26 Dezember 2019, 09:00
Et incarnatus est de Spiritu sancto ex Maria virgine
 
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Regensburger Bischof Voderholzer bei Predigt am Christtag: "Diese Krise ist vermutlich zuallererst eine Krise des Christusglaubens, eine Krise des Glaubens in Bezug auf die Inkarnation, also in Bezug darauf, wer Jesus Christus wirklich ist."

Regensburg (kath.net)
kath.net dokumentiert die Predigt von Bischof Rudolf Voderholzer zum Hochamt am Weihnachtstag:

Liebe Schwestern und Brüder im Herrn!

Wenn wir nachher das große Glaubensbekenntnis singend beten, im Wechsel und begleitet von unserem Domchor, dann werden wir uns, das ist eines der besonderen Zeichen in der Weihnachtsmesse, an einer Stelle des Credo hinknien, und zwar wenn wir bekennen:
„… et incarnatus est de Spiritu sancto ex Maria virgine, et homo factus est. – und er hat Fleisch angenommen durch den Heiligen Geist von der Jungfrau Maria und ist Mensch geworden.“

Dieser Bekenntnissatz, der heute aus Anlass des Hochfestes der Geburt Christi im Unterschied zum übrigen, einstimmig choraliter gesungenen Credo, mehrstimmig auskomponiert sein wird, ist das Festgeheimnis von Weihnachten.
Weihnachten ist das Fest der Inkarnation Gottes, der Fleischwerdung Gottes. Gott überbietet alle Weisen der Mitteilung in Schöpfung, Berufung der Propheten, Übermittlung der 10 Gebote usw., er überbietet sie dadurch, dass er selbst in die Geschichte eingeht.

Viele Male und auf vielerlei Weise hat Gott zu uns gesprochen durch die Propheten. In dieser Endzeit nun aber hat er uns gesprochen durch den Sohn. So sagt es der Hebräerbrief, und so haben wir es in der 2. Lesung wieder gehört. Gott und seine Botschaft werden in Jesus Christus eins.

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Das Zeichen der Kniebeuge zum
Inkarnationsbekenntnis ist nicht nur ein regionaler Brauch, sondern ist ausdrücklich in den Rubriken des Messbuchs vorgesehen und somit Bestandteil der heiligen Liturgie.
Es bringt zum Ausdruck, welch zentrale Bedeutung der Glaube an die Inkarnation, an die Menschwerdung, an die Fleischwerdung Gottes für den christlichen Glauben hat.

Papst Franziskus hat in seinem Schreiben an das pilgernde Volk Gottes in Deutschland vom Juni des zurückliegenden Jahres und im Blick auf den geplanten Synodalen Weg in Deutschland von einer elementaren Krise des Glaubens in unserem Land gesprochen.

Diese Krise ist vermutlich zuallererst eine Krise des Christusglaubens, eine Krise des Glaubens in Bezug auf die Inkarnation, also in Bezug darauf, wer Jesus Christus wirklich ist.

Es besteht die begründete Sorge, dass selbst für viele Christen in unserem Land dieser Jesus von Nazaret zwar ein besonders religiöser und auf seine Weise genialer Mensch war. Dass man aber seine Botschaft letztlich doch von seiner Person trennen kann, sie mit anderen Botschaften kombinieren kann, so dass immer noch ein gewisser Sinn gewahrt bleibt. Aber „der historische Jesus ist dann nicht mehr die Offenbarkeit Gottes selbst in Raum in Zeit; nicht mehr der Weg, die Wahrheit und das Leben‘ (Joh 14,6), sondern bestenfalls einer unter anderen Wegweisern und Weisheitslehrern.

Doch: Wenn der historische Jesus nicht die Gemeinschaft mit Gott ist; wenn sich der Sinn von Welt und Geschichte nicht an ihm ablesen lässt, dann ist das zentrale Dogma des christlichen Glaubensbekenntnisses von der Fleischwerdung des göttlichen Logos nur noch Mythos oder Chiffre – kompatibel mit den Wahrheitsansprüchen anderer Religionen“ (Karl-Heinz Menke).

