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Das Bistum Speyer trauert um Altbischof Anton Schlembach

16. Juni 2020 in Chronik, 6 Lesermeinungen
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Schlembach hat im Jahr 2000 als einer der ersten deutschen Bischöfe in den Schwangerenberatungsstellen der Diözese keine Beratungsscheine mehr ausstellen lassen, die eine straffreie Abtreibung ermöglichen.


Speyer (kath.net/pbs) Das Bistum Speyer trauert: Bischof em. Dr. Anton Schlembach ist am Abend des 15. Juni im Alter von 88 Jahren verstorben. „Er war mit Leib und Seele Bischof von Speyer. Wir danken ihm von ganzem Herzen für seinen außerordentliche Einsatz, den er für das Bistum Speyer wie auch für die katholische Kirche insgesamt geleistet hat“, erklärte sein Nachfolger, der amtierende Speyerer Bischof Dr. Karl-Heinz Wiesemann. Mit großer Treue habe Schlembach seinen Dienst versehen und sei mit seinem ganzen Leben zu einem überzeugten und überzeugenden Zeugen des lebendigen Gottes geworden. Schlembachs bischöflicher Wahlspruch „Deus salus – Gott ist das Heil“ bleibe für die Gläubigen im Bistum Speyer Vermächtnis und Verpflichtung.

 

Seine Ursprünge lagen in Unterfranken

 

Sein Lebensweg begann im Bistum Würzburg, in Großwenkheim, einem Dorf bei Münnerstadt, wo er am 7. Februar 1932 als ältestes von vier Kindern einer Landwirtsfamilie geboren wurde. Nach dem Studium in Würzburg und an der päpstlichen Universität Gregoriana empfing er am 10. Oktober 1956 in Rom die Priesterweihe, drei Jahre später promovierte er zum Doktor der Theologie. In seiner Heimatdiözese wurde er im Anschluss an die Kaplansjahre mit einer Reihe verantwortungsvoller Aufgaben betraut: Jeweils drei Jahre war er Direktor des Studienseminars in Aschaffenburg und Regens des Priesterseminars in Würzburg. Fast zwölf Jahre erteilte er hauptamtlich Religionsunterricht am Gymnasium in Hammelburg, ehe er am 1. Juni 1981 zum Domkapitular und schon einen Monat später zum Generalvikar des Bistums Würzburg ernannt wurde.

 

16. Oktober 1983: Weihe zum Bischof von Speyer

 

Es war für die Katholiken des Bistums Speyer eine echte Überraschung, als am 25. August 1983 der damals 51-jährige Dr. Anton Schlembach von Papst Johannes Paul II. zum Bischof von Speyer ernannt wurde. Am 16. Oktober 1983 weihte ihn sein Vorgänger Erzbischof Friedrich Wetter im Dom zu Speyer zum Bischof. Über 23 Jahre wirkte er in diesem Amt. Nur einer seiner Vorgänger hat in den letzten 100 Jahren das Bistum länger geleitet, Ludwig Sebastian, der 1943 nach 26 Bischofsjahren 80-jährig starb.

 

Die Bemühungen um eine Neuevangelisierung und eine Aktivierung der Gemeinden waren immer wiederkehrende Grundthemen seiner Amtszeit. Diesem Anliegen diente auch die Erarbeitung eines Pastoralplanes, der 1993 in Kraft gesetzt wurde. Eine herausragende Initiative zur Glaubenserneuerung waren die drei Vorbereitungsjahre auf das Christus-Jubiläum 2000. Zum ökumenischen "ChristFest" an Pfingsten 2000 versammelten sich rund 15 000 Christen aus zwölf Kirchen und Gemeinschaften in Speyer.


