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Kirche und Corona: "Vorherrschend war Eindruck des Bravseins"

11. Mai 2020 in Aktuelles, 6 Lesermeinungen
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Leiter der Wiener Theologischen Kurse, Lesacher: Kirche hat staatliche Vorgaben vorauseilend "übererfüllt" und Wesentliches wie den Gemeindebezug des Gottesdienstes aufgegeben - "Social distancing" diametral gegen christliche Grundüberzeugung, dass


Wien (kath.net/KAP) War das kirchliche Agieren seit Ausbruch der Corona-Pandemie allzu "brav"? Der Leiter der Wiener Theologischen Kurse, Erhard Lesacher, hat zu dieser Frage auf den Eindruck vieler Gläubiger verwiesen, "dass hier relativ schmerzfrei Wesentliches wie z. B. der Gemeindebezug des Gottesdienstes aufgegeben wurde, dass staatliche Vorgaben vorauseilend 'übererfüllt' wurden, dass sich 'die Kirche' hinter ihre sicheren Mauern zurückgezogen habe". Kirche sei plötzlich zur "Kleruskirche" geworden. Dass es in der Kirchenleitung ein Ringen um diese theologisch problematischen Entscheidungen gab, sei anzunehmen, aber nach außen nicht wirklich deutlich geworden, so Lesacher in einem Beitrag für "theocare.network", den Corona-Blog der Wiener Katholisch-Theologischen Fakultät. "Vorherrschend war der Eindruck der Schmerzfreiheit und des Bravseins. Für letzteres wurde die Kirche von der Regierung ja auch ausdrücklich gelobt."

Der Theologe, der in der Erzdiözese Wien seit fast 30 Jahren für theologische Erwachsenenbildung verantwortlich ist, bezeichnete es als "zweifellos absolut zu begrüßen", dass die Kirche Richtlinien auf der Grundlage wissenschaftlicher Erkenntnisse beschließt. Da Virologen, Juristen usw. in ihrer Beratung tendenziell auf "Nummer sicher" setzen, seien manche Entscheidungen eher vorsichtig ausgefallen.

Auch die Kirche habe unter Zeitdruck rasch Maßnahmen treffen müssen, anerkannte Lesacher. Er teile die Ansicht Kardinal Christoph Schönborns, der gegenüber "Strafe-Gottes-Theorien" festhielt, dass Seuchen einen natürlichen Ursprung haben und mit medizinischem Sachverstand bekämpft werden müssen. Der Fortsetzung des Erzbischofs: "Da kann die Theologie nicht mitreden ..." könne er aber nicht zustimmen, so Lesacher. Auf der Basis von z. B. virologischen Erkenntnissen treffe die Kirchenleitung notwendige Entscheidungen, die "teilweise eminente theologische Implikationen" hätten. Virologen könnten im Kontext der Kirche somit keine exklusive Deutungshoheit haben, merkte der Wiener Theologe an.


"Leibloser Glaube" ist unchristlich

Lesacher hielt fest: "Social distancing steht diametral gegen die christliche Grundüberzeugung, dass Gott Communio (Gemeinschaft, Anm.) ist." Ein "leibloser Glaube" sei fragwürdig, die Kirche - auch "Leib Christi" genannt - als ganze sowie all ihre Sakramente hätten eine physische, leiblich erfahrbare Komponente. Es sei somit ein erhebliches Problem für eine Glaubensgemeinschaft, wenn auf längere Zeit gerade diese physische Komponente nicht gelebt werden kann. Lesacher berief sich auf Papst Franziskus, demzufolge eine Gottesbeziehung ohne Kirche, ohne Gemeinschaft der Gläubigen und ohne Sakramente "gefährlich" sei.

Skeptische Frage des Theologen: "Werden die Gläubigen wieder in die Kirche strömen, oder werden sie das eingeübte Social distancing gegenüber der Kirche aufrechterhalten?" Wenn die gegenwärtige Neuausrichtung der Kultur als irreversibler Schritt hin zur künftigen "Digital-Tele-Ferngesellschaft" gedeutet wird, könne das für die Kirche "sicher kein Zukunftsmodell" sein. Jenen, die sich zuletzt von gestreamten Gottesdiensten begeistern ließen, stehen laut Lesacher jene gegenüber, die auf Hauskirche setzen "und sich nicht digital abspeisen lassen wollen". Nachbemerkung: "Allerdings setzt Hauskirche ein gewisses Maß an Kenntnis von (biblischen) Texten und liturgischen Abläufen voraus, das aber nicht allgemein verbreitet ist."

Krise verschärft Ungleichheit

Für den Leiter der Theologischen Kurse stellen sich im Zusammenhang mit der Corona-Krise auch Fragen jenseits gelebter Religiosität, die theologische Reflexion erforderten. So die Tatsache, dass die Pandemie Ärmere härter treffe als Reiche: Arbeitslos etwa würden weniger jene, die ins Home-Office ausweichen können, sondern überwiegend weniger Qualifizierte. Anfängliche Rufe nach Grundeinkommen, Schuldenerlass und weltweites Ende aller Kriege seien rasch verhallt. "Werden die Heldinnen und Helden des Corona-Alltags wirklich nachhaltige, auch finanzielle Anerkennung erhalten, wie zuletzt von Bundeskanzler Kurz angedeutet?", fragte Lesacher.

