07 Januar 2020, 11:30
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"Jeder Priester hat sich bei seiner Weihe dazu verpflichtet, die Lehre der Kirche zu verkünden, die ganze, ungeschönte und unzensurierte Lehre und nicht seine eigenen Vorstellungen davon." Brief an einen Priester. Von Stefan Fleischer

Grenchen (kath.net/sf) Der Priester, welcher mit uns in dieser Zeit der Pfarrvakanz die Heilige Eucharistie feiert, schlug uns als Vorsatz für das neue Jahr vor, unseren Nächsten immer ehrlich aber liebevoll zu sagen, was uns bei ihnen stört. Das sollten wir auch ihm gegenüber tun. Wer mich kennt, weiß, dass ich mir solches meist nicht zweimal sagen lasse. Ich habe ihm also geschrieben:

Sehr geehrter Herr…

In Ihrer Neujahrspredigt haben Sie uns aufgefordert, es Ihnen zu sagen, wenn uns bei Ihnen etwas stört. Nun habe ich mich entschlossen, Ihnen zu schreiben, was mich sehr stört, ja massiv ärgert. Es betrifft zwar nicht Sie allein. Aber immer mehr muss ich Heilige Messen erleben, in welchen der Priester glaubt, die Heilige Liturgie und die vorgeschriebenen Texte «verbessern», nach seinen Vorstellungen und seinem Geschmack verändern zu dürfen und zu müssen. Das ist meines Erachtens absolut falsch.

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Einerseits ist dies meines Wissens in unserer Kirche nicht gestattet. Der Ablauf, die Gesten und die Texte sind verbindlich vorgeschrieben. Es gibt zwar Stellen, an denen Varianten möglich sind, aber auch diese sind klar vorgegeben und nicht beliebig veränderbar. Ein Priester, der sich nicht an die Vorgaben und Weisungen hält, erweckt den Eindruck der Besserwisserei und/oder der Selbstdarstellung. Zudem suggeriert er den Gläubigen, dass die Weisungen und Gebote der Kirche nicht verbindlich seien, dass man sich problemlos darüber hinwegsetzen könne. Eine solche Haltung aber führt schnell einmal dazu, auch die Lehre der Kirche, ja selbst die Gebote Gottes als unverbindlich, situativ interpretierbar, zu betrachten. Um solches zu vermeiden sollte der Priester also selbst den bloßen Eindruck vermeiden, er fühle sich als Herr über die Liturgie. Er ist ja nur als treuer Diener Gottes, der Kirche und der ihm anvertrauten Seelen geweiht.

Andererseits ist es doch so, dass jede Veränderung an vorgegebenen Texten Gefahr läuft, die Akzentsetzung, wenn nicht gar die Aussage, zu verändern. Ob Christus, der Herr, tatsächlich mit Gott dem Vater und dem Heiligen Geist lebt und herrscht, oder ob er uns einfach nur liebt, ist z.B. nach meinem Sprachempfinden nicht das Gleiche. Das kann so weit gehen, dass schließlich das Gegenteil dessen verstanden wird, was der Urheber des Textes gemeint hat. Der Priester aber ist berufen – und hat sich bei seiner Weihe dazu verpflichtet – die Lehre der Kirche zu verkünden, die ganze, ungeschönte und unzensurierte Lehre und nicht seine eigenen Vorstellungen dessen, was die Kirche lehren sollte und was nicht (mehr).

Im Weiteren schaffen solche eigenmächtige Veränderungen Unruhe und Verwirrung unter den Gläubigen. Um das Heilige Messopfer andächtig mitfeiern zu können – wie es uns unsere Kirche im ersten Kirchengebot vorschreibt – ist es wichtig, dass wir auch dann bei der Sache bleiben können, wenn wir zwischendurch mit unseren Gedanken abschweifen oder sonstwie gestört werden. Solche Störungen gibt es auch sonst noch genug, ohne dass wir uns z.B. überlegen müssen, ob wir jetzt bei diesem Priester laut mitbeten müssen, was bei einem anderen unerwünscht ist. Das war übrigens das Schöne an der alten Liturgie, dass wir dank der erhaltenen Katechese, mit den vorhandenen Hilfsmitteln und dank des regelmäßigen Gottesdienstbesuches immer genau wussten, was der Sinn der gerade gesprochenen oder gesungenen Worte und der Gesten des Priesters war, selbst dann, wenn wir z.B. in den Ferien einen Gottesdienst in einem Land mit fremder Sprache mitfeiern durften.

Wie gesagt, das betrifft nicht nur Sie allein und wird normalerweise in allerbester Absicht getan. Es wird einfach viel zu wenig überlegt, weshalb die Kirche gerade in der Liturgie auf Disziplin und Ordnung setzt. Und ein weiterer Grund ist – nach meinen Beobachtungen – dass die moderne Kirche immer mehr den Menschen ins Zentrum von allem stellt und damit das Gespür der Gläubigen, teilweise sogar der Theologen, für die ganze Größe und Herrlichkeit unseres Gottes zum Verschwinden bringt. Damit verschwindet aber auch das Gespür für den unendlichen Wert der Heiligen Eucharistie, der Quelle und Höhepunkt des ganzen christlichen Lebens. (KKK 1324). Und so wird diese im Endeffekt zu einem Event unter vielen, das einfach nur noch dazu dient das tief in uns vorhandene Bedürfnis nach Spiritualität zu befriedigen. Auf dem Markt der Freizeitangebote sind wir damit aber nur sehr bedingt konkurrenzfähig.

Wie gesagt, ich schreibe Ihnen, weil Sie uns dazu eingeladen haben. Eine Antwort erwarte ich nicht.

In der Liebe Christi, unseres Herrn und Erlösers, verbunden.

kath.net Buchtipp
Gottesbeziehung heute
Gedanken und Erfahrungen
Von Stefan Fleischer
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2015 Books on Demand
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Foto Stefan Fleischer


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