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Kyrill I. zu Hagia Sophia: „Ich bin zutiefst besorgt“

8. Juli 2020 in Weltkirche, keine Lesermeinung
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Russisch-orthodoxer Patriarch kritisiert „die Aufrufe mancher türkischer Politiker, den Museumsstatus der Kirche Hagia Sophia neu zu überdenken“.


Moskau (kath.net) Die Hagia Sophia in Istanbul soll offenbar wieder in den Status einer aktiven Moschee übergeführt werden, so lauten jedenfalls aktuelle Nachrichten aus der Türkei. Möglicherweise treibt der türkische Präsident Erdogan die Umwandlung in eine Moschee voran, kath.net hat berichtet. Zuvor war die Kathedrale im alten Konstantinopel, die als „Vatikan der Ostkirche“ einst von gewaltiger weltkirchlicher und auch von architekturgeschichtlicher Bedeutung war, als Museum gestaltet gewesen, um Spannungen zwischen den Religionen zu vermeiden. Die Hagia Sophia war Krönungskirche byzantinischer Kaiser (seit 641), Kathedrale des Ökumenischen Patriarchats von Konstantinopel und Ort wichtiger historischer Ereignisse gewesen. Nach der Eroberung Konstantinopels durch die Osmanen im Jahr 1453 verlor sie an Bedeutung, blieb aber in der Bausubstanz weitgehend unverändert erhalten. Sie war lange eine Moschee, bevor sie unter Atatürk in ein Museum umgewandelt wurde. Noch heute gilt sie als ein Wahrzeichen Istanbuls.


 

Nun äußerte sich Kyrill I., der Patriarch von Moskau und der ganzen Rus, zu den Vorhaben:

 

„Durch die Aufrufe mancher türkischer Politiker, den Museumsstatus der Kirche Hagia Sophia neu zu überdenken, bin ich zutiefst besorgt.

 

Diese im VI. Jahrhundert zur Ehre Christi des Erlösers erbaute Kirche bedeutet viel für die ganze Orthodoxie. Und der Russischen Kirche bleibt sie insbesondere teuer. Als die Gesandten des Großfürsten Wladimir die Schwelle dieser Kirche betreten hatten, wurden sie von der Faszination ihrer himmlischen Schönheit ergriffen. Als der hl. Wladimir ihre Erzählung gehört hatte, ließ er sich und die Rus‘ taufen, die im Anschluss an ihn in eine für sie neue geistige und historische Dimension – in die christliche Zivilisation – eingetreten war.

 

Über viele Generationen wurde uns die Begeisterung für die Errungenschaften dieser Zivilisation weitergegeben, deren Teil wir nun sind. Und eines ihrer ehrfürchtig verehrten Symbole war und bleibt die Hagia Sophia. Ihr Bild ist in unsere Kultur und Geschichte fest eingeprägt. Es inspirierte unsere Baumeister in Kiew, Nowgorod, Polotsk – in allen wichtigen Zentren des geistigen Werdens der Alten Rus’.

 

 In der Geschichte der Beziehungen zwischen der Rus’ und Konstantinopel gab es unterschiedliche Perioden, manchmal auch sehr schwierige. Aber gegenüber jedem Versuch, das tausendjährige geistige Erbe der Kirche von Konstantinopel zu demütigen und zu schänden, empfand und empfindet das russische Volk Bitternis und Empörung. Eine Gefahr für die Hagia Sophia ist eine Gefahr für die gesamte christliche Zivilisation, und zwar für unsere Spiritualität und Geschichte. Bis heute ist die Hagia Sophia für jeden russischen orthodoxen Gläubigen ein großes christliche Heiligtum.

 

Es ist die Pflicht eines jeden zivilisierten Staates, das Gleichgewicht zu wahren: die Widersprüche in der Gesellschaft zu versöhnen, aber nicht zu verschärfen; die Einheit der Menschen zu fördern und nicht die Trennung.

 

Die Beziehungen zwischen der Türkei und Russland entwickeln sich heute dynamisch. Dabei ist zu berücksichtigen, dass die Bevölkerung Russlands mehrheitlich orthodox ist. Deshalb wird das, was mit der Hagia Sophia möglicherweise passieren wird, im russischen Volk einen tiefen Schmerz hervorrufen.

 

Ich hoffe auf Besonnenheit der türkischen Staatsführung. Die Bewahrung des heutigen neutralen Status der Hagia Sophia, – eines der größten Meisterwerke der christlichen Kultur, einer der symbolträchtigsten Kirchen für Millionen Christinnen und Christen weltweit, — wird der weiteren Entwicklung der Beziehungen zwischen Russland und der Türkei dienen, sowie der Stärkung des interreligiösen Friedens und der Eintracht.“

 

Foto Patriarch Kyrill I. © Wikipedia/Serge Serebro, Vitebsk Popular News/Wikimedia, Lizenz: Creative Commons Attribution-Share Alike 3.0 Unported


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