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Kardinal Zen: Manipuliert Kardinal Parolin den Papst?

6. Dezember 2019 in Weltkirche, 11 Lesermeinungen
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In der Chinapolitik des Vatikan habe es in den letzten Jahren einen Kurswechsel gegeben. Dafür sei der jetzige Staatssekretär Pietro Parolin mitverantwortlich, sagt der ehemalige Erzbischof von Hongkong.


Vatikan (kath.net/jg)
Joseph Kardinal Zen (Foto), der ehemalige Erzbischof von Hongkong, hat erneut Kritik an der Vereinbarung zwischen der Volksrepublik China und dem Vatikan geübt. Er warf dem Vatikanischen Staatssekretär Parolin vor, den Papst in dieser Sache schlecht zu beraten, berichtet der Catholic Herald.

„Ich habe den Eindruck, dass Parolin den heiligen Vater manipuliert“, sagte Zen in einem Interview mit dem taiwanesischen New Bloom Magazine.

„Es ist ein echtes Geheimnis wie ein Mann der Kirche mit all seinem Wissen über China und die Kommunisten das tun kann, was er jetzt tut“, fügte Zen hinzu. Er kenne die Motive Parolins nicht. Möglicherweise stecke hinter dem Verhalten des Staatssekretärs ein starker Wunsch nach einem großen diplomatischen Erfolg, mutmaßte der ehemalige Erzbischof von Hongkong.

Die in Einheit mit Rom stehende katholische Kirche in China existiert seit Jahren im Untergrund. Das kommunistische Regime hat die „Chinesische Patriotische Katholische Vereinigung“ gegründet, deren Bischöfe nicht vom Vatikan anerkannt worden sind. Im September 2018 unterzeichneten der Vatikan und die Volksrepublik China ein Abkommen, das die Ernennung der Bischöfe regelt. Details der Vereinbarung sind nicht bekannt. Laut Bericht des Catholic Herald gibt es Meldungen, dass die „Patriotische Katholische Vereinigung“ eine Kandidatenliste erstellt, aus welcher der Papst einen Bischof auswählt.


Kardinal Zen hat das Abkommen wiederholt scharf kritisiert und als Kapitulation gegenüber der kommunistischen Regierung Chinas bezeichnet. Er hat die Geheimhaltung des Abkommens bemängelt, die so weit geht, dass nicht einmal er als einer von zwei chinesischen Kardinälen Einsicht nehmen konnte.

Im Interview mit dem New Bloom Magazine skizzierte er die Entwicklungen der Vatikanischen Chinapolitik der letzten Jahrzehnte, in der es eine wesentliche Verschiebung gegeben habe.

In den 1980er-Jahren habe der Slowake Jozef Kardinal Tomko die Kongregation für die Evangelisierung der Völker geleitet. Unter seiner Leitung habe es wiederholt Treffen mit Bischöfen und Experten aus verschiedenen Teilen Chinas gegeben, die dem Vatikanischen Staatssekretariat und der Kongregation für die Evangelisierung der Völker einen Bericht über die Lage in dem kommunistisch regierten Land gegeben hätten.

Nach der Emeritierung Tomkos 2001 hätte sich der Kurs des Vatikan gegenüber China geändert. Zen warf Mitarbeitern des Vatikan vor, sie hätten einen Text, den Papst Benedikt XVI. an die Kirche in China geschrieben hatte, in der chinesischen Übersetzung manipuliert und eine vom Papst eingesetzte Chinakommission auf das Abstellgleis manövriert.

Hinter dem neuen Kurs seien Ivan Kardinal Dias, Präfekt der Kongregation für die Evangelisierung der Völker von 2006 bis 2011, und Pietro Parolin, damals Untersekretär des Vatikanischen Staatssekretariats, gestanden. Er selbst sei trotz seiner Position als Erzbischof von Hongkong in Rom nicht mehr gehört worden. Zen ist 2009 als Erzbischof emeritiert.

2010 habe es bereits Gerüchte über ein Abkommen zwischen dem Vatikan und China gegeben, das aber nie zustande gekommen sei. „Ich habe keinen Beweis, aber ich gehe davon aus, dass es Papst Benedikt war, der Nein gesagt hat“, sagt Kardinal Zen.

Sein persönliches Verhältnis zu Papst Franziskus sei großartig, betonte er. Trotzdem habe der Papst seine Bedenken, die er gegenüber dem China-Abkommen von 2018 geäußert habe, nicht beantwortet. Im Interview erzählt er von seinem Versuch, einen Gesprächstermin mit Papst Franziskus zu bekommen. Die erste Anfrage sei unbeantwortet geblieben, auf die zweite habe er die Antwort bekommen, er solle sich mit Kardinal Parolin treffen. Zen lehnte ab und wurde daraufhin zum Abendessen mit Kardinal Parolin und Papst Franziskus eingeladen.

Ein Abendessen sei keine Zeit für einen Streit, sagt Zen, deshalb habe er nur von Hongkong erzählt. Nach dem Essen habe er Papst Franziskus gefragt, was er von seinen Einwänden zum Abkommen mit China halte. Papst Franziskus habe geantwortet: „Oh, oh, ich werde mir das anschauen“ und habe ihn zur Tür begleitet.

Er habe den Eindruck gehabt, der Papst werde von Kardinal Parolin manipuliert. Er befürchte, dass der Papst die schismatische Patriotische Vereinigung legitimiere. Die Mitglieder der Untergrundkirche, die Jahrzehnte der Verfolgung erduldet hat, seien verwirrt und verunsichert. Priester müssten ihre Zugehörigkeit zur Patriotischen Vereinigung schriftlich bestätigen, bevor sie ihren Dienst öffentlich ausüben können, erinnert der Kardinal.

Die kommunistische Partei werde die Katholische Kirche nie tolerieren, außer sie könne diese kontrollieren, warnt Kardinal Zen.


- Weitere kath.net-Beiträge über Kardinal Zen


© Foto: Kirche in Not


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