Die Unsicherheit und Unbestimmtheit in Bezug auf das zentrale Bekenntnis von Weihnachten, das Schwachwerden des Inkarnationsglaubens hat enorme Folgen für die übrigen Glaubensinhalte, gerade auch für die, über die jetzt beim so genannten Synodalen Weg gesprochen werden soll.

Kurt Kardinal Koch hat einmal eindrucksvoll gezeigt (vgl. Kurt Koch, Sakramentales Zeichen für den Geschenkcharakter des kirchlichen Lebens. Der heutige Priester auf der Suche nach seiner kirchlichen Identität, in: Klerusblatt 83 (2003) 170–178. Hier 170f.), wie geradezu in einem Domino-Effekt alle weiteren Glaubensinhalte fallen, wenn das zentrale Geheimnis der Inkarnation nicht mehr erfasst wird.

Denn wenn Jesus letztlich nur ein Mensch gewesen ist, wie jeder andere, dann kann schon einmal auch die Kirche nicht mehr als ein sakramentaler Organismus, nämlich als Leib Christi, wahrgenommen werden. Kirche wird zu einer soziologischen Organisation wie viele andere gesellschaftliche Institutionen auch. Dabei besteht die große Gefahr, dass die Kirche nur noch als ein Verwaltungsapparat erscheint, wie ein Skelett ohne Fleisch daherkommt und verständlicherweise statt Hoffnung und Zuversicht zu wecken eher Angst auslöst. Unser christliche Glaube aber steht und fällt mit der Überzeugung, dass der menschgewordene, für uns am Kreuz gestorbene und auferstandene Christus der Herr seiner Kirche ist, dass er in der Kraft seines Geistes in ihr gegenwärtig bleibt und sie zu seinem sakramentalen Leib macht.

Wenn Jesus nur ein Mensch und die Kirche demzufolge auch nur eine rein menschliche Institution ist, dann folgt zweitens, dass auch die Eucharistie eine bloße Veranstaltung der Kirche ist, genauerhin, um es mit Kurt Koch überspitzt zu formulieren, „ein permanentes Requiem für den toten Jesus oder gar eine liturgische Heldenfeier, nämlich ‚Totenkult‘ und damit ein weiterer Ausdruck „unserer Trauer über die Allmacht des Todes“ in der heutigen Welt (Joseph Ratzinger). Unser Glaube aber lebt von der Gewissheit, dass der in der Liturgie eigentlich Handelnde Christus selbst ist, der für uns Mensch geworden ist, der durch Kreuz und Tod hindurchgegangen und als der Erhöhte in der Kraft seines Geistes bei seiner Kirche und ihrer Feier der Eucharistie gegenwärtig ist.

Wenn Jesus nur ein Mensch gewesen, die Kirche eine rein menschliche Institution und die Eucharistie Kult eines Toten ist, dann folgt ganz konsequent, dass es drittens auch keinen Priester braucht, der der Eucharistie vorsteht, um den auferstandenen Christus sakramental, realsymbolisch in und gegenüber der Kirche zu repräsentieren und in seinem Auftrag und in seiner Person, in persona Christi capitis ecclesiae, zu handeln. Es würde genügen, wenn jemand Theologie studiert hat. Aber eine Weihe bräuchte es nicht, der Auftrag der Gemeinde würde genügen, um dieses Geschehen zu vollziehen.