 

Das Christentum am Beispiel moderner Glaubensvorbilder greifbar gemacht

 

Große Bedeutung im Hinblick auf eine kirchliche Erneuerung maß Schlembach auch modernen Glaubensvorbildern bei. So versuchte er von Beginn seiner Amtszeit an mit starkem persönlichem Engagement, Botschaft und Lebenszeugnis der heiligen Edith Stein, die neun Jahre in Speyer wirkte, im Bistum lebendig zu halten. Ihre Seligsprechung 1987 war ihm Anlass, den Papst nach Speyer einzuladen. Ihr 100. Geburtstag 1991 und ihre Heiligsprechung 1998 wurden im Bistum jeweils mit einer dreitägigen Feier begangen. Überdies gab Schlembach den Anstoß zur Gründung einer deutschen Edith-Stein-Gesellschaft, die ihren Sitz in Speyer hat.

 

In enger Verbindung steht der Name Schlembachs mit Paul Josef Nardini, der als erster Pfälzer am 22. Oktober 2006 im Speyerer Dom selig gesprochen wurde. Dass es zu diesem für das Bistum bislang einmaligen Ereignis kommen konnte, ist ganz wesentlich ihm zu verdanken. Der Bischof war auf Nardini erstmals 1987 aufmerksam geworden. Sofort war er von Leben und Wirken des Pfarrers, der Mitte des 19. Jahrhunderts in Pirmasens gegen die soziale Not gekämpft hatte, betroffen und fasziniert. Da auch die "Mallersdorfer Schwestern", Nardinis Ordensgemeinschaft, diesen Wunsch teilten, konnte er schon drei Jahre später auf Bistumsebene das formelle Seligsprechungsverfahren eröffnen.

 

Schlembach bezog für den Schutz des Lebens entschieden Position

 

Denselben Stellenwert wie der Verkündigung und dem Gottesdienst räumte Bischof em. Schlembach dem sozialen Auftrag der Kirche ein. "Ohne Caritas ist die Kirche unglaubwürdig", so seine Überzeugung. Fast 20 caritative Einrichtungen, von Altenheimen über Behindertenwerkstätten bis hin zum Übernachtungsheim für Nichtsesshafte, hat er in seiner Amtszeit eingeweiht. Ebenso war er einer der maßgeblichen Impulsgeber für die ökumenische Hospizhilfe, die 1991 im Bereich von Bistum und Landeskirche gegründet wurde.

 

Gerade wenn es um das menschliche Leben geht, um seinen Schutz und seine Würde, sah Schlembach die Christen besonders in Pflicht genommen. So hat er selbst im Streit um die Abtreibungsgesetzgebung immer wieder in der Öffentlichkeit eine Verbesserung des rechtlichen Schutzes für die ungeborenen Kinder gefordert. Nicht weniger deutlich bezog er Stellung gegen die Einführung der aktiven Sterbehilfe in einigen europäischen Nachbarländern und die Tötung embryonaler Menschen im Interesse der Forschung. Die "Klarheit des kirchlichen Zeugnisses für die Unantastbarkeit jedes menschlichen Lebens" war auch der entscheidende Grund dafür, dass er im Jahr 2000 als einer der ersten deutschen Bischöfe in den Schwangerenberatungsstellen der Diözese keine Beratungsscheine mehr ausstellen ließ, die eine straffreie Abtreibung ermöglichen. Umso stärker war sein Bemühen, das Beratungsangebot für Schwangere in Not- und Konfliktsituationen aufrecht zu erhalten und die Hilfe der Kirche noch auszuweiten. Ein wichtiger Schritt dabei war die Gründung einer "Bischöflichen Stiftung für Mutter und Kind", die Politik und Öffentlichkeit für den Lebensschutz sensibilisiert und Projekte des Caritasverbandes für Mütter in Not finanziert.

 

Gastgeber für Besuch des Papstes 1987 - ein „Jahrtausendereignis“ für das Bistum

 

Am 4. Mai 1987 kam Papst Johannes Paul II. während seines zweiten Deutschlandbesuches nach Speyer und feierte auf dem Domplatz mit 60 000 Teilnehmern eine heilige Messe - für die Stadt und das Bistum ein "Jahrtausendereignis". Auch viele internationale Staatsgäste empfing Bischof Schlembach im Speyerer Dom. Manchem Regierungschef, den Bundeskanzler Kohl während seiner Amtszeit in seinen Heimatdom brachte, hat Bischof Schlembach persönlich die europäische Bedeutung des Bauwerks erläutert: Michail Gorbatschow und Boris Jelzin ebenso wie George Bush, Vaclav Havel oder König Juan Carlos von Spanien. In seiner Kathedrale sah er aber nicht nur das einmalige Zeugnis europäischer Baukunst und Geschichte. Entstanden noch vor den großen Glaubensspaltungen, war der salische Kaiserdom für ihn ebenso ein Mahnmal zur Einheit der Kirchen. So führte Schlembach auch von Anfang an die guten ökumenischen Beziehungen im Bistum konstruktiv weiter.

