Login




oder neu registrieren?


Suche

Suchen Sie im kath.net Archiv in über 70000 Artikeln:







Top-15

meist-diskutiert

  1. Nicht mehr ernst zu nehmen
  2. Der Vatikan ringt um die Definition der "Umweltsünde"
  3. Afd-Sieg in Sachsen-Anhalt - Panik bei den Kirchen
  4. Ermahnung zur parteipolitischen Neutralität
  5. Bischof Timmerevers legt sein Amt als Bischof von Dresden-Meißen nieder
  6. 'Ruft AfD-Wähler auf, sich die Kirchensteuer zu sparen'
  7. Liebe 'Deutsche Kirche', ihr seid Heuchler vor dem Herrn!
  8. Wahl in Sachsen-Anhalt: AfD auch bei Kirchenmitgliedern stärkste Kraft
  9. Papst bereitet Debatte zu strittigen Lehren seines Vorgängers vor
  10. Die Vision der Hölle und warum wir dringend die Göttliche Barmherzigkeit anrufen sollten
  11. Regierung von Pennsylvania will Begriffe ‚Mutter‘ und ‚schwangere Frau‘ streichen
  12. Leere der kirchlichen Lehre
  13. Ein Mensch auf den Knien ist mächtiger als die Welt
  14. Die konzilswidrige deutsche Synodalkonferenz
  15. Musikvideo zeigt Frau bei ‚Abtreibungsritual‘ auf der Toilette

Äthiopien: „Gewalt hat mehr religiöse als ethnische Dimension“

1. Dezember 2019 in Weltkirche, keine Lesermeinung
Druckansicht | Artikel versenden | Tippfehler melden


Am 10. Dezember erhält Äthiopiens Präsident Abiy Ahmed den Friedensnobelpreis.


München-Wien (kath.net/KIN) Am 10. Dezember erhält Äthiopiens Präsident Abiy Ahmed den Friedensnobelpreis. Damit wird vor allem sein Einsatz für den Friedensschluss mit dem Nachbarland Eritrea gewürdigt – eine sensationelle Wende im Verhältnis der jahrzehntelang verfeindeten Staaten. Im eigenen Land aber sind im Oktober schwere Unruhen ausgebrochen, die sich auch gegen den Präsidenten richten. Dabei sind Polizeiangaben zufolge mindestens 67 Menschen ums Leben gekommen. Auslöser waren schwelende ethnische Konflikte in der Oromia-Region rund um die Hauptstadt Adis Abeba.

Ein Konflikt, in dem auch religiöser Fundamentalismus eine Rolle spielt und der sich auch gegen Christen richtet, findet der Priester Petros Berga aus der Diözese Adis Abeba. In Äthiopien sind rund 60 Prozent der Einwohner Christen. Die meisten gehören der orthodoxen Kirche an, die Zahl der Katholiken liegt bei maximal einer Million Menschen, etwa einem Prozent der Bevölkerung. Berga ist ein langjähriger Projektpartner des weltweiten päpstlichen Hilfswerks „Kirche in Not“. Amélie de La Hougue hat mit ihm gesprochen.

Amélie de La Hougue: Wie hat sich die Situation in Adis Abeba und im Land entwickelt?

Petros Berga: Die Lage ist sehr unbeständig. Es gibt in einigen Regionen ethnische Probleme. Aber das wahre Problem kommt aus dem Nahen Osten. Ein ethnisch-religiöser Aktivist namens Jawar Mohammed ist zu einer ernsthaften Bedrohung für die Christen in Äthiopien geworden. In mehreren Orten wurden bereits Kirchen, Priester und Gläubige attackiert. Mohammed wird mutmaßlich illegal aus dem Nahen Osten finanziert. Er hat einen eigenen Fernsehsender und ein großes Netzwerk in den Sozialen Medien. Die Zahl seiner Anhänger ist groß. Die Aktivisten benutzen die Jugendlichen in der Oromo-Region als Instrument, um Konflikte zu schüren. Die Jugendlichen erhalten sogar kostenlose Handys, gespendet aus den Golfstaaten.


Wie entwickeln sich die Demonstrationen?

Langsam verebbt die Protestwelle. Die weitere Entwicklung ist jedoch ungewiss. Radikale Politiker und selbsternannte Aktivisten rufen zur Gewalt auf. Sowohl die Regionalverwaltung als auch die Regierung greifen kaum ein, selbst wenn Menschen angegriffen, vertrieben, ausgeraubt, bedroht oder belästigt werden. Am Stadtrand von Adis Abeba haben Anhänger von Jawar Mohammed Anwohner angegriffen. Dorthin sind in den vergangenen Jahren viele Menschen im Zuge der städtebaulichen Entwicklung ausgesiedelt. Ihre Lage, vor allem die der Jugendlichen, ist von Arbeits- und Hoffnungslosigkeit geprägt. Jetzt sind sie auch noch der Gewalt ausgesetzt. Das macht es für uns als Kirche noch dringender, den Jugendlichen in den Außenbezirken beizustehen.

Die Medien haben von ethnischen und religiösen Konflikten als Auslöser der Gewalt gesprochen. Stimmen Sie dem zu?

