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US-Außenminister besucht Ökumenischen Patriarchen

16. November 2020 in Chronik, 1 Lesermeinung
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Verärgerung in Ankara, weil die Pompeo-Visite am Bosporus ausschließlich Bartholomaios I. gilt - US-Außenminister will mit Ökumenischem Patriarch über Religionsfreiheit sprechen


Istanbul/Washington (kath.net/KAP) US-Außenminister Mike Pompeo wird am Dienstag in Istanbul mit dem orthodoxen Ökumenischen Patriarchen Bartholomaios I. zusammentreffen. Im Phanar, dem Sitz des Patriarchen von Konstantinopel, wurde am Wochenende das genaue Datum der Visite bestätigt, die das State Department in Washington schon vergangene Woche angekündigt hatte. Es sei vorgesehen, über religiöse Fragen in der Türkei zu reden und die entschlossene Haltung Washingtons im Hinblick auf die Religionsfreiheit in aller Welt darzulegen, hieß es aus dem US-Außenministerium. Pompeo befindet sich aktuell auf einer Europa- und Nahost-Tour, die ihn am Montag nach Frankreich und nach dem Besuch in Istanbul weiter nach Georgien, Israel, Qatar, Saudi-Arabien und in die Vereinigten Arabischen Emirate führen soll.

Auffällig ist, dass Pompeo nur nach Istanbul reist und es nicht auch zu Begegnungen mit türkischen Regierungsoffiziellen wie Außenminister Mevlut Cavusoglu kommt. Mitarbeiter des US-Außenministeriums betonten, Pompeo wolle sich auf das Thema Religionsfreiheit konzentrieren und in Istanbul neben Bartholomaios auch mit dem armenisch-apostolischen Patriarchen Sahag II. Mashalian und dem syrisch-orthodoxen Metropoliten Mor Philoxenos Yusuf Cetin zusammentreffen. Die Regierung in Ankara nahm die Ankündigung des Pompeo-Besuchs und dessen Fokus auf Fragen von Religionsfreiheit mit äußerstem Missfallen auf. Die Erklärung aus Washington sei "extrem unangemessen", teilte das türkische Außenministerium in einer offiziellen Erklärung mit. Denn in der Türkei seien die Rechte der Bürger unterschiedlicher religiöser Zugehörigkeit zur "freien Ausübung ihres Glaubensbekenntnisses" geschützt. Für die US-Politik wäre es besser, "zuerst in den Spiegel zu schauen" und dabei die notwendige Sensibilität für Menschenrechtsverletzungen wie Rassismus, Islamophobie und Hassverbrechen im eigenen Land zu zeigen.


Diese Stellungnahme sei auch der amerikanischen Seite übermittelt worden. Man habe Washington eingeladen, sich lieber auf die Kooperation zwischen den USA und der Türkei in "regionalen und globalen" Fragen zu konzentrieren. Nach Angaben des Nachrichtenagentur Bloomberg, die sich auf türkische Diplomaten beruft, soll Pompeo eine Einladung Cavusoglus abgelehnt haben, während seines Besuchs in der Türkei nach Ankara zu kommen und stattdessen Cavusoglu gebeten haben, für eine Begegnung nach Istanbul zu kommen. Dies wiederum dürfte der türkische Außenminister abgelehn t haben. Ein Sprecher des State Department verwies auf Pompeos engen Zeitplan: "Ich verstehe, dass auch die türkischen Offiziellen - einschließlich des Präsidenten und des Außenministers - ihre Reisepläne haben und daher nicht in Istanbul sein werden."

Naheverhältnis Washington-Phanar

Das Naheverhältnis zwischen dem Ökumenischen Patriarchat von Konstantinopel und dem State Department ist ein seit Jahrzehnten in der Weltorthodoxie viel diskutierter Aspekt. Der Phanar erinnert in seiner aktuellen Ankündigung des Besuchs von Pompeo daran, dass auch frühere US-amerikanische Außenminister - darunter Madeleine Albright, John Kerry und Hilary Clinton - im Phanar zu Gast waren. In diesen Besuchen sei die Bedeutung des Ökumenischen Patriarchats als einer Institution mit lang zurückreichender Geschichte sichtbar geworden, das Patriarchat habe einen überaus wertvollen Beitrag für die globale Zivilisation geleistet. Pompeo wolle mit Bartholomaios I. Fragen der Grundrechte und der Religionsfreiheit besprechen, für die sich die Vereinigten Staaten immer eingesetzt hätten.

