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Die Freundschaft Christi

3. November 2020 in Aktuelles, keine Lesermeinung
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Benedikt XVI. – Licht des Glaubens: die Perspektive der Freundschaft, vor die Jesus uns stellt, umfasst die ganze Menschheit. Denn er will für alle der Gute Hirt sein, der sein Leben hingibt, und das betont er. Von Armin Schwibach


Rom (kath.net/as) Die Freundschaft mit Christus – wie schaut sie aus? Wie und auf welchen Wegen führt sie zum Reich des einen Königs? Zum Reich, in dem die Kinder Gottes leben, das heißt jene, die ihn als die absolute und einzige Wahrheit erkannt und gelebt haben? Jene, die den Geboten Gottes in Freiheit und entschlossen folgen und das in die Natur eingelassene Rechte achten, verkünden und vorwärts bringen? Wer sind diese?

Das Evangelium zum Dienstag der 31. Woche im Jahreskreis gibt hierzu einen Schlüssel, dies mit dem Gleichnis vom Festmahl:

„Als einer der Gäste das hörte, sagte er zu Jesus: Selig, wer im Reich Gottes am Mahl teilnehmen darf. Jesus sagte zu ihm: Ein Mann veranstaltete ein großes Festmahl und lud viele dazu ein. Zur Stunde des Festmahls schickte er seinen Diener aus und ließ denen, die er eingeladen hatte, sagen: Kommt, alles ist bereit! Aber alle fingen an, einer nach dem anderen, sich zu entschuldigen. Der erste ließ ihm sagen: Ich habe einen Acker gekauft und muss dringend gehen und ihn besichtigen. Bitte, entschuldige mich! Ein anderer sagte: Ich habe fünf Ochsengespanne gekauft und bin auf dem Weg, um sie zu prüfen. Bitte, entschuldige mich! Wieder ein anderer sagte: Ich habe geheiratet und kann deshalb nicht kommen. Der Diener kehrte zurück und berichtete dies seinem Herrn. Da wurde der Hausherr zornig und sagte zu seinem Diener: Geh schnell hinaus auf die Straßen und Gassen der Stadt und hol die Armen und die Krüppel, die Blinden und die Lahmen hierher! Und der Diener meldete: Herr, dein Auftrag ist ausgeführt; und es ist immer noch Platz. Da sagte der Herr zu dem Diener: Geh zu den Wegen und Zäunen und nötige die Leute hereinzukommen, damit mein Haus voll wird. Denn ich sage euch: Keiner von denen, die eingeladen waren, wird an meinem Mahl teilnehmen“ (Lk 14,25-24).


Benedikt XVI. ging einmal in einer Ansprache vor den Priestern und Bischöfen Italiens genau auf diese Frage ein. Das Priestertum besteht darin, sich mit Christus zu identifizieren. Und das geht nur als „Freunde Christi“. So kann dann die ganze Dimension der Freundschaft Christi erfasst werden, sie sich auf die ganze Menschheit erstreckt, „summum mysterium“. Die Kirche wendet sich an alle und muss die Heilsbotschaft allen bringen. Das kirchliche Sein darf für Benedikt XVI. nie in sich verschlossen bleiben, sondern muss in seiner Wahrheit vor allen sichtbar werden, um sie so zu rufen.

 

Benedikt XVI., aus der Ansprache an die Teilnehmer der Vollversammlung der Italienischen Bischofskonferenz, 18. Mai 2006:

Im Mittelpunkt unserer Beziehung zu den Priestern sowie unseres und ihres Lebens steht ganz klar die Beziehung zu Christus, die tiefe Einheit mit ihm, die Teilhabe an der Sendung, die er vom Vater erhalten hat. Das Geheimnis unseres Priestertums besteht in der Identifizierung mit ihm, kraft der wir schwache und arme Menschen durch das Sakrament der Weihe »in persona Christi capitis« sprechen und handeln können. Unser ganzer Lebensweg als Priester kann nur auf dieses Ziel ausgerichtet sein: dass wir dem Geschenk und Geheimnis, das wir empfangen haben, in der Wirklichkeit des Daseins und im täglichen Verhalten Gestalt verleihen. Auf diesem Weg sollen uns die Worte Jesu leiten und stärken: »Ich nenne euch nicht mehr Knechte; denn der Knecht weiß nicht, was sein Herr tut. Vielmehr habe ich euch Freunde genannt; denn ich habe euch alles mitgeteilt, was ich von meinem Vater gehört habe« (Joh 15,15). Der Herr gibt sich in unsere Hände, er übergibt uns sein tiefstes persönliches Geheimnis, er will uns Anteil an seiner Heilsmacht geben. Das erfordert natürlich, daß wir unsererseits wirklich Freunde des Herrn sind, dass wir so gesinnt sind, wie er gesinnt war, dass unser Wille seinem Willen entspricht (vgl. Phil 2,5), und das ist ein Weg, den wir jeden Tag gehen müssen.

Die Perspektive der Freundschaft, vor die Jesus uns stellt, umfaßt die ganze Menschheit. Denn er will für alle der Gute Hirt sein, der sein Leben hingibt (vgl. Joh 10,11), und das betont er besonders in der Rede vom Guten Hirten, der gekommen ist, um alle zusammenzuführen, nicht nur das auserwählte Volk, sondern alle Kinder Gottes, die in der Zerstreuung leben. Deshalb kann auch unsere Hirtensorge nur universal sein.

Sicher müssen wir uns vor allem um diejenigen kümmern, die wie wir mit der Kirche glauben und leben – es ist auch in dieser Dimension der Universalität sehr wichtig, dass wir besonders auf die Gläubigen achten, die jeden Tag ihr Kirche- Sein mit Demut und Liebe leben –, und doch dürfen wir nicht müde werden, »auf die Landstraßen und vor die Stadt« (Lk 14,23) hinauszugehen, wie der Herr uns auffordert, und zum Gastmahl einzuladen, das Gott auch denen bereitet hat, die ihn bisher noch nicht kannten oder vielleicht nicht kennen wollten.

Liebe italienische Mitbrüder im Bischofsamt, ich schließe mich euch an, um unseren Priestern für ihre ständige und oft verborgene Hingabe aufrichtig zu danken und sie mit brüderlichem Herzen zu bitten, immer auf den Herrn zu vertrauen und hochherzig und mutig den Weg fortzusetzen, der zur Heiligkeit führt, indem sie auch uns Bischöfe auf dem gleichen Weg stärken und stützen.


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