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Letzter Tag des Papstbesuchs in Japan im Zeichen der Jesuiten

26. November 2019 in Aktuelles, 1 Lesermeinung
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Franziskus: mehr als Effizienz und Ordnung, die die japanische Gesellschaft kennzeichnen - ein tiefer Wunsch, eine immer menschlichere, mitfühlendere und barmherzigere Gesellschaft zu schaffen. Die letzte Ansprache in Japan


Rom (kath.net/ KAP) „Die ignatianische Tradition, auf die Sophia gründet, muss die Lehrenden ebenso wie die Studenten ermutigen, eine für Reflektion und Unterscheidung günstige Atmosphäre zu schaffen. Kein Student dieser Universität sollte einen Abschluss erwerben, ohne gelernt zu haben, wie man sich verantwortlich und frei für das entscheidet, was im Gewissen als das Bessere erkannt wird. Möge es euch in jeder, auch komplexesten Situation, um das gehen, was in eurem Verhalten richtig und menschlich ist, ehrlich und verantwortlich, als entschlossene Verteidiger der Schwachen. Möget ihr für jene Geradlinigkeit bekannt sein, die gerade in den Situationen so notwendig ist, in denen Worte und Handlung oft falsch oder irreführend sind“.

Papst Franziskus beendet am Dienstag seine einwöchige Asienreise, die ihn in den vergangenen Tagen zunächst nach Thailand und dann nach Japan führte. Den letzten Besuchstag in der japanischen Hauptstadt Tokio widmet Franziskus vor allem seinem Orden, den Jesuiten. Am Campus der unweit des Kaiserpalastes gelegenen Sophia-Universität, einer von den Jesuiten im Jahr 1913 gegründete Hochschule in Tokio, feierte der Papst am Vormittag (Ortszeit) eine private Messe mit seinen Ordensbrüdern und hielt danach vor rund 800 Studierenden und Universitätsmitarbeitern die letzte öffentliche Rede seines Asienbesuchs halten.

Gegen Mittag begann Franziskus mit seiner Reisedelegation den rund 13-stündigen Rückflug nach Rom. Die Ankunft des Papstflugzeugs auf dem Flughafen Rom-Fiumicino wird für 17.15 Uhr erwartet.. Franziskus hatte privat auch ältere und kranke Priester im Pflegeheim auf dem Gelände besucht und war dabei auch mit dem früheren Generaloberen der Jesuiten, Adolfo Nicholas (83), zusammenkommen. Der 83-Jährige, der schon in den 1960 und 1970er Jahren als Jesuitenmissionar in Japan wirkte, lebt seit Herbst 2018 wieder in Tokio.

Die Universität, an der aktuell 13.000 Studierenden aus 27 Nationen ausgebildet werden, geht auf drei Jesuiten zurück, die im Auftrag von Papst Pius X. 1908 nach Japan gekommen waren. In den gut 100 Jahren ihres Bestehens ist die anfangs noch kleine Hochschule zu einem großen Campus mit acht Fakultäten gewachsen. Die Elite-Universität unterhält derzeit Kontakte mit rund 150 Partnerinstituten in 35 Nationen. Immer noch sind unter den rund 1.300 Dozenten der "Sophia" mehrere Dutzend Jesuiten tätig; viele haben Leitungspositionen in der Universitätsverwaltung inne.

Insgesamt ist das katholische Tokio ohne Jesuiten eigentlich nicht zu denken. Japans Hauptstadt-Erzdiözese hat heute 90 Pfarren mit rund 90.000 Katholiken, betreut von etwa 80 Weltpriestern und 250 Ordenspriestern. Davon sind allein rund 100 Jesuiten.



kath.net veröffentlicht die Ansprache von Papst Franziskus bei seinem Besuch der Sophia-Universität, Tokio:

Liebe Brüder und Schwestern,

ich freue mich sehr, zum Schluss meiner apostolischen Reise einige Minuten mit euch zu
verbringen, kurz bevor ich Japan wieder verlasse und nach Rom zurückkehre.

