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"Gott ist der gute Hirte, nicht ich"

9. September 2020 in Jugend, 4 Lesermeinungen
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"ER sorgt für seine Schafe. Ich bin nur ein Schaf. Es ist nicht meine Verantwortung, die Welt zu retten. Ich habe nur den Auftrag, allen zu verkünden, dass es einen Retter gibt" - Die Jugendkolumne von kath.net - Von Lucia Kirchgasser


Salzburg (kath.net)

Ich bin empathisch und sensibel. Ich spüre schnell, wenn jemand etwas braucht und wenn es jemandem nicht gut geht. Und diesen Zustand halte ich überhaupt nicht aus. Ich fühle mich sofort getrieben, etwas zu unternehmen. Hauptsache die unangenehmen Gefühle des anderen verschwinden. Hauptsache ich enttäusche nicht. Hauptsache Harmonie. Ich bin so sehr eingenommen von dem, was ich von anderen spüre, dass ich mich selbst oft gar nicht spüre. Erst viel zu spät, meistens wenn mein Körper durch irgendwelche Krankheitssymptome schreit, wache ich auf.


 

Ich kann niemals allen gerecht werden. Das ist dieses Wochenende deutlich bei mir angekommen. Und genau das zermürbt mich. Das erschreckt mich. Es macht mir Angst. Es macht mir Angst, begrenzt zu sein.

 

Bin ich geliebt, obwohl da diese Last auf ihren Schultern liegt und sie damit allein fertig werden müssen?  Bin ich geliebt, auch wenn es dem anderen nicht gut geht und er mir seine Liebe nicht zeigen kann? Bin ich geliebt, wenn ich nicht gebe? Bin ich geliebt, obwohl ich Erwartungen und Hoffnungen enttäusche? Darf ich etwas brauchen?

 

Heute habe ich erkannt, dass ich nicht allein von der Liebe und Anerkennung meiner Mitmenschen abhängig bin. Ich weiß, wer mein Gott ist und dass ER mich liebt. Ich weiß, wenn ER mich liebt, dann darf auch ich mich lieben, so wie ich bin – mit all meiner Fülle und in all meiner Begrenztheit. ER will, dass es mir gut geht, also darf auch ich gut zu mir sein und gut für mich selbst sorgen. Denn was kann ich geben, was ich nicht davor empfangen habe?

 

Gott hat mir klare Grenzen gegeben, damit ich geschützt und sicher bin. Er hat mir Grenzen gegeben, damit es mir gut geht und ich Raum habe, mich zu entfalten, satt und gesund zu sein. Darum nehme ich diese Grenzen ernst und achte sie. Ich werde nicht aufhören, mich liebevoll und mutig für andere einzusetzen und hinzugeben. Aber ich fange an, mich auch liebevoll und mutig um mich selbst zu kümmern.

 

Gott ist der gute Hirte, nicht ich. ER sorgt für seine Schafe. Ich bin nur ein Schaf. Es ist nicht meine Verantwortung, die Welt zu retten. Ich habe nur den Auftrag, allen zu verkünden, dass es einen Retter gibt. Ein Retter, der kommt und siegt. Halleluja! 


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