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Slowakei: Bischofskonferenz-Vorsitzender Zvolensky vermisst "Fairness" gegenüber Kirchen

1. August 2020 in Aktuelles, 4 Lesermeinungen
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"Menschen als homophob zu bezeichnen, nur weil sie mit einem umdefinierten Ehebegriff nicht einverstanden sind, und sie deswegen an den Pranger zu stellen", sei "ebenso intolerant wie jemanden wegen seiner sexuellen Orientierung zu entehren"


Bratislava (kath.net/KAP) Zu mehr "Fairness gegenüber den Kirchen" hat der Vorsitzende der Slowakischen Bischofskonferenz, Erzbischof Stanislav Zvolensky, aufgerufen. In der Gesellschaft seines Heimatlandes setze sich derzeit eine "Kommunikationsreform" durch, im Zuge derer Gläubige in der Öffentlichkeit "wegen religiös fundierter Standpunkte dem Gelächter, ja der offenen Schmähung preisgegeben werden". Es gelte zunehmend als legitim, religiöse Überzeugungen "in aggressiver Weise geringzuschätzen", bedauerte der Erzbischof von Bratislava in "einigen persönlichen Beobachtungen", die er zu Wochenbeginn hinsichtlich der Rolle der Kirchen in der Gesellschaft vorlegte.

Als Beispiel für den Wandel führte der Bischofskonferenz-Vorsitzende eine Fernsehdebatte an, bei der eine Teilnehmerin, die sich für den Schutz ungeborenen Lebens einsetzt, "von vornherein diskreditiert" worden sei; eine Kontrahentin habe ein T-Shirt mit abtreibungsfreundlicher Botschaft getragen. Es sei bedenklich, dass dergleichen heute als "Standard" betrachtet werde, befand Zvolensky. Ähnliches gelte für diverse "Antipreise". "Einen Preis für den 'Homomanen des Jahres' zu verleihen, wäre in der Slowakei undenkbar, der Preis für den 'Homophoben des Jahres' hingegen erfreut sich der Gunst der Medien", schrieb der Erzbischof.


"Menschen als homophob zu bezeichnen, nur weil sie mit einem umdefinierten Ehebegriff nicht einverstanden sind, und sie deswegen an den Pranger zu stellen", sei "ebenso intolerant wie jemanden wegen seiner sexuellen Orientierung zu entehren": Dies hätten auch Vertreter der Evangelischen Kirche A.B. unlängst ganz klar ausgesprochen, erinnerte der Bischofskonferenz-Vorsitzende.

Die Kirchen würden sich "entschieden zur Pflicht bekennen, den Nächsten zu lieben und ihn vor Diskriminierung zu schützen: den Gläubigen wie den Ungläubigen, Mann wie Frau, den Homosexuellen wie den Heterosexuellen". Dies verpflichte sie jedoch nicht dazu, "neue Begriffsbestimmungen zu übernehmen und uralte Überzeugungen über die Ehe und die Heiligkeit des menschlichen Lebens zu verändern, die (nicht nur) aus der Heiligen Schrift hervorgehen".
Prinzipien nicht über Bord werfen

Ausdruck von Kultur und Toleranz sei in einer Demokratie der "Respekt gegenüber verschiedenartigen Ansichten und Überzeugungen". Dazu zähle auch das Verständnis dafür, "dass die Kirchen nicht Prinzipien im Bereich der Familie und des Schutzes der Ungeborenen über Bord werfen können. Das geht einfach nicht", so der oberste Repräsentant der katholischen Kirche in der Slowakei. Papst Franziskus bezeichne derartige Umdeutungen der Prinzipien treffend als "ideologische Kolonisierungen".

Offensichtlich fänden sich "auch in den Reihen der Kirchen Leute, die ihre Anschauungen im Widerspruch zur Lehre als 'aktueller' präsentieren", schrieb Zvolensky. Bemerkenswert sei dabei allerdings, "dass sie bei all ihrer Fortschrittlichkeit oft nicht mit einer Herabsetzung der Kirchenvertreter sparen und ihre Gehässigkeit mit Beispielen von Gestalten aus vergangenen Jahrhunderten untermauern". Ihnen sei "entgangen, dass die Kirchen sich heute bemühen, Konflikten mittels des echtesten Fortschritts - des ökumenischen Dialogs - zuvorzukommen".

Keine Sehnsucht nach Kulturkampf

Die katholische Kirche respektiere die Ergebnisse demokratischer Wahlen und bringe allen Vertretern des Staates Respekt entgegen, "auch jenen, die sich im persönlichen Leben nicht an den moralischen Prinzipien der Heiligen Schrift oder des Katechismus orientieren", betonte der Erzbischof. Ihre Bereitschaft, "mit allen Bürgern der Slowakei ungeachtet von deren Glaubensbekenntnis und Lebensform auszukommen", habe die Kirche auch in der Corona-Krise unter Beweis gestellt. Durch "nie dagewesenen" Verzicht sogar auf ihre kostbarsten Feiern und Zeremonien habe sie "ein Maximum an Zusammenarbeit mit der bürgerlichen Gesellschaft aufgeboten".

Bei all dem sehne sich die Kirche keinesfalls nach einem "Kulturkampf", sondern lehne vielmehr jede Verketzerung Andersdenkender ab, hielt der Vorsitzende der Bischofskonferenz fest - "auch wenn sie Ansichten vorbringt, die anderen direkt widersprechen". Die Kirche sei überzeugt, "dass die Grundsätze der demokratischen Gesellschaftsordnung diese Freiheit ermöglichen sollten".

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