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Papstmesse zum Hochfest Peter und Paul in der Covid-19-Zeit

29. Juni 2020 in Aktuelles, keine Lesermeinung
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Papst Franziskus feiert das Patronatsfest in kleinem Rahmen am Kathedra-Altar ohne orthodoxe Delegation. Einheit und Prophetie: ‚willst du mitbauen an der Einheit? Willst du ein Prophet meines Himmels auf Erden sein?’


Rom (kath.net) Bei der Papstmesse zum Patronatsfest Peter und Paul wird wegen der Corona-Pandemie erstmals seit Jahrzehnten keine orthodoxe Delegation zugegen sein. Wie die italienische katholische Nachrichtenagentur SIR am Sonntag berichtete, findet die traditionelle Feier am Montagvormittag im Petersdom in deutlich verkleinertem Rahmen statt. Auch der liturgische Ablauf müsse wegen der geltenden Seuchenschutzbestimmungen angepasst werden.

 

Der für Ökumene-Fragen zuständige Kurienkardinal Kurt Koch habe den orthodoxen Ökumenischen Patriarchen von Konstantinopel, Bartholomaios I., vorab über die Einschränkungen informiert. Er hoffe, dass „die unendliche Barmherzigkeit Gottes uns diese beispiellose Situation überwinden lässt“, wird aus dem Brief des Kardinals zitiert. Man gehe von einer Wiederaufnahme der regelmäßigen Kontakte nach dem Sommer aus.

 

Jedes Jahr an Peter und Paul segnet der Papst die Pallien, die für kürzlich ernannte Metropolitan-Erzbischöfe bestimmt sind. Es handelt sich bei den Ehrenzeichen um mit Kreuzen bestickte weiße Schulterbänder. Sie sollen die besondere Verbundenheit der Erzbischöfe mit Rom ausdrücken. Jenen Geistlichen, die wegen der Pandemie nicht persönlich an der Zeremonie teilnehmen können, wird das Band in ihre jeweiligen Diözesen geschickt.

 

Die katholische Kirche gedenkt der Apostel Petrus und Paulus am 29. Juni. Sie starben der Überlieferung nach um das Jahr 64 als Märtyrer in Rom und sind auch Schutzheilige der Stadt, weshalb der Tag in Rom und im Vatikan Feiertag ist. Seit mehr als 40 Jahren kommt eine orthodoxe Delegation des Ökumenischen Patriarchats von Konstantinopel zu den Feierlichkeiten. Der Vatikan seinerseits entsendet jeweils zum Andreasfest am 30. November eine Delegation zu den Feierlichkeiten mit Patriarch Bartholomaios anlässlich des Patronatsfests des Ökumenischen Patriarchats in Istanbul.

 

„Heute werden die Pallien gesegnet, die dem neuen Dekan des Kardinalskollegiums und den im vergangenen Jahr ernannten Metropolitanerzbischöfen verliehen werden. Das Pallium erinnert an die Einheit der Schafe mit dem Hirten, der wie Jesus das Schaf auf seine Schultern nimmt, um sich niemals von ihm zu trennen. Heute verbinden wir uns auch einer schönen Tradition folgend in besonderer Weise mit dem Ökumenischen Patriarchat von Konstantinopel. Petrus und Andreas waren Brüder, und so finden, wenn möglich, zu den jeweiligen Feiertagen gegenseitige brüderliche Besuche statt. Das geschieht nicht einfach aus Höflichkeit, sondern um gemeinsam auf das Ziel zuzugehen, das der Herr uns zeigt: die volle Einheit.“

 

„Wir Menschen heute brauchen Prophetie, und zwar echte Prophetie – nicht Schwätzer, die Unmögliches versprechen, sondern Zeugen dafür, dass das Evangelium möglich ist. Wir brauchen keine wunderbaren Auftritte, sondern Biographien, an denen das Wunder der Liebe Gottes sichtbar wird. Nicht Macht, sondern Kohärenz. Nicht Worte, sondern Gebet. Nicht Apelle, sondern Dienst. Nicht Theorien, sondern Glaubenszeugnisse. Es ist nicht nötig, dass wir reich sind, sondern, dass wir die Armen lieben; es ist nicht nötig, dass wir für uns selbst etwas verdienen, sondern dass wir uns für die anderen verausgaben; wir brauchen nicht die Zustimmung der Welt, sondern Freude an der kommenden Welt; keine effizienten pastoralen Projekte, sondern Hirten, die Leben vermitteln – wir brauchen Menschen, die von der Liebe zu Gott erfüllt sind. Auf diese Weise verkündeten Petrus und Paulus Jesus, als Liebende.“


 

„Es gibt immer solche, die die Einheit zerstören und die Prophetie auslöschen, aber der Herr glaubt an uns und fragt dich: „Willst du mitbauen an der Einheit? Willst du ein Prophet meines Himmels auf Erden sein?“ Lassen wir uns von Jesus provozieren und finden wir den Mut, ihm zu sagen: ‚Ja, ich will!’“.

