung. So schrieb Johannes Paul II. in der Enzyklika Centesimus annus: »Die moderne Betriebswirtschaft enthält durchaus positive Aspekte. Ihre Wurzel ist die Freiheit des Menschen, die sich in der Wirtschaft wie auf vielen anderen Gebieten verwirklicht« (Nr. 32). Dennoch ist, so fügte er hinzu, der Kapitalismus nicht als einziges gültiges Modell wirtschaftlicher Organisation anzusehen (vgl. ebd., 35).

Der Hungernotstand und der ökologische Notstand lassen mit zunehmender Deutlichkeit erkennen, daß die Logik des Profits, wenn sie vorherrschend ist, das Mißverhältnis zwischen Reichen und Armen sowie die schädliche Ausbeutung des Planeten verschärft. Wenn hingegen die Logik des Teilens und der Solidarität überwiegt, ist es möglich, den Kurs zu korrigieren und ihn auf eine gerechte und nachhaltige Entwicklung auszurichten.

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