Mein Aufenthalt in diesem Land war kurz, aber intensiv. Ich danke Gott und dem ganzen japanischen Volk für die Gelegenheit zum Besuch dieses Landes, das das Leben des heiligen Franz Xaver stark geprägt hat und wo viele Märtyrer für ihren christlichen Glauben Zeugnis abgelegt haben. Auch wenn die Christen eine Minderheit sind, so spürt man doch ihre Anwesenheit. Ich selbst kann die allgemeine Wertschätzung gegenüber der katholischen Kirche bezeugen und hoffe, dass diese gegenseitige Achtung in Zukunft weiter wächst. Ich habe auch beobachtet, dass trotz der Effizienz und der Ordnung, die die japanische Gesellschaft kennzeichnen, doch ein Wunsch nach einem Mehr wahrzunehmen ist: ein tiefer Wunsch, eine immer menschlichere, mitfühlendere und barmherzigere Gesellschaft zu schaffen.

Das Studium und die Meditation sind Teil jeder Kultur; eure japanische Kultur ist in dieser
Hinsicht stolz auf ihr altes und reiches Erbe. Japan ist es gelungen, das Gedankengut und die Religionen Asiens in ihrer Gesamtheit zu integrieren und eine Kultur mit einer spezifischen Identität zu schaffen. Die Ashikaga-Schule, die den heiligen Franz Xaver so beeindruckte, ist ein Beispiel für die Fähigkeit der japanischen Kultur, sich Wissen anzueignen und weiterzugeben. Die Zentren für Studium, Meditation und Forschung besitzen weiterhin eine wichtige Rolle in der heutigen Kultur. Deshalb ist es notwendig, dass sie ihre Autonomie und Freiheit als Garantie für eine bessere Zukunft bewahren. Damit die Universitäten der wichtigste Ort bleiben, an dem die zukünftigen Führungskräfte herangebildet werden, müssen das Wissen und die Kultur in ihrer ganzen Bandbreite alle Bereiche der Bildungseinrichtungen beeinflussen. Dann werden diese immer inklusiver und fähig, Möglichkeiten zur sozialen Förderung zu schaffen.

Sophia. Der Mensch hat immer der wahren Weisheit bedurft, um seine Ressourcen auf konstruktive und wirksame Weise zu verwalten. In einer stark auf Wettbewerb und Technologie ausgerichteten Gesellschaft sollte diese Universität nicht nur ein Zentrum für intellektuelle Bildung sein, sondern auch ein Ort, an dem eine bessere Gesellschaft und eine hoffnungsvollere Zukunft Gestalt annehmen können. Im Geist der Enzyklika Laudato si’ würde ich hinzufügen, dass die Liebe zur Natur, die für die asiatischen Kulturen so typisch ist, hier in einer intelligenten und vorausschauenden Sorge für den Schutz der Erde, unserem gemeinsamen Haus, zum Ausdruck kommen sollte. Eine Sorge, die sich mit der Entwicklung einer neuen Episteme verbinden kann, die jeden reduktionistischen Versuch von Seiten des technokratischen Paradigmas zu überschreiten und in Frage zu stellen vermag (vgl. Nr. 106-114). Verlieren wir das nicht aus den Augen: »Die echte Menschlichkeit, die zu einer neuen Synthese einlädt, scheint inmitten der technologischen Zivilisation zu leben – gleichsam unmerklich, wie der Nebel, der unter der geschlossenen Tür hindurchdringt. Wird sie trotz allem eine fortwährende Verheißung sein, die wie ein zäher Widerstand des Echten hervorsprießt?« (ebd., 112).

Die Sophia-Universität hat sich immer durch eine humanistische, christliche und internationale Identität ausgezeichnet. Seit ihrer Gründung wurde die Universität durch die Anwesenheit von Professoren aus verschiedenen Ländern bereichert, zuweilen auch aus Ländern, die im Konflikt zueinanderstanden. Dennoch waren alle einig im Wunsch, den jungen Menschen Japans das Beste geben zu wollen. Der gleiche Geist bleibt auch in den vielen Arten von Hilfsangeboten an die Bedürftigen hier und im Ausland, gegenwärtig Ich bin sicher, dass dieser Aspekt der Identität eurer Universität immer stärker wird, so dass die großen technologischen Fortschritte von heute einer menschlicheren, gerechteren und ökologisch verantwortlicheren Bildung dienen.