 

 

kath.net veröffentlicht die Predigt des Heiligen Vaters am Hochfest der Apostel Petrus und Paulus 2020:

 

Anlässlich des Festes der beiden Apostel dieser Stadt möchte ich mit euch zwei Schlüsselworte betrachten: Einheit und Prophetie.

 

Einheit. Wir feiern zwei sehr unterschiedliche Gestalten gemeinsam. Petrus war ein Fischer, der seinen Alltag auf dem Boot und zwischen seinen Netzen verbrachte. Paulus war ein gebildeter Pharisäer, der in den Synagogen lehrte. Als sie auf Mission gingen, wandte sich Petrus an die Juden, Paulus an die Heiden. Und als sich ihre Wege kreuzten, kam es zu lebhaften Diskussionen, wie Paulus freimütig in einem Brief erzählt (vgl. Gal 2,11ff). Kurz gesagt, sie waren zwei sehr unterschiedliche Menschen, aber sie fühlten sich als Brüder, wie es in einer Familie ist, die zusammenhält, wo man des Öfteren diskutiert, sich aber doch liebt. Die Vertrautheit, die sie verband, war aber nicht naturgegeben – sie kam vom Herrn. Er hat uns nicht nur geboten, einander zu mögen, sondern einander zu lieben. Er ist es, der uns vereint, ohne uns dabei zu vereinheitlichen.

 

Die heutige erste Lesung führt uns zum Ursprung dieser Einheit. Sie sagt uns, dass die Kirche gleich zu Beginn eine kritische Phase durchmachte. Herodes wütete, es kam zu einer gewalttätigen Verfolgung, der Apostel Jakobus war getötet worden. Und nun wird auch Petrus verhaftet. Die Gemeinschaft scheint um ihre führenden Köpfe gebracht worden zu sein, jeder fürchtet um sein Leben. Und trotzdem flieht in diesem tragischen Moment niemand, niemand denkt daran, seine eigene Haut zu retten, keiner lässt die anderen im Stich, sondern alle beten gemeinsam. Aus dem Gebet schöpfen sie Mut, aus dem Gebet entsteht eine Einheit, die stärker ist als jede Bedrohung. »Petrus wurde also« – so heißt es im Text – »im Gefängnis bewacht. Die Gemeinde aber betete inständig für ihn zu Gott« (Apg 12,5). Einheit ist ein Prinzip, das durch das Gebet bewirkt wird, denn das Gebet ermöglicht es dem Heiligen Geist einzugreifen, Hoffnung zu schenken, Distanzen zu verringern und uns in Schwierigkeiten zusammenzuhalten.

 

Noch etwas anderes fällt auf. In diesen dramatischen Momenten klagt keiner über das Unheil, über die Verfolgungen oder über Herodes. Es ist unnütz und auch unerquicklich, wenn Christen ihre Zeit damit verschwenden, über die Welt, über die Gesellschaft und alle möglichen Probleme zu lamentieren. Gejammer ändert nichts. (...) Die Christen damals beschuldigten nicht, sie beteten. Niemand in dieser Gemeinschaft sagte: „Wenn Petrus vorsichtiger gewesen wäre, befänden wir uns nicht in dieser Situation.“ Nein, sie sprachen nicht schlecht über ihn, sie beteten für ihn. Sie redeten nicht hinter seinem Rücken über ihn, sondern sie wandten sich an Gott. Und wir heute können uns fragen: „Bewahren wir unsere Einheit durch das Gebet? Beten wir füreinander?“

 

Was wäre, wenn die Menschen mehr beten und weniger herummäkeln würden? Es würde das geschehen, was Petrus im Gefängnis widerfuhr. Wie damals würden sich viele trennende Türen öffnen und viele Ketten, die uns an der Bewegung hindern, würden fallen. (...) Bitten wir um die Gnade, die uns füreinander beten lässt. Der heilige Paulus ermahnte die Christen, für alle Menschen zu beten, vor allem für die Regierenden (vgl. 1 Tim 2,1-3). (...) Dies ist eine Aufgabe, die der Herr uns anvertraut. Kommen wir ihr nach? Oder reden wir nur? Gott erwartet, dass wir auch die ins Gebet einschließen, die nicht so denken wie wir, die uns die Tür vor der Nase zugeschlagen haben, denen wir nur schwer vergeben können. Nur das Gebet löst die Fesseln, nur das Gebet ebnet den Weg zur Einheit.

 

Heute werden die Pallien gesegnet, die dem neuen Dekan des Kardinalskollegiums und den im vergangenen Jahr ernannten Metropolitanerzbischöfen verliehen werden. Das Pallium erinnert an die Einheit der Schafe mit dem Hirten, der wie Jesus das Schaf auf seine Schultern nimmt, um sich niemals von ihm zu trennen. Heute verbinden wir uns auch einer schönen Tradition folgend in besonderer Weise mit dem Ökumenischen Patriarchat von Konstantinopel. Petrus und Andreas waren Brüder, und so finden, wenn möglich, zu den jeweiligen Feiertagen gegenseitige brüderliche Besuche statt. Das geschieht nicht einfach aus Höflichkeit, sondern um gemeinsam auf das Ziel zuzugehen, das der Herr uns zeigt: die volle Einheit. (...)