 

Wie die meisten Bischöfe nahm auch der Bischof Schlembach Aufgaben außerhalb seines Bistums wahr, anfangs in der Publizistischen Kommission und der Ökumene-Kommission der Deutschen Bischofskonferenz, später in der "Kommission Weltkirche", deren Unterkommission für Missionsfragen er leitete, und in der "Kommission für gesellschaftliche und soziale Fragen", deren stellvertretender Vorsitzender er zehn Jahre lang war. Von1991 bis 2006 war er Großprior der Deutschen Statthalterei des Ritterordens vom Heiligen Grab zu Jerusalem. Fünf Jahre war er Mitglied im Päpstlichen Rat für den Dialog mit den Nichtglaubenden; als Leiter des Dialog-Sekretariates für die Bundesrepublik und die deutschsprachige Schweiz richtete er wissenschaftliche Symposien in Speyer, Zagreb und Prag aus. Vier Mal organisierte er als Delegierter der Deutschen Bischofskonferenz das deutschsprachige Programm der Eucharistischen Weltkongresse: 1989 in Seoul, 1993 in Sevilla, 1997 in Breslau und 2000 in Rom.

 

Verabschiedung aus dem Amt des Bischofs im Februar 2007

 

Im Februar 2007 wurde Schlembach mit einem feierlichen Gottesdienst im Speyerer Dom aus seinem Amt als 95. Bischof von Speyer verabschiedet. Wenn er auf seine Amtszeit zurückblickte, klammerte er besorgniserregende und schmerzliche Entwicklungen nicht aus. Aber dies war für ihn kein Grund zur Resignation oder gar zum Pessimismus. Im Gegenteil, er sah im kirchlichen Leben hierzulande auch viele Hoffnungszeichen und neue Aufbrüche. "Vieles spricht dafür, dass sich Atheismus, Säkularismus und Postmoderne totlaufen", schrieb er in seinem letzten Bischofswort zur österlichen Bußzeit. Diese Entwicklung sei für Christen eine Ermutigung, täglich neu und noch entschiedener ihren Gottesglauben zu leben und zu bezeugen. Seinen Lebensabend verbrachte Bischof Schlembach in einem Appartement im Caritas-Altenzentrum St. Martha in Speyer. Am 10. Oktober 2016 beging Bischof em. Dr. Anton Schlembach sein diamantenes Priesterjubiläum. Große Freude erfüllte ihn, dass mit Dr. Franz Jung 2018 ein Speyerer Generalvikar zum Bischof von Würzburg ernannt wurde – 35 Jahre nachdem der Würzburger Generalvikar Dr. Anton Schlembach zum Bischof von Speyer berufen wurde.

 

Zu seinem 85. Geburtstag sagte Bischof Schlembach: „Letztlich verdanke ich mich Gott, der die Fülle des Seins ist und mich mit meinem Dasein beschenkt.“ Wenn der Mensch Jesus Christus gläubig in sein Herz und sein Leben annehme, werde ihm in der Gottesliebe und in der Nächstenliebe die Sinnorientierung seines Lebens geschenkt. „In der Verheißung der Auferstehung wird ihm im Leben und im Sterben eine unzerstörbare Hoffnung auf ewige, glückselige Vollendung gegeben.“

 

Am Montagabend läutete um 20 Uhr die Totenglocke am Speyerer Dom. Am Dienstag findet um 12 Uhr ein bistumsweites Sterbegeläut statt.

 

UPDATE:

In der Pressemeldung der Deutschen Bischofskonferenz unter dem Titel "Deutsche Bischofskonferenz trauert um Bischof em. Dr. Anton Schlembach" wird dessen Engagement für den Lebensschutz mit keiner Silbe erwähnt.

