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Ein Krisenkick

23. März 2020 in Kommentar, 45 Lesermeinungen
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Jetzt gilt es erst einmal zu beten, damit wir die Krise überstehen. Und das ist auch die Bitte, mit der dieser Krisenkick endet: Betet, was das Zeug hält! Bestürmt den Himmel!
Der Montagskick von Peter Winnemöller


Linz (kath.net)
In der Krise ist nicht gut Kicken. Doch ist es die Aufgabe des Kolumnisten, Sachverhalte zu bewerten, zu analysieren und zu kommentieren. Doch wer kann jetzt schon genaueres sagen? Fragen und Spekulationen prägen diese Tage. Die wilden Spekulationen im Internet gleichen zum Teil einer Geisterbahn. Man hört, Corona sei ein Hoax. Tolle These! Die tausenden Toten und deren trauernde Angehörige werden bei solchen Thesen wohl die kalte Wut bekommen.

Man hört, Corona sei schlimmer als ein Krieg. Wenn man die Erzählungen der Großeltern noch im Ohr hat, ist das gelinde gesagt zynisch, solcherlei zu behaupten. Als reichte es nicht, sich einfach die Realität anzusehen. Wir haben es mit einem sich schnell ausbreitenden Virus zu tun, der von gar nichts bis tödlicher Erkrankung bei Menschen bewirken kann.
Wir befinden uns in einer schlimmen Krise, die nicht nur Deutschland und Österreich und - um einiges mehr - Italien und Spanien erschüttert. Diese Krise ist weltweit. Diese Krise führt Staaten an ihre Leistungsgrenzen und vielleicht darüber hinaus. Es wird viel davon gesprochen, dass „die Wirtschaft“ leidet. Dahinter verbirgt sich das ganz konkrete Schicksal von Menschen, die wirtschaftlich in erhebliche, vielleicht sogar existentielle Bedrängnis geraten. Was wird zu tun sein?

Wir befinden uns in einer Krise, in der Menschen nach Gott fragen. Ist Corona eine Strafe Gottes? Ja, sagt der russisch-orthodoxe Bischof in Deutschland. Nein, sagt Erzbischof Schick und bezeichnet solche Thesen als zynisch. Was sagt die Bibel? Was sagt die Geschichte der Menschheit. Eine Strafe anzunehmen, ist in unserem Denken vielleicht der falsche Begriff. Doch was ist mit der Natur, die der Mensch mit der Erbsünde gebrochen hat? Corona ist ein Virus, genauer gesagt ist es eine Mutation eines Virus, das schon lange bekannt ist. Neben den Biochemikern, Molekularbiologen, den Medizinern und Pharmazeuten, die gefordert sind, Methoden zu Schutz und Heilung zu entwickeln, sind auch andere gefordert: Theologen. Es geht auch darum, eine solche Pandemie im Licht des Glaubens zu deuten.

Die obersten Lehrer der Theologie sind die Bischöfe, die in der Einheit einer Region und weltweit in der Einheit mit dem Papst über solche Fragen zu reflektieren haben. Es sind die akademischen Theologen, die den forschenden Anteil zu liefern haben bei einer solchen Bewertung. Was ist eine Epidemie? Was ist eine Pandemie?

Wie ist die Sicht der Kirche auf eine solche Krise von beinahe apokalyptischem Ausmaß? Der Beitrag des Episkopats beschränkte sich bis dato vor allem darauf, mit leicht erscheinender Hand die Liturgie der Kirche der Öffentlichkeit zu entziehen. Wo bleiben die Hirtenworte zur Coronakrise? Wo sind die Bischöfe, während das Volk verzweifelt? Da ist durchaus noch Luft nach oben.

Die Kirche vermag kaum noch die Filterblase ihres engsten Kreises von Gläubigen zu erreichen. Wo und in welchen Medien war in den vergangenen Tagen ein Beitrag von einem katholischen Bischof zu lesen? Dringt die Kirche gar nicht mehr in Milieus außerhalb ihrer Blase? Den Gläubigen droht in größerer Zahl neben der Gewissensnot vielleicht auch wirtschaftliche Not. Wo ist die Kirche? Nimmt man sie wahr? Nach der Krise wird zu bewerten sein, was geschehen ist. Jetzt können in der Tat nur die Fragen aufgeworfen werden und es bleibt wirklich die Hoffnung auf gute Antworten.

Manches ist in der Tat bereits jetzt zu sehen. Und wieder darf gestaunt werden. Einzelne Priester werden plötzlich kreativ. Da ist einer der geht mit der Monstranz durch seine Stadt und segnet sie. Einer spendet die Kommunion auf offener Straße unter Berücksichtigung der Sicherheitsauflagen. Was kann ein Priester Besseres tun, als Christus zu den Menschen bringen. Da ist ein Priester, der beginnt seine tägliche Hl. Messe ins Netz zu streamen. Klöster übertragen ihr Stundengebet ins Netz, Gemeinschaften beten den Rosenkranz virtuell. Es Kreuzwege im Internet. In den Gemeinden in Deutschland wurde angeregt, um 19:30 Uhr die Glocken zu läuten und zum Gebet einzuladen. Das Ende ist noch nicht abzusehen. Vielleicht gibt es irgendwann der Übertragungen zu viele, weltlich gesehen. Aus der Sicht des Glaubens kann es gar nicht genug geben.

Auch das ist die Coronakrise, nach einem Moment des Erschreckens ging ein Ruck durch die Kirche und dieser Ruck kam von unten. Auch das wird nach der Krise zu untersuchen sein. Jetzt gilt es erst einmal zu beten, damit wir die Krise überstehen. Und das ist auch die Bitte, mit der dieser Krisenkick endet: Betet, was das Zeug hält! Bestürmt den Himmel!




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