20 März 2020, 17:06
'Wir rühmen uns der Bedrängnisse' (Röm. 5, 3)
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Den Glauben leben, wenn öffentliche Gottesdienste verboten sind - Ein Gastkommentar von Bischof Athanasius Schneider zur derzeitigen „Hygienediktatur“ in einigen Staaten

Rom (kath.net)
Millionen von Katholiken in der sogenannten freien westlichen Welt werden in den kommenden Wochen, wenn nicht gar Monaten, vor allem aber während der Kar- und Ostertage, dem Höhepunkt des gesamten liturgischen Jahres, jeder Form öffentlicher Gottesdienste beraubt sein – aufgrund sowohl staatlicher wie kirchlicher Reaktionen auf den Ausbruch des Coronavirus (COVID-19). Die schmerzlichste, erschütterndste dieser Reaktionen ist die Aussetzung der heiligen Messe und der sakramentalen heiligen Kommunion.

Momentan herrscht die Atmosphäre einer nahezu weltweiten Panik. Die drastischen und unverhältnismäßigen Sicherheitsvorkehrungen – der Entzug grundlegender Menschenrechte wie Bewegungsfreiheit, Versammlungsfreiheit und Meinungsfreiheit – erwecken den Eindruck, als seien sie einem genauen Plan entsprechend in globalem Umfang organisiert worden.

Eine wichtige Nebenwirkung dieser neuen „Hygienediktatur“, die sich um die ganze Welt verbreitet, ist das zunehmend nachdrücklicher formulierte, kompromisslose Verbot sämtlicher Formen öffentlicher Gottesdienste. Die gegenwärtige Lage eines Verbots öffentlicher Gottesdienste in Rom versetzt die Kirche in die Zeit eines vergleichbaren Verbots des christlichen Gottesdienstes zurück, das in den ersten Jahrhunderten von den heidnischen römischen Kaisern angeordnet wurde.

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Geistliche, die es unter solchen Umständen wagen, die heilige Messe in Anwesenheit der Gläubigen zu feiern, können bestraft oder inhaftiert werden. Solch eine „Hygienediktatur“ hat zu einer Situation geführt, die die Luft der Katakomben atmet, einer verfolgten Kirche, einer Untergrundkirche, vor allem natürlich in Rom. Papst Franziskus, der am 15. März einsam und wankenden Schritts durch die verlassenen Straßen Roms ging, auf seiner Wallfahrt von der Ikone der „Salus populi Romani“ in der Kirche Santa Maria Maggiore zum wundertätigen Kreuz in der Kirche San Marcello, bot ein apokalyptisches Bild. Es erinnerte an die folgende Beschreibung aus dem dritten Teil des Geheimnisses von Fatima (enthüllt am 13. Juli 1917): „Der Heilige Vater ging durch eine halb zerstörte Stadt, halb zitternd, mit wankendem Schritt, gequält von Schmerz und Kummer.“

Wie sollen Katholiken auf eine solche Lage reagieren, wie sich in ihr verhalten? Wir müssen diese Situation aus der Hand der göttlichen Vorsehung als eine Prüfung annehmen, die uns größeren geistlichen Nutzen bringt, als wenn sie uns erspart geblieben wäre. Man kann diese Situation als göttliches Eingreifen in die gegenwärtige beispiellose Krise der Kirche ansehen. Gott benutzt nun diese Situation, um die Kirche zu reinigen, die Verantwortlichen in der Kirche aufzurütteln, allen voran den Papst und die Bischöfe – sie aufzurütteln aus der Illusion einer netten modernen Welt, aus der Versuchung des Flirts mit der Welt, aus der Verstricktheit in zeitliche, irdische Dinge. Die Mächte dieser Welt haben jetzt die Gläubigen gewaltsam von ihren Hirten getrennt. Dem Klerus wird von Regierungen vorgeschrieben, die Liturgie ohne das Volk zu feiern.