Archivfoto Bischof Schlemmbach  (c) Bistum Speyer


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Lesermeinungen

 Diasporakatholik 16. Juni 2020 
 

Bischof Schlembachs Nachfolger Wiesemann

habe ich bereits vor Jahren höflich per Email gefragt, warum denn in seinem Bistum ebenso wie im Bistum Augsburg und Rottenburg-Stuttgart im Unterschied zu allen übrigen deutschen Bistümern Lebensrechtsorganisationen wie 1000plus nicht mehr in den Kirchengemeinden für sich werben dürfen - nicht einmal durch ausgelegtes Info- und Werbematerial im Schriftenstand der Kirchen?

Eine Antwort habe ich NIE bekommen - soviel also zum Umgang mit einfachen Gläubigen in diesem Bistum.

Entweder ist mein Schreiben dort abgefangen worden und als unbequem sofort in den Papierkorb gewandert, oder der neue Bischof sieht es selbst für irrelevant an und antwortet nicht oder das Schreiben ist schlicht und einfach verschlampt worden.

In allen 3 denkbaren Fällen wirft es jedenfalls in meinem Urteil kein gutes Licht auf die Organisation dieses Bistums Speyer und seinen amtierenden Bischof.


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 Federico R. 16. Juni 2020 
 

Bischof Anton Schlembach – R.i.P. - war durch und durch ...

... und in bestem Sinn ein Mensch fränkischen, insbes. unterfränkischen Schlags: ehrlich, aufrichtig, bescheiden, geradlinig. So habe ich ihn in früherer Zeit kennengelernt, und so wird er mir in Erinnerung bleiben. Seine hochgeschätzten Leitgestalten in der hierarchischen Struktur der Kirche waren die Päpste Pius XII. und St. Johannes Paul II. Und selbstverständlich war er theologisch durch und durch auch „Ratzingerianer“.

Gerne hätte ich ihn gefragt, wie er’s wohl hält mit gewissen abwertenden Äußerungen aus Casa Santa Marta bezüglich „Schriftgelehrter“ und „Rigider“ in der Kirche. Ob er den derzeitigen „Synodalen Weg“ in Deutschland widerstandslos mitgegangen wäre? Kaum vorstellbar. Zumindest hätte er das Franziskus-Schreiben an die deutschen Katholiken gegen alle Ab- und Irrwege in Stellung gebracht. Das unterscheidet ihn signifikant von vielen seiner einstigen Mitbrüder im Bischofsamt, auch zu seinem Nachfolger in Speyer und zum derzeitigen Bischof von Würzburg.


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 chriseeb74 16. Juni 2020 
 

Persönlicher Nachruf von Bischof Jung

Ich möchte diesen Nachruf, der auf der homepage des Bistums Speyer abzurufen ist, sehr empfehlen.
Er möge ruhen in Frieden!


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 Walahfrid Strabo 16. Juni 2020 

Requiescat in Pace!

Möge der Herr ihm all das Gute vergelten, das er getan hat.


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 Diasporakatholik 16. Juni 2020 
 

Bischof Schlembach hat damals ein Zeichen gesetzt für das Lebensrecht Ungeborener

Unter seinem Nachfolger dürfen dagegen Lebensrechtsorganisationen wie 1000plus nicht einmal mehr in den Kirchen und Gemeinden des Bistums Speyer stille Werbung für Ihre Anliegen machen.

So ändern sich die Zeiten.


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 SpatzInDerHand 16. Juni 2020 

Ich kann gar nicht genug ausdrücken, wie sehr mich diese ewige Leisetreterei der DBK

und der meisten heutigen Bischöfe erschreckt! Die rühmlichen Ausnahmen unter den Bischöfen sind aller Ehren wert - aber sie sind leider Ausnahmen!

Unsere Bischöfe schweigen, wenn es um die Tötung von Menschen geht. Sie schweigen, wenn wehrloses Kinderleben vorgeburtlich aktiv "entsorgt" wird. Dieses Unrecht schreit zum Himmel!


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