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Armenien - Der älteste christliche Staat der Welt
 
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Armenien hat einen Rekord inne: es ist der älteste christliche Staat in der Geschichte.

Jerewan (Fides)
Die Bekehrung des armenischen Reiches zum Christentum fand bereits im Jahr 301 statt und zwar war sie Werk des hl. Gregorios des Erleuchters. Als erster bekannten sich der König und seine Familie zum Christentum und später das ganze Volk. Die erste christliche Verkündigung in dieser Region scheint jedoch sogar bis auf die Apostel Thaddäus und Bartholomäus zurückzugehen (1. Jh. n.Chr.).

Die armenisch-apostolische Kirche

Die armenische Kirche spaltete sich im 6. Jahrhundert von Rom ab: darüber sind sich fast alle Historiker einig. Aufgrund interner Schwierigkeiten (der Krieg zwischen Armenien und Persien) nahmen die armenischen Bischöfe nicht am 4. Ökumenischen Konzil teil, das in Chalchedon (451) stattfand, wobei die Meinungsverschiedenheiten über die monphysitische Irrlehre trotzdem auf sie Einfluß nahmen. Das Konzil von Dvin (553-555) wandte sich gegen die Beschlüsse von Chalchedon und wird deshalb als Geburtsort der autokephalen armenischen Kirche betrachtet. Unter der offizielle Bezeichnung „ Armenisch-apostolische Kirche" gehört die armenische Kirche zu den „Orthodoxen Ostkirchen", die nur die drei ersten Ökumenischen Konzile anerkennen.

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Oberhaupt der Armenischen Kirche ist der Katholikos, der nach häufigen Umzügen infolge politischer Unruhen seit 1441 endgültig beim ursprünglichen Sitz in Etschmiadsin residiert. Gegenwärtig ist seine Heiligkeit Karekin II. Nersissian Katholikos aller Armenier (er ist der 132. Oberste Patriarch und Katholikos aller Armenier und wurde am 26. Oktober 1999 gewählt). Ein weiteres selbständiges Katholikat gibt es in Libanon und aus der Zahl der Diözesen herausgehoben sind die Patriarchate von Jerusalem und Konstantinopel. Die meisten im eigenen Land und im Ausland lebenden (rund 8 Millionen) Armenier gehören der armenisch-apostolischen Kirche an.

Die katholische Glaubensgemeinschaft

Rund 10% der in der Heimat und in der Diaspora lebenden Armenier gehören der katholischen Gemeinschaft der unierten Armenier an: obschon es sich dabei um offizielle Angaben handelt, sind sie nicht unbedingt zuverlässig, da es keine amtlichen Melderegister gibt. Für diese katholischen Armenier gibt es ein selbständiges Katholikat-Patriarchat, das 1742 mit Sitz in Bzummar (Libanon) gegründet wurde. 1999 wählte der Synod der armenisch katholischen Bischöfe Nersed Bedros XIX. zum Katholikos aller katholischen Armenier.

Die heutige katholische armenische Glaubensgemeinschaft entstand infolge der Migrationsbewegungen im 19. Jahrhundert, nachdem ein Großteil der armenischen Bevölkerung auf der Flucht vor der osmanischen Herrschaft im russischen Reich Schutz suchten. Sie ließen sich insbesondere in den Provinzen des heutigen Armenien und Georgien nieder.

Die Armenier errichteten Dörfer, Kirchen, Schulen und Krankenhäuser und schlossen sich in Gemeinschaften mit eigenen Gemeindepfarrern zusammen. Die katholisch armenische Hierarchie setzte sich insbesondere aus Diözesanpriestern und Mönchen mechitarisitscher Prägung zusammen.

Gegen Mitte des 19. Jahrhunderts entstanden in der Region die ersten kirchlichen Strukturen und Organisationen. 1909 ernannte der Papst Sarghis Der-Abrahamian zum ersten Apostolischen Administrator für den Kaukasus, der dieses Amt bis zur Ankunft des kommunistischen sowjetischen Regimes innehatte. 1916 bestand die katholische armenische Gemeinschaft aus 7 Kirchsprengeln (Shirak, Lori, Akhalkalak, Akhaltsekha, Ardvin, Karin und Krim), 86 Pfarreien und 71 Gemeindepfarrern, die insgesamt 172 Dörfer betreuten. In der Region waren unterdessen 70 Pfarrkirchen errichtet worden. Die Anzahl der Gläubigen betrug damals rund 60.000, wobei die Zahl der katholischen Armenier auf rund 200.000, wenn man die in Georgien und Russland lebenden Gläubigen hinzuzählte. Mit der Machtübernahme des sowjetischen Regimes begann die Verfolgung der katholischen Armenier: unter Stalin (1936-1939 wurden rund 40 Priester ermordet und zahlreiche Kirchen wurden entweder zerstört oder für staatliche Zwecke benutzt.

Eine neue Zeit

Nach dem Zusammenbruch des sowjetischen Regimes errichtete Papst Johannes Paul II. eine neue armenische katholische Hierarchie und ernannte den Mechitaristen P. Nereses Der-Nersessian zum Ordinarius für alle katholischen Armenier Osteuropas (Armenien, Georgien, Ukraine und Russland). Am 17. November 1992 wurde P. Nerses Der-Nersessian zum Bischof geweiht.