Dieses gegenwärtige reinigende göttliche Eingreifen vermag uns allen das zu zeigen, was in der Kirche wirklich wesentlich ist: das eucharistische Opfer Christi mit Seinem Leib und Blut, und das ewige Heil der unsterblichen Seelen. Mögen jene in der Kirche, die so unerwartet und plötzlich des wahrhaft Wesentlichen beraubt wurden, nun damit anfangen, dessen Wert tiefer zu erkennen und zu schätzen.

Trotz der schmerzlichen Situation, dass sie der heiligen Messe und der heiligen Kommunion beraubt sind, sollten sich Katholiken nicht der Mutlosigkeit oder der Melancholie hingeben. Sie sollten diese Prüfung als eine Gelegenheit zur Erlangung überreicher Gnaden hinnehmen, welche die göttliche Vorsehung ihnen bereitet hat. Viele Katholiken haben nun in gewisser Weise die Möglichkeit, hautnah die Lage in den Katakomben, in der Untergrundkirche zu erfahren. Man kann hoffen, dass eine solche Lage neue geistige Früchte in Form von Bekennern des Glaubens und der Heiligkeit hervorbringt.

Die Situation zwingt katholische Familien, buchstäblich die Erfahrung einer Hauskirche zu machen. Da es nicht einmal an Sonntagen die Möglichkeit gibt, an der heiligen Messe teilzunehmen, sollten katholische Eltern ihre Familien daheim um sich versammeln. Sie könnten zu Hause eine heilige Messe am Fernsehen oder im Internet mitverfolgen, oder, wenn das nicht möglich ist, könnten sie eine Gebetsstunde halten, um den Tag des Herrn zu heiligen und sich geistig mit den heiligen Messen zu verbinden, die in ihrer Stadt, womöglich gar in ihrer unmittelbaren Nachbarschaft von Priestern hinter verschlossenen Türen zelebriert werden. Eine solche sonntägliche, in einer Hauskirche abgehaltene Gebetsstunde könnte beispielsweise folgendermaßen gestaltet werden:

Rosenkranz, Verlesung des Sonntagsevangeliums, Akt der Reue, Akt der geistigen Kommunion, Litanei, Gebet für die Leidenden und Sterbenden, für die Verfolgten, Gebet für den Papst und die Priester, Gebet um das Ende der gegenwärtigen physischen und geistigen Epidemie. Eine katholische Familie sollte außerdem an den Freitagen der Fastenzeit den Kreuzweg beten. Eltern könnten sich darüber hinaus an den Sonntagen nachmittags oder abends mit ihren Kindern zusammensetzen und ihnen aus dem Leben der Heiligen vorlesen, vor allem solche Geschichten, die aus Zeiten der Verfolgung der Kirche stammen.

Katholiken, die jetzt keiner heiligen Messe beiwohnen und die heilige Kommunion sakramental nicht empfangen können, und das vielleicht nur für die kurze Zeit einiger Wochen oder Monate, können über die Zeiten der Verfolgung nachdenken, als Gläubige über Jahre hinweg keine heilige Messe besuchen und andere Sakramente empfangen konnten, wie beispielsweise während der kommunistischen Verfolgung in vielen Regionen des Sowjetimperiums.

Mögen die folgenden Worte Gottes alle Katholiken stärken, die gerade darunter leiden, dass ihnen die heilige Messe und die heilige Kommunion verwehrt bleiben:

„Seid nicht befremdet über die Feuersglut, die zu eurer Prüfung über euch gekommen ist, als ob euch etwas Außergewöhnliches widerfahren wäre. Freut euch vielmehr, dass ihr an den Leiden Christi teilhabt, damit ihr euch auch bei der Offenbarung seiner Herrlichkeit voller Jubel freuen könnt.“ (1 Pt. 4,12–13) „Der Vater des Erbarmens und der Gott allen Trostes schenkt uns Trost in aller unserer Trübsal, damit wir unsererseits die zu trösten vermögen, die in allerlei Trübsal sind, mit eben dem Trost, mit dem wir selber von Gott getröstet werden.“ (2 Kor. 1,3–4) „Auf dass die Erprobung eures Glaubens, viel kostbarer als vergängliches Gold, das durch Feuer erprobt wird, euch zu Lob, Herrlichkeit und Ehre bei der Offenbarung Jesu Christi gereiche.“ (1 Pt. 1,7)

