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Die Not der Christen erkennen

1. Februar 2020 in Weltkirche, keine Lesermeinung
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Pater-Werenfried-Jahresgedenken 2020 von „Kirche in Not“ in Köln


München-Wien (kath.net/KIN)
Der bevorstehende 100. Geburtstag des heiligen Papstes Johannes Paul II., die Beziehung der Päpste zum Hilfswerk „Kirche in Not“ sowie die Situation der Christen im Nahen Osten standen im Mittelpunkt des diesjährigen Jahresgedenkens an den Gründer des weltweiten päpstlichen Hilfswerks, Pater Werenfried van Straaten (1913-2003), am vergangenen Samstag in Köln. Mehr als 300 Freunde und Förderer kamen im Maternushaus zusammen.

In einem Vortrag ging die langjährige Generalsekretärin von „Kirche in Not“, Antonia Willemsen, auf die Verbindung der Päpste zum Hilfswerk ein, das im Jahr 2011 von Papst Benedikt XVI. zu einer päpstlichen Stiftung erhoben wurde. Demnach war es Papst Pius XII., der sich nach dem Zweiten Weltkrieg an den Generalabt der Prämonstratenser wandte und um Hilfe für die heimatvertriebenen Deutschen bat. Mit diesem Anliegen wurde schließlich der damals noch junge Werenfried van Straaten beauftragt – quasi die Initialzündung des Hilfswerks „Kirche in Not“, das heute in rund 140 Ländern tätig ist.

Auch mit den Nachfolgern Johannes XIII. und Paul VI. pflegte van Straaten gute Kontakte, so dass sich die Aufgaben und die Liste der Projektländer des Hilfswerks erweiterten. Mit einer Bitte von Johannes Paul II. sei auch die Hilfe für die russisch-orthodoxe Kirche ins Programm von „Kirche in Not“ gekommen. „Das Prinzip von Werenfried, dass eine Bitte des Heiligen Vaters ein Befehl für uns ist, hat dazu geführt, dass das Werk zu entscheidenden historischen Momenten einen Kurs genommen hat, der richtungsweisend für die Zukunft war“, so Willemsen.

Über Papst Johannes Paul II. und dessen Erbe sprach der langjährige zweite Sekretär des Pontifex, Mieczysław Mockrczycki. Trotz eines vollen Terminkalenders habe der Papst sich viele Stunden dem Gebet gewidmet, berichtete er. Er sei als Vorgesetzter zwar fordernd, strukturiert und direkt gewesen, dennoch habe er stets eine Ruhe ausgestrahlt. Papst Johannes Paul II. habe absolutes Vertrauen in Gott und die Muttergottes gehabt und ihnen sein ganzes Leben gewidmet.

Auch die Weitsicht des Papstes ist seinem ehemaligen Sekretär in Erinnerung. „Er hat uns die Offenheit gelehrt, auch gegenüber anderen Glaubensbekenntnissen“, so Mockrczycki. Für ihn seien es vor allem drei Meilensteine, die das Pontifikat von Johannes Paul II. ausmachen: die Öffnung der Kirche in die Welt und die zahlreichen Reisen zu den Gläubigen, der Zerfall des Kommunismus ohne Blutvergießen und die Betonung der christlichen und katholischen Werte sowie das Leben als Wert an sich.

Über die Lage der Christen im Nahen Osten sprachen Kyrillos William Samaan, koptisch-katholischer Bischof aus Assiut in Ägypten, und Oliver Maksan, Chefredakteur der Wochenzeitung „Die Tagespost“, der viele Jahre in Jerusalem gewohnt und die Region häufig bereist hat. „Die Lage ist ernst“, so Maksan, dennoch gebe es einige Zeichen der Hoffnung im Zusammenleben der Christen und Muslime. Der Terror des sogenannten Islamischen Staates (IS) hätte es auf die Spitze getrieben, so dass sich immer mehr Muslime von dieser radikalen Art des Islamismus abwendeten. „Theologisch ist etwas in Bewegung. Durch den islamistischen Terror schlägt das Pendel nun in eine andere Richtung“, so Maksan.

Das stellt auch Bischof Samaan im Alltag fest. Dem ägyptischen Präsidenten, selbst Muslim, sei es wichtig, dass auch Kirchen im Land präsent seien. Viele Muslime kauften sich christliche Bücher und gratulierten zu christlichen Festtagen. Trotz Versuche radikaler Islamisten, durch Terror die Regierung in Ägypten in eine kritische Situation zu bringen, habe der IS nicht Fuß fassen können, weil sich die Ägypter als eine gemeinsame Volksgruppe verstünden.

Beide Gesprächsteilnehmer bewerteten den Besuch von Papst Franziskus in den Vereinigten Arabischen Emiraten vor rund einem Jahr und die dort von christlichen und muslimischen Vertretern unterschriebene Erklärung als wichtiges Zeichen und Erfolg. Damit es nicht nur bei Absichten bleibe, sei ein Komitee gegründet worden, um die erklärten Ziele auch umzusetzen, so Samaan.

Trotz dieser positiven Ansätze und Anzeichen im Zusammenleben in einem muslimischen Umfeld, bestünde in manchen Ländern im Nahen Osten durchaus die Gefahr, dass das Christentum aussterbe. „Die Menschen fühlen sich nicht mehr sicher“, brachte es Maksan auf den Punkt. Bischof Samaan stellte aus seiner alltäglichen Erfahrung aber auch klar: „Die orientalischen Christen haben eine große Hoffnung. Ihr Leiden erleben sie als eine Gnade Gottes.“

Der Begegnungstag für Freunde und Wohltäter des Hilfswerks begann mit einem Gottesdienst im Kölner Dom, der musikalisch vom Kevelaerer Männer-Gesangverein gestaltet wurde. In seiner Predigt betonte der Geistliche Assistent von „Kirche in Not“ International, Pater Martin Barta, dass auch im Leiden ein Sinn sei und Jesu Leiden am Kreuz als Weg zum Heil wahrgenommen werden sollte. In Bezug auf Pater Werenfried sagte er: „So wie Paulus auf dem Weg nach Damaskus Jesus als notleidenden Christus erlebt hat, so hat auch Pater Werenfried in seiner Arbeit die Not Christi erkannt.“ Dies sei maßgeblich für sein Wirken und die Mission des Hilfswerks „Kirche in Not“ gewesen.


Foto: Priester aus unterschiedlichen Teilen der Welt während der Heiligen Messe im Kölner Dom zu Beginn des Pater-Werenfried-Jahresgedenkens.
© Kirche in Not


Weitere Informationen und Spendenmöglichkeiten:

Kirche in Not Deutschland

Kirche in Not Österreich

Kirche in Not Schweiz


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