Im Oktober 1991 konnte in Ashotsk auch das Krankenhaus „Redemptoris Mater" eingeweiht werden, das der Papst als Schenkung an das armenische Volk gewünscht hatte. Damit sollten vor allem die Schmerzen der armenischen Bevölkerung gelindert werden, die im Dezember 1988 von einem schrecklichen Erdbeben betroffen war, bei dem 25.000 starben und 700.000 obdachlos wurden. Die Leitung des Krankenhauses übernahm der Kamillianerorden.

Die armenisch katholische Kirche ist in Armenien seit 1992 mit eigenen vom Staat anerkannten Statuten offiziell registriert. Der offizielle Sitz des Ordinariats befindet sich in Gyumri. Eine weitere offizielle Registrierung mit neuen Statuten fand im Jahr 2000 statt. In der Region Shirak wurden zahlreiche Kirchen restauriert. In den Provinzen Tashir und Ashotsk, wartet man noch auf den Beginn der Restaurierungsarbeiten. In vielen Dörfern müssen Kirchen neu gebaut werden.

Dem Ordinarius stehen nur wenige Priester zur Seite: 4 in Armenien und 4 in Georgien. Neun Schwestern von der armenischen Kongregation von der Unbefleckten Empfängnis, drei Eucharistinerinnen, sechs Salesianerinnen und sechs Missionarinnen von der Nächstenliebe und sind aktiv im Rahmen der christlichen Erziehung der Kinder engagiert und betreuen Waisenkinder und behinderte Kinder. Zwei Ordensschwestern sind als Krankenschwestern im Krankenhaus von Ashotsk tätig. Im Herzen der Katholiken ist der Glaube sehr lebendig. Ältere Gläubige erzählen oft von schrecklichen Erinnerungen aus der Vergangenheit und von den bitteren Früchten des atheistischen Regimes. Sie sind ganz besonders dankbar für die Wiedereröffnung der Kirchen und die Möglichkeit, die sich ihnen heute bietet, die Worte des Evangelium in Freiheit zu hören.

Zu den größten Problemen dieser Kirche gehört die Priesterausbildung. 1994 wurde in Gyumri ein Kleines Seminar eröffnet, das heute von rund einem Dutzend Schülern besucht wird. Die Großen Seminaristen studieren Philosophie und Theologie am Päpstlichen Armenischen Kolleg in Rom.

Seit der Zeit des 1994 verstorbenen Katholikos Vasgen I. waren die Beziehungen zwischen den Gemeinschaften der armenischen Katholiken und den Mitgliedern der Apostolischen Armenischen Kirche auf ein freundschaftliches und respektvolles Verhältnis ausgerichtet. Deshalb gab es zwischen den Religionsführern und Gläubigen der beiden Gemeinschaften zahlreiche Gesten der Freundschaft, darunter die Feiern zum 100. Geburtstag des armenischen Kardinals Agagianinan, der zunächst Partriarch der armenischen Katholiken war und später als Kurienkardinal die Kongregation für die Evangelisierung der Völker leitete. Bei diesem Anlaß wurde die Figur des in der Zeit der atheistischen Herrschaft oft diffamierten armenischen Kardinals erstmals offiziell gewürdigt. Positive Auswirkungen hatten auch die freundschaftlichen Beziehungen zwischen Papst Johannes Paul II. und Katholikos Karekin I. Zu den bedeutendsten Gesten dieser Freundschaft gehörte die Einladung an den Katholikos die Meditation für den Kreuzweg am Kolosseum für den Karfreitag des Jahres 1999 zu verfassen.

Der armenische Ritus

Die armenische Kirche, sowohl die katholische als auch die apostolische, hat einen eigenen liturgischen Ritus, nämlich den armenischen Ritus, der innerhalb der fünf Hauptriten der christlichen orientalischen Kirchen als eigenständiger Ritus betrachtet wird. Der armenische Ritus entstand im 5. Jahrhundert als es zu einer wahren Blütezeit der armenischen Literatur gekommen war. Im Jahr 407 erfand der hl. Mesrop Maschtotz als damals noch junger Mönch aus missionarischen Gründen ein Alphabet in armenischer Sprache, das es bis dahin nicht gab.

In der armenische Liturgie lassen sich syrische, byzantinische und lateinische Einflüsse erkennen; sie hat einen choralen Rythmus, wunderbare Paramente und ihre Gesänge gehören zu den faszinierendsten Werken der orientalischen Kirchenmusik.

Zu den wichtigsten Kennzeichen des armenischen Ritus gehört die Feier der Eucharistie mit ungesäuertem Brot, das am selben Tag gebacken wurde und das Fehlen des Vermengung von Wasser und Wein. Zu den eindrucksvollsten Riten der armenischen Liturgie gehören: die Segnung des Taufwassers (Djrorhnekh), das Fest der Epiphanie, der Ritus der Öffnung der Pforte (Drnbatsekh) nach der Vesper am Palmsonntag; die Segnung der Felder und der Welt.

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