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Ungarns Bischöfe äußern sich zu "drängendsten" sozialen Problemen

22. Dezember 2019 in Chronik, 1 Lesermeinung
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Erstes Sozialrundschreiben seit Mitte der 1990er Jahre - Demografische Krise und Familie, Armut, Bildung und Fluchtbewegungen im Fokus.


Budapest (kath.net/ KAP)
Komplexe gesellschaftliche Themen "im Licht des Glaubens zu sehen": Dazu will ein neuer Hirtenbrief anregen, den die katholischen Bischöfe in Ungarn in Vorbereitung auf den Internationalen Eucharistischen Weltkongress veröffentlicht haben, zu dem im September 2020 Gläubige aus aller Welt in Budapest erwartet werden. Teils ungewohnt deutlich nehmen die Bischöfe darin zu den aus ihrer Sicht "drängendsten" gesellschaftlichen und sozialen Fragen Stellung: demografische Krise und Familie, Armut, Bildung und die Fluchtbewegungen.

Das Hirtenwort unter dem Titel "Erneuerung in Liebe" ist das erste Sozialrundschreiben des ungarischen Episkopats seit Mitte der 1990er Jahre. Das Evangelium sei in der Lage, "die Gesellschaft zu erneuern, um sie nach Gottes Willen menschlicher zu machen", halten die Bischöfe fest. Weigerten sich Menschen zu glauben, drohten Gesellschaften "langsam ihre innere Stärke zu verlieren"; die Beziehung zu Gott sei auch in sozialer Hinsicht so etwas wie ein "Lebenselixier" für Gesellschaften. Wer nach dem Evangelium lebe, müsse wo notwendig auch ungerechten gesellschaftlichen Strukturen die Stirn bieten. "Als Anhänger von Einheit und Frieden können wir gegen heutige Formen rücksichtsloser Bereicherung und Erniedrigung Widerstand leisten", schreiben die Bischöfe.

Blick auf Armut im Land

Besonders kritisch analysiert der Hirtenbrief das "sichtbare Elend" in Ungarn und die Armutssituationen, in denen viele ältere Menschen und Kinder leben. "Wenn wir den Schrei der Armen nicht hören, dann ist unser Christentum tot", halten die Bischöfe fest. Es sei unerlässlich, dass jeder Mensch versuche, seinen Lebensunterhalt zu sichern und ihre Familien sie unterstützten. "Gleichzeitig ist es sowohl für die ungarische Gesellschaft als auch für die Kirche eine vorrangige und dringende Aufgabe, den Ärmsten, den Alten und den Schwachen zur Seite zu stehen."

20.000 Obdachlose gibt es laut den Kirchenvertretern landesweit, denen dringend geholfen werden müsse. Gleiches gelte für die Angehörigen der Roma, wiewohl die Armutsproblematik in Ungarn weit über diese Bevölkerungsgruppe hinausgehe. Zehntausende Familien hätten "nicht einmal das Notwendigste zum Leben. Für Kinder, die unter solchen Umständen aufwachsen, ist es äußerst schwierig, aus Armut und Armut auszubrechen", so die Bischöfe.

Auch lebten viele ältere Menschen allein und verlassen. In diesem Zusammenhang fordern die Bischöfe mehr Unterstützung für den Bereich der häuslichen Pflege. Pflegende Angehörige bräuchten mehr Hilfe, ebenso gehörten Pflegeberufe aufgewertet. Kritisch verweisen die Bischöfe in ihrem Hirtenwort auch darauf, dass eine große Zahl junger Ungarn seit der Wende 1989 wegen Arbeitslosigkeit und fehlenden Verdienstmöglichkeiten aus ihrem Heimatland ausgewandert sind. Dies habe dazu geführt, dass familiäre Gemeinschaften nicht mehr so stark sind wie früher. Die Solidarität zwischen den Generationen sei geschwächt.

Familie, Lebensschutz, Bildung

Beim Thema "demographische Krise und Familie" spricht sich der ungarische Episkopat ausdrücklich für die Erneuerung einer christlichen Kultur zur Förderung der Familie und des Lebensschutzes aus. "Im Namen extremer liberaler Ideen" würden Ehe und Familie als Institution - ebenso wie der Glaube an Gott - heute in vielen Ländern in Europa und Amerika angegriffen, kritisieren die Bischöfe. In ihrem Hirtenwort bekräftigen sie das kirchliche Nein zu Abtreibung und Verhütungsmitteln und rufen den Gesetzgeber auf, dies zu respektieren. Hilfe für Schwangere in Existenznot müsse ausgebaut werden.

Ausdrücklich bekräftigt der ungarische Episkopat auch den Wert des christlichen Familienbilds und der Ehe von Mann und Frau. In einer ständigen Anwesenheit der Mutter im ersten Lebensjahr nach der Geburt sehen die Bischöfe zudem "die beste Garantie" für eine gute Entwicklung von Kindern. Es müssten die Voraussetzungen geschaffen werden, damit Mütter ihre Kinder zu Hause betreuen könnten, heißt es im Hirtenbrief. Gefordert wird zudem eine bessere finanzielle Abgeltung von familiär erbrachten Kinderbetreuungsleistungen.