Die Gewalt richtet sich derzeit gegen Christen, vor allem gegen die orthodoxe Kirche. Hauptakteure sind der genannte Jawar Mohammed und Dawed Ibsa, Anführer der sogenannten Oromo-Befreiungsfront. Beide sind Muslime und gehören der Volkgruppe der Oromo an. Sie nutzen die ethnische Zugehörigkeit, um die Jugendlichen zu mobilisieren. Aber die Angriffe haben eher eine religiöse als eine ethnische Dimension. Die traditionelle Form des Islam in Äthiopien ist vom Sufismus geprägt. Er zeichnet sich durch Toleranz und eine hohe Integrationsfähigkeit gegenüber den Stammeskulturen aus. Diese Form des Islam wird nun durch militantere und fundamentalistische Strömungen ersetzt.

Haben Sie Hoffnung, dass sich die Situation verbessern wird?

Die Äthiopier verschiedener Religionen und Ethnien leben seit Jahrhunderten Seite an Seite. Ich bin zuversichtlich, dass die gemeinsamen Werte sie in dieser schwierigen Situation zusammenhalten werden.

Was ist die Rolle und die Botschaft der katholischen Kirche in diesem Konflikt?

Die katholische Kirche ist zwar eine winzige Minderheit, spielt jedoch eine wichtige Rolle bei der Förderung des friedlichen Zusammenlebens. Der Erzbischof von Adis Abeba, Berhaneyesus Demerew Kardinal Souraphiel, wurde vom Premierminister zum Vorsitzenden der Nationalen Kommission für Frieden und Versöhnung ernannt. Wir organisieren Workshops zu Friedensarbeit und Dialog. Als Minderheitskirche, die der Gesellschaft ohne ethnische oder religiöse Unterscheidung dient, ist die katholische Kirche am besten in der Lage, eine Rolle bei der Vermittlungsarbeit zu spielen.

Um die Friedensarbeit und den pastoralen Einsatz der katholischen Minderheit in Äthiopien weiterhin unterstützen zu können, bittet „Kirche in Not“ um Spenden:

Kirche in Not Deutschland

Kirche in Not Österreich

Kirche in Not Schweiz

Foto: Heilige Messe unter freiem Himmel bei Dhadim in Äthiopien © Kirche Not


Ihnen hat der Artikel gefallen? Bitte helfen Sie kath.net und spenden Sie jetzt via Überweisung oder Kreditkarte/Paypal!

 





Lesermeinungen

Um selbst Kommentare verfassen zu können müssen Sie sich bitte einloggen.

Für die Kommentiermöglichkeit von kath.net-Artikeln müssen Sie sich bei kathLogin registrieren. Die Kommentare werden von Moderatoren stichprobenartig überprüft und freigeschaltet. Ein Anrecht auf Freischaltung besteht nicht. Ein Kommentar ist auf 1000 Zeichen beschränkt. Die Kommentare geben nicht notwendigerweise die Meinung der Redaktion wieder.
kath.net verweist in dem Zusammenhang auch an das Schreiben von Papst Benedikt zum 45. Welttag der Sozialen Kommunikationsmittel und lädt die Kommentatoren dazu ein, sich daran zu orientieren: "Das Evangelium durch die neuen Medien mitzuteilen bedeutet nicht nur, ausgesprochen religiöse Inhalte auf die Plattformen der verschiedenen Medien zu setzen, sondern auch im eigenen digitalen Profil und Kommunikationsstil konsequent Zeugnis abzulegen hinsichtlich Entscheidungen, Präferenzen und Urteilen, die zutiefst mit dem Evangelium übereinstimmen, auch wenn nicht explizit davon gesprochen wird." (www.kath.net)
kath.net behält sich vor, Kommentare, welche strafrechtliche Normen verletzen, den guten Sitten widersprechen oder sonst dem Ansehen des Mediums zuwiderlaufen, zu entfernen. Die Benutzer können diesfalls keine Ansprüche stellen. Aus Zeitgründen kann über die Moderation von User-Kommentaren keine Korrespondenz geführt werden. Weiters behält sich kath.net vor, strafrechtlich relevante Tatbestände zur Anzeige zu bringen.


Mehr zu

Äthiopien

  1. Äthiopien: Menschen in der umkämpften Region Tigray „stehen am Rand des Abgrunds“
  2. Äthiopien: „Wir können in friedlicher Koexistenz leben“
  3. Bahnbrechende ökumenische Konferenz in Addis Abeba gestartet
  4. Erpresste Glaubenszugehörigkeit in Äthiopien






Top-15

meist-gelesen

  1. EILT - Sommerspende für kath.net - Bitte helfen SIE uns JETZT!
  2. Ostern 2027 in Rom - Große kath.net-Leserreise!
  3. Regierung von Pennsylvania will Begriffe ‚Mutter‘ und ‚schwangere Frau‘ streichen
  4. Warum Sie am 17. September in die Kinos gehen sollten!
  5. Musikvideo zeigt Frau bei ‚Abtreibungsritual‘ auf der Toilette
  6. Katholische Gebetsinitiative in den USA: ‚Millions of Monicas‘
  7. Zehn Jahre heilig: Feier für Mutter Teresa im Stephansdom
  8. Der Vatikan ringt um die Definition der "Umweltsünde"
  9. Die konzilswidrige deutsche Synodalkonferenz
  10. Bischof Timmerevers legt sein Amt als Bischof von Dresden-Meißen nieder
  11. Die Kirche mitten in der Welt
  12. Nicht mehr ernst zu nehmen
  13. Französischer Bischof Mica: Der Papst ist in der Rupnik-Frage „wirklich sehr entschlossen“
  14. Als Mutter Teresa im Wiener Stephansdom zu Gebet und Lebensschutz aufrief
  15. Auf Christus schauen!

© 2026 kath.net | Impressum | Datenschutz