Die ignatianische Tradition, auf die Sophia gründet, muss die Lehrenden ebenso wie die Studenten ermutigen, eine für Reflektion und Unterscheidung günstige Atmosphäre zu schaffen. Kein Student dieser Universität sollte einen Abschluss erwerben, ohne gelernt zu haben, wie man sich verantwortlich und frei für das entscheidet, was im Gewissen als das Bessere erkannt wird. Möge es euch in jeder, auch komplexesten Situation, um das gehen, was in eurem Verhalten richtig und menschlich ist, ehrlich und verantwortlich, als entschlossene Verteidiger der Schwachen. Möget ihr für jene Geradlinigkeit bekannt sein, die gerade in den Situationen so notwendig ist, in denen Worte und Handlung oft falsch oder irreführend sind.

Die von der Gesellschaft Jesu festgelegten weltweiten apostolischen Präferenzen unterstreichen, dass die Begleitung von jungen Menschen auf der ganzen Welt eine wichtige Realität darstellen und dass alle ignatianischen Einrichtungen diese Begleitung fördern sollen. Die Jugendsynode und ihre Dokumente zeigt, dass auch die Weltkirche mit Hoffnung und Interesse auf die jungen Menschen der ganzen Welt blickt. Eure gesamte Universität ist aufgerufen, sich auf die jungen Menschen zu konzentrieren, die nicht nur Empfänger einer qualifizierten Bildung sein müssen, sondern auch an dieser Ausbildung mitwirken sollen, indem sie ihre Ideen einbringen und ihre Visionen und Hoffnungen für die Zukunft mitteilen. Möge eure Universität für dieses Modell des Austauschs und für die Bereicherung und die Lebendigkeit, die es bewirkt, bekannt sein.

Die christliche und humanistische Tradition der Sophia ist mit einer weiteren der genannten Präferenzen vollständig auf einer Linie, nämlich mit den Armen und Ausgegrenzten dieser Welt auf dem Weg zu sein. Die Universität, die auf ihre Aufgabe fokussiert ist, muss immer offen dafür sein, einen Archipel zu schaffen, der das in Beziehung zu setzen vermag, was gesellschaftlich und kulturell als getrennt betrachtet werden könnte. Die Ausgegrenzten sollen auf kreative Weise in den akademischen Bildungsplan miteinbezogen und aufgenommen werden, indem man Bedingungen zu schaffen sucht, um einen Bildungsstils zu fördern, der Brüche und Distanzen mildern kann. Das niveauvolle Universitätsstudium darf nicht als ein Privileg von Wenigen betrachtet werden, sondern muss von dem Bewusstsein begleitet werden, Diener der Gerechtigkeit und des Gemeinwohls zu sein; ein Dienst, den jeder gerufen ist, in dem Gebiet umzusetzen, zu dessen Entwicklung er gerufen ist. Das ist eine Aufgabe, die uns alle betrifft; der Rat von Petrus an Paulus gilt noch heute: Wir sollten an die Armen denken (vgl. Gal 2,10).

Liebe junge Freunde, liebe Professoren und liebe Angestellten der Sophia-Universität, mögen diese Überlegungen und unsere heutige Begegnung in eurem Leben und im Leben dieser akademischen Gemeinschaft Frucht tragen. Der Herr und seine Kirche zählen auf euch als Protagonisten in der Sendung, die göttliche Weisheit zu suchen, zu finden und zu verbreiten und der Gesellschaft von heute Freude und Hoffnung anzubieten. Bitte, vergesst nicht, auch für mich zu beten und für all die, die am meisten unserer Hilfe bedürfen.

Während ich mich nun aufmache, Japan zu verlassen, danke ich euch und durch euch danke ich dem ganzen japanischen Volk für den Empfang, den ihr mir mit so viel Freundlichkeit während dieses Besuchs bereitet habt. Ich trage euch mit mir in meinen Gebeten.

Copyright 2019 Katholische Presseagentur KATHPRESS, Wien, Österreich


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Lesermeinungen

 Chris2 26. November 2019 
 

Die ganze Kirche

steht "im Zeichen der Jesuiten". Wenn man weiß, welches Kirchenbild deren Ordensgeneral hat, an den Gehorsamseid der Jesuiten denkt und an das mehr als nur missverständliche Verhältnis des ersten Jesuiten unter den Nachfolgern Petri zu Inkagöttinnen oder an seine Personalpolitik, könnte man fast schon einen Pu...nsch trinken wollen, um all das zu vergessen...


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