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Gott ist minimal invasiv durch das Ave Maria Mensch geworden

21. März 2020 in Buchtipp, keine Lesermeinung
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Am 25. März ist Gott mit minimalem Aufwand in die Welt gekommen, nicht erst an Weihnachten - Gastbeitrag von Helmut Müller.


Vallendar (kath.net)
Dem Volk Israel dagegen hatte er sich noch Jahrhunderte davor mit Getöse in Rauch, Erdbeben und Feuer auf dem Sinai gezeigt, den er dafür kurzzeitig zur Bannmeile erklärte (Ex 19,14ff) und Mose zeigte er sich allein immerhin schon einmal im brennenden Dornbusch. Elija präsentierte er sich durch ohrenbetäubendes Schweigen am Horeb, nachdem er zuvor sein Kommen durch Vulkanausbrüche, Erdbeben und Orkan angekündigt hatte. Israel erwartet ihn seitdem nicht anders als mit Macht und Herrlichkeit auf den Wolken des Himmels.

Kein Wunder, dass für einen gläubigen Juden seine erste Ankunft in Bethlehem unbemerkt blieb und die drei Magier aus dem Morgenland zum Königspalast nach Jerusalem verwiesen worden sind. Er wollte aber 9 Monate davor - wie gesagt minimal invasiv, im Schoß einer jungen Frau, menschliche Gestalt annehmen. Nach biblischem Zeugnis geschah dies ohne Mitwirken und schon gar nicht im Samen eines Mannes, sondern ausschließlich im Uterus einer Frau; nur durch ein Wort, das nicht Geist geblieben ist wie in der dominikanischen Mystik. In ihr ist man der Auffassung, dass er im Herzen eines jeden von uns Mensch werden kann. So minimal invasiv wollte Gott es dann doch nicht mit seinem leibhaftigen Kommen in diese Welt. Im Körper einer Frau ist er dann Mann geworden. Damit behält er die Asymmetrie der Schöpfungsordnung (Mann – Frau) auch in der Erlösungsordnung bei. Nur in einer Hinsicht kehrt er sie minimal um. Aus dem ersten Frauennamen der Schöpfungsordnung EVA wird ein AVE vor dem ersten Frauennamen der Erlösungsordnung: AVE Maria.

Dieses AVE Maria war dann gleichsam der Startschuss für ihn, alle Stadien wie wir selbst auch zu durchlaufen: Als Zygote, Embryo, Fötus und dann als Säugling. Er wollte nicht in einem Palast zur Welt kommen, sondern in einer Höhle, und von einer Flüchtlingsfrau geboren werden, so berichtet es das Evangelium.

Dann schweigen die Schriftzeugnisse fast komplett für gut 30 Jahre seines Lebens.

Wie mit einem Paukenschlag kam er wieder auf einer Hochzeit in Kana ins Gespräch, allerdings nicht lange, ein bis zwei Jahre, aber gewaltig, rund um das galiläische Meer, den See Genezareth und darüber hinaus. "Mühselige und Beladene" zog er an wie ein Magnet. Offensichtlich war er auch ein Frauenschwarm. Intellektuelle, Schriftgelehrte konnten es weniger mit ihm. Er regte sie aber offensichtlich bis zur Weißglut auf, vor allem später in Jerusalem. Das kostete ihn buchstäblich Kopf und Kragen. Er endete schmählich am Kreuz, dem Galgen der Antike.

Dann berichten die Quellen, es sei für drei Tage Ruhe gewesen. Aber seit den aufgeregten Berichten von Frauen am dritten Tag danach ist er in den Medien der Antike auf Papyrus und Pergament, wie niemand vor ihm und nach ihm. Vom ersten Papyrusschnipsel aus dem Wüstensand, vergleichsweise wenige Jahre nach seinem öffentlichen Auftreten, liegen bis zum Anfang des dritten Jahrhunderts gut 25 000 Schriftzeugnisse vor, vom besagten Schnipsel aus dem Wüstensand bis zum Codex in der Bibliothek. Und das waren keine Emails, die man mit einem Mausklick um die ganze Welt jagen kann. Zeitweise war es nicht ungefährlich überhaupt solche Schriftzeugnisse zu besitzen. Diese antiken Medien werden dennoch nicht müde von diesem einen oder den zwei Jahren seiner Tätigkeit zu berichten und was daraus geworden ist. Von keinem Autor der Antike von Platon und meinetwegen auch Zeitgenossen wie Philon von Alexandrien und Seneca sind schriftliche Zeugnisse so nahe am Geschehen vorhanden. Bei Platon gingen 12OO Jahre ins Land bis zum ältesten Schriftzeugen seines Wirkens.

Wir Christen sollten einfach mehr Aufhebens machen von diesem Kommen Gottes in die Welt, konkret seinem Abstieg in die Keimbahn der Menschheit, die Gene, nicht bloß in unsere Meme (Geist), um ein Wortspiel von Richard Dawkins, Gene und Meme, zu verwenden. Gegenwärtig zeigt das Coronavirus spiegelverkehrt wie Unheil minimal invasiv den ganzen Erdball bewegen kann.

Die seltsame Mixtur von Bibel und Biologie in meinen Gedanken verlangt vermutlich eine Erklärung. Die Gedanken kamen mir im Krankenhaus. „Was liest Du da für`n Zeugs?“ fing es an. So fragte mein Bettnachbar. Es war ein Buch über Evolution, wonach er fragte. Als Agnostiker glaubte er an nichts, der andere Bettnachbar, ein evangelikaler Christ beinahe buchstäblich an alles im Schöpfungsbericht. Und ich lag dazwischen. Ein Beschweigen mit etwas weniger Vernunft in die eine Richtung und nicht so viel Glauben in die andere Richtung war nicht möglich. Es wurden für mich unvergessliche Tage und unruhige Nächte, weil ständig Krücken umfielen. Beide wurden nämlich am Knie operiert, ich an der rechten Hand. Auf dem Zimmer konnten wir mit 5 funktionsfähigen Händen und zwei funktionsfähigen Beinen alles, ich „mit Links“ Kaffee holen auf meinen gesunden Beinen und die beiden „mit Rechts“ für mich Lektürenotizen machen. Und über Gott reden konnten wir auch. Wir sollten es nur öfters tun und nicht warten bis wir im Krankenhaus liegen, alles nur noch „mit Links“ machen können und ausgesprochen nette Bettnachbarn haben.


kath.net-Buchtipp:
Zeitgerecht statt zeitgemäß
Spurensuche nach dem Geist der Zeit im Zeitgeist
Von Helmut Müller
Hardcover, 244 Seiten 2018 Bonifatius-Verlag ISBN 978-3-89710-790-8 Preis Österreich: 15.40 EUR

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