In Zeiten einer grausamen Verfolgung der Kirche gab der heilige Cyprian von Karthago (+258) folgende aufbauende Lehre vom Wert der Geduld: „Geduld festigt die Grundmauern unseres Glaubens, worauf sich die Vermehrung unserer Hoffnung emporhebt. Sie leitet unser Tun, auf dass wir auf dem Weg Christi bleiben, während wir in Seiner Geduld wandeln. Wie groß ist Jesus, der Herr, und wie groß ist Seine Geduld, dass Er, der im Himmel angebetet wird, sich nicht auf Erden rächt! Geliebte Brüder, wir wollen in unseren Verfolgungen und Leiden auf Seine Geduld schauen; wir wollen einen Gehorsam eisten, erfüllt von der Erwartung Seiner Ankunft.“ (De patientia, 20; 24)

Wir wollen mit ganzem Vertrauen zur Mutter der Kirche beten und die fürbittende Macht ihres unbefleckten Herzens anrufen, auf dass die gegenwärtige Situation, in welcher wir der heiligen Messe beraubt sind, überreiche geistliche Früchte für die wahre Erneuerung der Kirche bringen möge, nach Jahrzehnten der Nacht einer innerhalb der Kirche stattgefunden Verfolgung wahrer Katholiken, Geistlicher wie Gläubiger. Hören wir auf die folgenden inspirierenden Worte des heiligen Cyprian: „Wird der Grund der Katastrophe erkannt, dann findet sich sogleich ein Heilmittel für die Wunde. Der Herr hat gewünscht, dass Seine Familie geprüft wird; und weil ein langer Friede die von Gott gegebene kirchliche Disziplin verdorben hat, hat die himmlische Züchtigung unseren Glauben wieder aufgeweckt, der nachgelassen – fast möchte ich sagen: tief geschlafen hat; und obwohl wir für unsere Sünden Schlimmeres verdient hätten, hat der allerbarmende Herr die Dinge so gemäßigt, dass alles, was geschehen ist, eher wie eine Prüfung als wie eine Verfolgung gewirkt hat.“ (De lapsis, 5)

Gebe Gott, dass diese kurze Prüfung, die im Entzug öffentlicher Gottesdienste und der heiligen Messe besteht, im Herzen des Papstes und der Bischöfe einen neuen apostolischen Eifer für die ihnen von Gott anvertrauten immerwährenden geistlichen Schätze entfacht: den Eifer für die Herrlichkeit und Ehre Gottes, für die Einzigartigkeit Jesu Christi und Seines Erlösungsopfers, für die zentrale Bedeutung der Eucharistie und ihrer sakralen und erhabenen Zelebrationsweise, für den höchsten Ruhm des eucharistischen Leibes Christi; einen neuen Eifer für die Rettung der unsterblichen Seelen und einen Eifer für einen keuschen, apostolisch gesinnten Klerus. Merken wir noch einmal auf die ermutigenden Worte des heiligen Cyprian: „Dem Herrn gebührt Lobpreis, Seine Wohltaten und Geschenke seien mit Danksagung gepriesen, selbst in der Zeit der Verfolgung hat unsere Stimme nicht aufgehört zu danken. Denn nicht einmal ein Feind hat so viel Macht, dass er uns, die wir den Herrn aus ganzem Herzen, mit unserem Leben und all unserer Kraft lieben, davon abhalten könnte, allezeit und an allen Orten von Seinen Wohltaten zu sprechen und sie zu preisen. Der in den Gebeten aller Gläubigen lang ersehnte Tag ist angebrochen; und nach der schlimmen und schrecklichen Dunkelheit einer langen Nacht erstrahlte die Welt überströmt vom Licht des Herrn.“ (De lapsis, 1)

19. März 2020

+ Athanasius Schneider, Weihbischof des Erzbistums der heiligen Maria in Astana

kath.net-Video-Blog mit Bischof Schneider



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