 

Kommen wir nun zu dem zweiten Wort, zur Prophetie. Unsere Apostel wurden von Jesus provoziert. Petrus wurde gefragt: „Für wen hältst du mich?“ (vgl. Mt 16,15). In diesem Moment verstand er, dass es dem Herrn nicht um eine diffuse Meinung geht, sondern um die persönliche Entscheidung, ihm nachzufolgen. Auch das Leben des Paulus veränderte sich nach einer Provokation durch Jesus: »Saul, Saul, warum verfolgst du mich?« (Apg 9,4). Der Herr erschütterte ihn in seinem Inneren. Er ließ ihn nicht nur auf dem Weg nach Damaskus zu Boden fallen, er ließ zugleich die Selbstgefälligkeit von ihm abfallen, mit der er sich für einen religiösen und anständigen Menschen hielt. So wurde der stolze Saulus zu Paulus, was „klein“ bedeutet.

 

Auf diese Provokationen, diese Umkehrungen im Leben folgen dann prophetische Verheißungen: »Du bist Petrus und auf diesen Felsen werde ich meine Kirche bauen« (Mt 16,18); und über Paulus heißt es: »Dieser Mann ist mir ein auserwähltes Werkzeug: Er soll meinen Namen vor Völker […] tragen« (Apg 9,15). Prophetie entsteht also, wenn man sich von Gott provozieren lässt, und nicht, wenn man es sich behaglich einrichtet und alles unter Kontrolle behält. Wenn das Evangelium Gewissheiten über den Haufen wirft, entsteht Prophetie. Nur wer offen ist für Gottes Überraschungen wird zum Propheten. Petrus und Paulus sind solche Propheten, die weiter sehen. Petrus verkündet als erster, dass Jesus »der Christus, der Sohn des lebendigen Gottes« ist (Mt 16,16). Paulus nimmt das Ende seines eigenen Lebens vorweg: »Schon jetzt liegt für mich der Kranz der Gerechtigkeit bereit, den mir der Herr […] geben wird« (2 Tim 4,8). 

 

Wir Menschen heute brauchen Prophetie, und zwar echte Prophetie – nicht Schwätzer, die Unmögliches versprechen, sondern Zeugen dafür, dass das Evangelium möglich ist. Wir brauchen keine wunderbaren Auftritte, sondern Biographien, an denen das Wunder der Liebe Gottes sichtbar wird. (...) Nicht Macht, sondern Kohärenz. Nicht Worte, sondern Gebet. Nicht Apelle, sondern Dienst. (...) Nicht Theorien, sondern Glaubenszeugnisse. Es ist nicht nötig, dass wir reich sind, sondern, dass wir die Armen lieben; es ist nicht nötig, dass wir für uns selbst etwas verdienen, sondern dass wir uns für die anderen verausgaben; wir brauchen nicht die Zustimmung der Welt, sondern Freude an der kommenden Welt; keine effizienten pastoralen Projekte, (...) sondern Hirten, die Leben vermitteln – wir brauchen Menschen, die von der Liebe zu Gott erfüllt sind. Auf diese Weise verkündeten Petrus und Paulus Jesus, als Liebende.

 

Vor seiner Kreuzigung denkt Petrus nicht an sich selbst, sondern an seinen Herrn, und da er sich für unwürdig hält, so zu sterben wie er, bittet er darum, mit dem Kopf nach unten gekreuzigt zu werden. Vor der Enthauptung denkt Paulus nur daran, sein Leben hinzugeben, und schreibt, dass er »geopfert« werden will (2 Tim 4,6). Dies ist Prophetie. Nicht Worte. Und sie verändert die Geschichte.

 

Liebe Brüder und Schwestern, Jesus prophezeite dem Petrus: »Du bist Petrus und auf diesen Felsen werde ich meine Kirche bauen« (Mt 16,16). Auch für uns gibt es eine ähnliche Prophetie. Sie findet sich im letzten Buch der Bibel, wo es heißt, Jesus werde seinen treuen Zeugen »einen weißen Stein geben, und auf dem Stein steht ein neuer Name geschrieben« (Offb 2,17). So wie der Herr Simon in Petrus verwandelt hat, so ruft er einen jeden von uns, um uns zu lebendigen Steinen zu machen, mit denen er die Kirche und die Menschheit erneuern kann. Es gibt immer solche, die die Einheit zerstören und die Prophetie auslöschen, aber der Herr glaubt an uns und fragt dich: „Willst du mitbauen an der Einheit? Willst du ein Prophet meines Himmels auf Erden sein?“ Lassen wir uns von Jesus provozieren und finden wir den Mut, ihm zu sagen: „Ja, ich will!“


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