Manche sähen mit der Corona-Krise das Ende der Globalisierung, der Massenmobilität und des "Mythos (Wirtschafts-)Wachstum" gekommen, demgegenüber Hoffnung im Kampf gegen den Klimawandel und neue Chancen für den vom Neoliberalismus zerrütteten Sozialstaat. Lesacher bleibt demgegenüber skeptisch: Vielleicht werde ja der Finanzmarkt als erster gerettet, und vielleicht setze der Staat mehr auf digitale Kontrolle als auf Stärkung von Eigenverantwortung und Zivilgesellschaft? Der Theologe sieht durchaus die Gefahr, "dass das Klima und die globale Gerechtigkeit auf der Strecke bleiben".

Der bald 80-jährige Kursbetrieb der Theologischen Kurse war nur in den letzten Kriegstagen 1945 für ein paar Wochen unterbrochen, erinnerte deren Leiter. Die jetzige Pause werde vermutlich länger dauern als die damalige. Auch wenn die Anfang Oktober geplante 80-Jahr-Feier coronabedingt beeinträchtigt sein sollte, werden die Theologischen Kurse unbeirrt zur Reflexion über die großen Fragen des Lebens und des Glaubens einladen, kündigte Lesacher an: "Ich bin davon überzeugt, dass Bildung, Nachfragen, Infragestellen und Lernen auch nach Corona stark gefragt sein wird."

Copyright 2020 Katholische Presseagentur KATHPRESS, Wien, Österreich
Alle Rechte vorbehalten


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Lesermeinungen

 ottokar 11. Mai 2020 
 

Eine erschreckende Situation

Regional unterschiedlich gehen heute in D,A oder Ch etwa 15% der katholischen Bevölkerung sonntags in die Heilige Messe.Für 75% der Katholiken scheint Wert und Bedeutung der Eucharistie verloren gegangen zu sein.Somit kann man davon ausgehen,dass die schmerzliche Enttäuschung, die ungestillte Sehnsucht nach Eucharistie als Folge der bischöflichen Verbote keine öffentlichen hlg.Messen oder andere Segensveranstaltungen während der letzten Wochen abzuhalten, auf eine relativ kleine, unwichtige (?) Gruppe von Gläubigen beschränkt bleibt.Auch wenn gläubige Katholiken nur einen geringen Anteil der Steuer-zahlenden Katholiken ausmacht,dürfte dies kein Grund sein, dass sie für die Hirten bedeutungslos sind.Ich überlege mir ständig,was wohl in den Köpfen der doch besonders für unser Seelenheil und nicht für unsere Gesundheit verantwortlichen Bischöfe derzeit abläuft.Liegt dem eine satanische Steuerung zugrunde, beten unsere Hirten zu wenig, ist für sie Eucharistie bedeutungslos geworden?


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 Robensl 11. Mai 2020 
 

ja bitte, endlich Reflexion

Ich vermisse auch die ganze Zeit schon gläubig-theologisches Nachdenken über diese Krise. Haben wir nur noch geistige Dünnbrettbohrer überall sitzen, die sich allenfalls noch Gedanken über gendergerechte Texte etc machen können? Wir Christen haben und müssen mitreden! Oder am besten ein "Gegen-Leben" bezeugen, das nicht Gesundheit zum Götzen macht, sondern den Tod nicht fürchtet und Nein zur "Digital-Tele-Ferngesellschaft" sagt, die digitale Kontrolle und Unfreiheit bedeuten wird. Ja, wir haben einen leibhaftigen Gott, der auf social distancing sowas von pfeift und uns unfaßbar nahe kam und kommen will. Der uns aufgetragen hat, dieses Geheimnis zu feiern. Deshalb KANN das totale Verbot der Gemeindemesse nicht SEIN Wille gewesen sein. Dass dann auch noch PF Gehorsam gegenüber der Regierung als Gnadenakt definiert, schlägt m.E. dem Faß den Boden aus - Staatskirche hoch drei.


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 Anton_Z 11. Mai 2020 

Die Absurdität des Bravseins

Da werden im Zuge der "Lockerungen" Fitnessstudios wieder geöffnet - wobei naturgemäß von vielen Leuten sehr stark ein- und ausgeatmet wird - aber das gemeinschaftliche Beten des Rosenkranzes (3-6 Gläubige) bleibt weiterhin verboten. Wie auch das gemeinsame Singen. Wie kann man sich als Kirche nur so erniedrigen lassen?


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 agora 11. Mai 2020 
 

@Annamia

Ich glaube, Sie haben das Anliegen des Beitrags nicht verstanden!


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 Stefan Fleischer 11. Mai 2020 

Noch eine Frage

Noch eine Frage
Ist vielleicht die Kirche so brav, weil sie längst ihre Autorität verloren hat? Und hat sie ihre Autorität nicht deshalb verloren, weil sie die Autorität Gottes bis zur Unkenntlichkeit verniedlicht hat? Steht und fällt die Autorität der Kirche - im Innern wie gegen aussen - nicht mit der Autorität Gottes über seine Schöpfung?
Leider scheint die Kirche (und ich selber?) gerade diesbezüglich nichts aus der Corona-Pandemie lernen zu wollen.


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 Annamia 11. Mai 2020 

Es sind ja auch

viele Priester in Italien angesteckt worden und gestorben.Wenn man das hier so liest,könnte es ja gewünscht sein.


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