"Katholische Bildungseinrichtungen betrachten die Bildung und Ausbildung aller gesellschaftlichen Schichten und Gruppen als ihre Aufgabe", halten die Bischöfe in einem weiteren Teil ihres Rundschreiben fest. Sie antworten damit indirekt wohl auf die auch in der ungarischen Gesellschaft immer wieder vorgebrachte Kritik, wonach an katholischen Privatschulen vor allem Elitenbildung betrieben werde. Im Fokus katholischer Schulerziehung stünde das von den Kirchen vertretenen ganzheitlichen Bildungsideal, erinnert das Hirtenwort.

Flüchtlinge: "Aufnahmestaat muss abwägen"

Die weltweiten Fluchtbewegungen von Menschen stehen im Schlussteil des bischöflichen Rundschreibens im Zentrum. Vor dem Hintergrund der insbesondere in Westeuropa kritisierten Flüchtlingspolitik Ungarns enthält das Hirtenwort zu diesem Thema eine differenzierende Stellungnahme, die auch die unterschiedlichen Positionen innerhalb der ungarischen Kirche in dieser Frage widerspiegelt.

"Kriege, Misswirtschaft, unterdrückende oder unzureichende politische Systeme und bewaffnete Gruppen, die oft ganze Regionen terrorisieren", aber auch "die enorme wirtschaftliche Ungleichheit und Ungerechtigkeit auf unserem Planeten", machen die ungarischen Bischöfe als Hauptursachen für Fluchtbewegungen aus. Der Klimawandel gefährdet die Lebensgrundlagen in einigen Weltregionen, überhaupt hätten 17 Prozent der Weltbevölkerung haben keinen Zugang zu sauberem Trinkwasser, erinnern die Bischöfe.

Der Episkopat betont, es sei wichtig, den ärmeren Ländern wirtschaftliche und professionelle Hilfe zu leisten, "um ihren Bürgern vor Ort einen angemessenen Lebensunterhalt zu sichern". Jeder Mensch habe aber das Recht auf persönliche Sicherheit und ein menschenwürdiges Leben, erinnern die Bischöfe. Sei dies in großem Maß gefährdet, könnten Menschen auswandern.

Gleichzeitig müsste der Aufnahmestaat "abwägen, wie viele Einwanderer er aufnehmen kann, damit Sicherheit und Existenzgrundlage nicht direkt bedroht ist", so die Bischöfe. "Der Staat hat das Recht Asylbewerber an der Grenze aufzuhalten und über ihre Anträge zu entscheiden". Grenzen und deren Schutz dienten dem Erhalt von Kultur, Sicherheit und dem Bestand einzelner Länder.

Flüchtlinge hätten zudem die Pflicht Gesetze der Aufnahmeländer einzuhalten und zu respektieren, das materielle und geistige Erbe seines Gastlandes dankbar zu achten und Lasten mit zu tragen, verweisen die ungarischen Bischöfe auf eine entsprechende Bestimmung im Katechismus der katholischen Kirche. "Sollte ein Einwanderer die nationale Kultur, Religion und Werte nicht respektieren, könne er nicht erwarten, dass er aufgenommen wird", heißt es im Rundschreiben der Bischöfe.

Schon im November veröffentlicht

In der breiten Öffentlichkeit in Ungarn wurde der bereits Mitte November veröffentlichte Rundbrief bisher kaum wahrgenommen. Viel dafür unternommen hat die Bischofskonferenz bisher aber auch nicht, wie die Tageszeitung "Nepszava" in einem erst Mitte Dezember erschienenen Bericht über das Hirtenwort anmerkt. So sei das bischöfliche Schreiben, das gerade beim Thema Armutsbekämpfung auch die Regierung in die Pflicht nimmt, etwa beim traditionellen Pressebriefing nach der jüngsten Bischofskonferenz-Versammlung Anfang Dezember kein Thema gewesen.

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Lesermeinungen

 Stefan Fleischer 22. Dezember 2019 

Ja, es gibt viele drängende Probleme

in dieser Welt. Die Kirche muss nur aufpassen, dass sie das drängendste nicht vernachlässigt; das ewige Heil des Menschen. Das ist ihr Auftrag, ihre Sendung. Je besser sie diesen Auftrag erfüllt, desto mehr trägt sie auch zum irdischen Heil des Menschen bei. Je mehr sie diesen vernachlässigt, desto mehr hat der Widersacher freie Hand. Das gilt übrigens auch für jeden Einzelnen von uns. Je besser wir unseren eigenen Weg zur ewigen Heimat gehen, desto heiler wird die Welt um uns herum und so schliesslich die ganze Welt. Auch Christus ist ja nicht gekommen, die Probleme dieser Welt zu lösen, sondern um «sein Volk aus seinen Sünden zu erlösen». Er wusste genau: Die wahre Ursache allen Unheils ist die Sünde.


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