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Angelus in der Zeit der Seuche

8. März 2020 in Aktuelles, 6 Lesermeinungen
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Papst Franziskus kommentiert das Evangelium von Tag und bringt seine Sorge um die sogenannten Flüchtlinge an der griechischen Grenze zum Ausdruck: die ‚Priorität’. Nähe zu den Menschen, die an der Seuche leiden. Von Armin Schwibach


Rom (kath.net/as) „Spettrale“ sagen die Italiener, gespenstisch die Deutschen. Angelus am zweiten Fastensonntag „Reminiscere“, dritter Sonntag der Coronavirus-Zeit. Gespenstisch: mit dem Papst und gleichzeitig ohne den Papst, seit vielen Jahren das erste Mal. Das Fenster der ehemaligen Papstwohnung blieb leer, das erste Mal seit den großen gesundheitlichen Problemen Johannes Pauls II. „Da und nicht da“: Franziskus trat nicht ans Fenster, sondern vor die Fernsehkamera in der Bibliothek der ehemaligen Papstwohnung im Apostolischen Palast, um sich nach einer Woche auffälliger Abwesenheit „Urbi et Orbi“ in einem Live-Stream zu melden. Er hätte dies allerdings von jedem beliebigen Ort aus tun können.

Er tat dies, nachdem die Abwesenheit des „Leibes des Papstes“ in dieser schwierigen Zeit nicht wenige verunsicherte, ja in ein noch größeres Loch der Verlassenheit stürzte. Der Papst „verschwindet“ wortlos, wenn es Rom, Italien und der Welt schlecht geht: das war und ist eine sehr einzigartige Situation der jüngsten Kirchengeschichte.

Es war Joaquin Navarro Vals, genialer Organisator und Medienmann Johannes Pauls II., der angesichts der Hinfälligkeit des Papstes, der sich nicht der Öffentlichkeit entzog, erklärt hatte: „Der Leib des Papstes gehört dem Volk, er gehört der Kirche“. Inmitten der größten Krise der letzten Jahrzehnte – es war gerade dieser „Leib“, der die letzten Tages „auf sich waren lieߓ, der es vorzog, sich wortlos einer Abgeschiedenheit hinzugeben.


Franziskus wurde auf den Großbildschirmen übertragen, die fest auf dem Petersplatz installiert sind, was als unbegreiflich gewertet werden kann, denn: es sollten ja in Zeiten der Seuche Ansammlungen von Menschen vermieden werden. Wie dem auch sei: Rom ist seit Tagen leer, woran auch diese virtuelle und zufällig wirkende Anwesenheit eines Papstes auf Bildschirmen nichts änderte.

Der Papst ging in seiner „Ansprache“ wie üblich auf das Evangelium vom Sonntag ein (Mt 17,1-9), das die Verklärung des Herrn auf dem Berg Tabor berichtet. Jesus nehme Petrus, Jakobus und Johannes mit und steige auf einen hohen Berg, ein Symbol der Nähe zu Gott, um sie für ein umfassenderes Verständnis des Geheimnisses seiner Person zu öffnen, die leiden, sterben und dann wieder auferstehen müsse.

Tatsächlich habe Jesus begonnen, zu ihnen über das Leiden, den Tod und die Auferstehung zu sprechen, die ihn erwarteten, „aber sie konnten diese Perspektive nicht akzeptieren“. Deshalb tauche Jesus, nachdem er den Gipfel des Berges erreicht habe, in das Gebet ein und werde vor den drei Jüngern verklärt.

Durch das wunderbare Ereignis der Verklärung seien die drei Jünger aufgerufen, in Jesus den Sohn Gottes zu erkennen, der vor Herrlichkeit strahlt. So schritten sie in der Erkenntnis ihres Meisters voran, indem sie erkennten, dass der menschliche Aspekt nicht seine ganze Realität ausdrücke. In ihren Augen offenbare sich die jenseitige und göttliche Dimension Jesu.

Es sei darauf hinzuweisen, dass Jesus sich inmitten der Gruppe der Zwölf dafür entscheide, Jakobus, Johannes und Petrus mit auf den Berg zu nehmen. Er behalte ihnen das Privileg vor, der Verklärung beizuwohnen. Doch Petrus werde ihn in der Stunde des Prozesses verleugnen. Die beiden Brüder Jakobus und Johannes „werden darum bitten, die ersten Plätze in seinem Reich zu haben“. Jesus wähle nicht nach unseren Kriterien, sondern nach seinem Plan der Liebe. Es sei eine freie, bedingungslose Wahl, eine freie Initiative, eine göttliche Freundschaft, die keine Gegenleistung verlange.

„Wir waren nicht auf dem Berg Tabor, wir haben nicht mit unseren eigenen Augen das Gesicht Jesu gesehen, das wie die Sonne strahlt“, so der Papst. Aber „auch uns wurde das Wort des Heils gegeben, der Glaube wurde uns geschenkt, und wir erlebten die Freude, Jesus auf unterschiedliche Weise zu begegnen“. Jesus sage auch zu uns: „Fürchtet euch nicht“. In dieser von Egoismus und Gier geprägten Welt werde das Licht Gottes durch die Sorgen des Alltags verdunkelt. Wir dürften nicht vergessen, dass wir durch die Taufe und die Firmung, die wir empfangen haben, zu Zeugen geworden seien, nicht wegen unserer Fähigkeit, sondern wegen der Gabe des Geistes.

Nach dem Angelus ging der Papst erneut auf die Lage der sogenannten Flüchtlinge an der griechischen Grenze ein, was für ihn die „Priorität“ darstellt.

„Ich bin mit dem Gebet den Menschen nahe“, so der Papst dann, „die unter der gegenwärtigen Coronavirus-Epidemie leiden, und all denen, die sich um sie kümmern. Ich habe in diesen Tagen des Rückzugs ihrer sehr gedacht. Ich schließe mich den Bischöfen an und ermutige die Gläubigen, diese schwierige Zeit mit der Kraft des Glaubens, der Gewissheit der Hoffnung und dem Eifer der Nächstenliebe zu leben. Möge uns die Fastenzeit helfen, auch diesem Moment der Prüfung einen Sinn für das Evangelium zu geben“.

„Schönen Sonntag und bitte vergesst nicht, für mich zu beten. Gesegnete Mahlzeit und auf Wiedersehen!“.




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