Bereits im Februar 2019 habe Pompeo den Patriarchen nach Washington eingeladen, um aktuelle Fragen, wie die Rolle der Religionen bei der Festigung von Frieden und Stabilität in der Welt zu diskutieren. Wegen der vielen Verpflichtungen des Ökumenischen Patriarchen sei dieses Treffen in den Vereinigten Staaten aber nicht zustande gekommen, so der Phanar. Geschlossene Hochschule von Chalki wird voraussichtlich ein wichtiges Thema im Gespräch von Bartholomaios I. mit Pompeo die nach wie vor ungelöste Frage einer Wiedereröffnung der orthodoxen Theologischen Fakultät und des Priesterseminars auf der Marmara-Insel Chalki sein. In einem auf seiner Heimatinsel Imbros geführten Interview mit der nordamerikanischen griechischen Zeitung "National Herald" bezeichnetes es der Ökumenische Patriarch jüngst als seine größte Sorge, dass es immer noch nicht gelungen sei, die Theologische Fakultät und das Priesterseminar wieder zu eröffnen. Er könne nicht verstehen, warum die Regierung in Ankara Befürchtungen angesichts einer Wiedereröffnung des Seminars hege, warum sie vor der Präsenz von 50 bis 100 Studenten Angst habe, die als Priester oder Lehrer der Menschheit dienen werden, als "Verkünder von Nächstenliebe und Frieden" sowie als Vorkämpfer der Solidarität zwischen den Nationen. Das Priesterseminar auf der Prinzeninsel Chalki bei Istanbul war seit 1844 der wichtigste Ausbildungsort für orthodoxe Geistliche. 1971 schloss die türkische Regierung die Lehrstätte.

 Als offizielle Begründung hieß es, private Universitäten seien illegal. Die Situation bringt die inzwischen auf knapp 2.000 Mitglieder geschrumpfte Gemeinde der griechisch-orthodoxen Christen vor Ort zunehmend in Bedrängnis. Der Patriarch muss laut türkischem Gesetz in der Türkei geboren sein. Da durch die Schließung des Seminars auf der Prinzeninsel aber keine Priester mehr im Land ausgebildet werden können, geht der Gemeinde langsam der Nachwuchs aus. Weitere "Bruchstelle" zur Türkei Indes kündigt sich noch eine andere "Bruchstelle" im Verhältnis zur Türkei an, die nicht nur in Washington, sondern auch in vielen europäischen Außenministerien Kopfzerbrechen bereitet, wie der Informationsdienst der Stiftung Pro Oriente (Montag) berichtete. 2021 ist das 200-Jahr-Gedenken der griechischen Revolution von 1821 fällig.

Dabei wird es unvermeidlicherweise nicht nur zu einer kritischen Beurteilung der jahrhundertelangen osmanischen Herrschaft in Griechenland kommen, auch die Ereignisse der letzten 200 Jahre - einschließlich der "Kleinasiatischen Katastrophe" (Niederlage Griechenlands im Krieg gegen die Türkei 1919-22) und des nach wie vor ungelösten Zypern-Problems - werden zu berücksichtigen sein. Der US-amerikanische Botschafter in Athen, Geoffrey Pyatt, hatte dieser Tage eine ausführliche Videokonferenz mit der Vorsitzenden des Komitees "Griechenland 2021", Gianna Angelopoulou-Daskalaki, wie die Website "Orthodox Times" berichtet. Im Hinblick auf die große "Greek Community" in den Vereinigten Staaten wird es auch auf amerikanischem Boden zahlreiche Veranstaltungen zum 200-Jahr-Gedenken geben.

 

Copyright 2020 Katholische Presseagentur KATHPRESS, Wien, Österreich Alle Rechte vorbehalten

 

Foto: (c) Von Massimo Finizio, CC BY 3.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=3020953


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Lesermeinungen

 Chris2 16. November 2020 
 

Realsatire. Bis an die Schmerzgrenze.

Die lupenreine Erdolf-Demokratur hat sich nicht nur erklärtermaßen das deutsche Zensurgesetz zum Vorbild genommen, sondern klingt auch genau so: "Menschenrechtsverletzungen wie Rassismus, Islamophobie und Hassverbrechen" kennt man 1:1 von Zensur-Maas, Präsident-des-untergangswilligen-Teils-der-Deutschen Steinmeier, Islamversteherin Roth & Consorten. Fraglich ist nur, wer hier wen kopiert. Aber egal wie: Schmeichelhaft ist es bestenfalls für den Sultan. Obwohl... Und: Für unsere "lupenreinen" ist es so oder so entlarvend...


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