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Was Benedikt XVI. über Priestertum und Zölibat schrieb

16. Jänner 2020 in Weltkirche, keine Lesermeinung
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Beitrag des ehemaligen Papstes in vieldiskutiertem, von Kurienkardinal Sarah herausgegebenen Buch enthält Grundsatz-Überlegungen ohne Bezugnahme auf aktuelle Debatte - Von Kathpress-Korrespondent Burkhard Jürgens


Rom-Würzburg (kath.net/KAP) Der vieldiskutierte Text von Benedikt XVI. zu Priestertum und Zölibat ist auf Deutsch in der "Tagespost" publiziert worden. Er soll als ein Beitrag demnächst in mehreren Sprachen in dem Buch "Aus der Tiefe des Herzens. Priestertum, Zölibat und die Krise der katholischen Kirche" erscheinen.

Das Buch wird von Kurienkardinal Robert Sarah herausgegeben, der zunächst Benedikt XVI. als Mitautor genannt und damit Verwirrung ausgelöst hatte. Auf Deutsch soll das Buch am 21. Februar im "fe-Medienverlag" veröffentlicht werden. Als Autor ist hier einzig der auch auf dem Titelbild zu sehende Kardinal Sarah angegeben. Neben dessen Foto findet sich der Zusatz "Mit einem Beitrag von Benedikt XVI."

In seinem Aufsatz mit dem Titel "Das katholische Priestertum" entwickelt der ehemalige Papst die priesterliche Ehelosigkeit aus dem alttestamentlichen Priestertum heraus, räumt aber auch Begründungsprobleme in der Gegenwart ein. Auf eine mögliche Weihezulassung für verheiratete Männer, wie sie im Oktober auf der Amazonien-Synode im Vatikan diskutiert wurde, geht der Text nicht ein. Er trägt das Datum vom 17. September 2019.


Da die Aussagen Benedikts XVI. zum Zölibat vielfach als Affront gegen Papst Franziskus gedeutet wurden, hatten sie eine Debatte um das Verhältnis Benedikts XVI. zu seinem Nachfolger ausgelöst. Dieser erwägt, eine Priesterweihe verheirateter Diakone in seelsorglichen Notlagen zuzulassen.

Benedikt XVI. beschreibt in dem Aufsatz das christliche Priesteramt als Neudeutung, bei der in der Figur Jesu als Hohepriester "die prophetische Kultkritik und die von Mose ausgehende kultische Tradition sich verschmelzen". Die Verhältnisbestimmung zum alttestamentlichen Priesteramt sei allerdings nach dem Zweiten Vatikanischen Konzil (1962-1965) "auch für die katholische Kirche unausweichlich geworden". Das Ämterverständnis sei "mit einer ungeheuren Dringlichkeit auf uns hereingestürzt" und "bis heute zur anhaltenden Krise des Priestertums in der Kirche geworden".

Zur Begründung des Zölibats verweist Benedikt XVI. unter anderem auf den "Zusammenhang von sexueller Enthaltung und Gottesdienst"; dieser sei "im allgemeinen Bewusstsein Israels durchaus klar" gewesen. Auch bei heutigen katholischen Priestern stehe das ganze Leben "in der Berührung mit dem göttlichen Geheimnis" und verlange so "eine Ausschließlichkeit für Gott, die eine andere, das ganze Leben umgreifende Bindung wie die Ehe neben sich ausschließt". Dabei wendet sich Benedikt XVI. ausdrücklich gegen eine "negative Einschätzung des Leibes und der Sexualität"; allerdings beanspruchten der Priesterdienst und die Ehe den Menschen jeweils so, dass "beide Berufungen zugleich nicht realisierbar erschienen".

Weiter deutet er den Verzicht auf Ehe und Familie analog zum Verzicht des israelitischen Priesterstammes Levi auf Landbesitz: "In diesem Sinn hat die Kirche das Wort Klerus (Erbengemeinschaft) gedeutet. In den Klerus eintreten heißt: Auf ein eigenes Lebenszentrum zu verzichten und Gott allein als Träger und Garant seines Lebens anzunehmen." Der Zölibat ist aus Sicht Benedikts XVI. ferner Ausdruck eines vorbehaltlosen Dienstes und "wahrer Freiheit".

Bei seinen Ausführungen bezieht sich Benedikt XVI. unter anderem auf seine Bücher "Der Geist der Liturgie" und "Jesus von Nazareth". Auch reflektiert er Erfahrungen seiner eigenen Priesterweihe im Jahr 1951.

Ausnahmeregelungen für verheiratete Priester, wie sie Benedikt XVI. selbst während seiner Amtszeit als Papst für katholisch gewordene, ehemals anglikanische Geistliche verfügte, sind nicht Gegenstand des Beitrags. Auch auf den Umstand, dass in den katholischen Ostkirchen der verheiratete Priester den Normalfall bildet, geht Benedikt XVI. nicht ein.

Copyright 2020 Katholische Presseagentur KATHPRESS, Wien, Österreich


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