Nach katholischer Überzeugung aber ist die Feier der Eucharistie gerade Höhepunkt und Quelle kirchlichen Lebens und so auch im tiefsten der Lebensort, an dem uns geschenkt wird, was uns übersteigt und was wir nicht aus uns selbst hervorbringen können. Weil Kirche-Sein nicht eine „natürliche Möglichkeit menschlicher Gemeinschaft“ ist, darum gibt es in ihr das geweihte Amt, „das nicht eine Sache der Delegation ist, sondern der sakramentalen Sendung“ (Eva-Maria Faber). Die notwendige Weihe erinnert daran, ja sie schützt und bewahrt die Tatsache, dass wir Offenbarung und Erlösung nicht selbst hervorbringen, sondern aus Gottes Gnade von außen her geschenkt bekommen und annehmen dürfen; in der Annahme freilich auch mitwirken dürfen am Heilsgeschehen. Das führt uns zu einer weiteren Konsequenz:
Denn viertens hängt ohne den Glauben an die Menschwerdung Gottes und nach Auflösung der sakramentalen Struktur der Kirche auch die Berufung zum priesterlichen Dienst oder zum Ordensleben mit seiner spezifischen Lebensform in der Luft.

Ohne den Glauben an den Mensch gewordenen und auferstandenen Christus wird die Ehelosigkeit um des Himmelsreiches willen zu einem kuriosen Unterfangen. Allenfalls, etwa im Blick auf den Dalai Lama, kann etwas dergleichen noch als exotische Askese-Form hingenommen werden. Aber die eigentliche Bedeutung, nämlich ein eschatologisches Zeichen der Hoffnung zu sein, fällt aus.

Was sollte es auch für einen Sinn haben, auf etwas menschlich so Großes und Wertvolles wie Ehe und Familie zu verzichten, wenn es kein Leben nach dem Tod gibt? Wer in der Nachfolge Jesu um des Himmelreiches willen auf die Ehe verzichtet, der verzichtet gerade nicht aus Mangel an Liebe, sondern weil er auf eine Vollendung der Liebe setzt, die über jede menschliche Erfüllung hinaus geht; und weil er in einer ganz persönlichen Beziehung zu Jesus, dem Sohn Gottes, lebt und darauf hofft, dass selbst der Tod diese Liebesbeziehung nicht beenden kann.

Wenn Jesus, und auch das ist eine Konsequenz, wenn Jesus nicht, wie wir an Weihnachten mit neuer Freude bekennen, Gottes ewiger Sohn ist, der in der Zeit Mensch geworden ist, dann ist seine Botschaft von seiner konkreten Existenz zu trennen, dann ist Maria auch nicht die Gottesmutter, und dann werden auch die Schöpfungsgegebenheiten wie die Geschlechterdifferenz, die je spezifische Berufung und Sendung von Mann und Frau beliebig und austauschbar.

Weihnachten besagt ja nicht zuletzt, und in der Oration haben wir es gebetet: Gott hat den Menschen wunderbar geschaffen und in der Sendung seines Sohnes noch wunderbarer erneuert.

Die Offenbarung Gottes schreibt sich ein in die natürliche Zeichenhaftigkeit des Gegenübers von Mann und Frau, als die Gott den Menschen geschaffen hat. Erst im Licht der Inkarnation kann auch die eheliche Verbindung von Mann und Frau zur gegenseitigen Ergänzung und zur Eröffnung von Zukunft zum Sakrament, zur sakramentalen Vergegenwärtigung von Gottes Liebe erhoben werden.

Ohne den Inkarnationsglauben wird die Welt ein seelenloses Getriebe austauschbarer Funktionen, eingeschlossen in die bloße Immanenz, und, ihrer natürlichen Zeichenhaftigkeit über sich hinaus beraubt, letztlich auch zur Materie beliebiger menschlicher Manipulation.

Bedenken wir all dies, wenn wir jetzt dann beim Credo bekennen und dazu unser Knie beugen:
„Für uns Menschen und zu unserem Heil ist er vom Himmel herabgekommen, hat Fleisch angenommen durch den Heiligen Geist von der Jungfrau Maria und ist Mensch geworden.“

Und bitten wir den Herrn, dass er alle Verantwortlichen in der Kirche Deutschlands mit der Kraft seines Geistes stärke, dass wir neue Wege finden, um den Glauben an die Menschwerdung Gottes mit all seinen heilsamen und heilbringenden Konsequenzen neu zur Sprache bringen zu können, Amen.

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